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Störfaktor Mensch im Vogelschutzgebiet

Naturschutzbund spricht von Übernutzung Störfaktor Mensch im Vogelschutzgebiet

Die Sehnsucht, in der ­Natur zu entspannen, Freizeitangebote wahrzunehmen und dabei auch noch möglichst ­unberührte Natur erleben zu wollen, sorgt auf ­dichtbesiedeltem Raum für Interessenskonflikte.

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Zur Baumpflanzungsaktion auf der Zeiteninsel kam sogar die damalige Ministerin für Wissenschaft und Kunst Eva Kühne-Hörmann (rechts).

Quelle: Tobias Hirsch

Weimar. Am Donnerstag soll im Gemeindeparlament Weimar der Bebauungsplan „Zeiteninsel“ bei Argenstein zur Umsetzung des Freilichtmuseums mit Parkplatz und Zuwegung zur Rechtskraft gebracht werden. Angesichts der bisherigen Planungen und Finanzierungszusagen - das Land steuert fünf Millionen Euro hinzu - nur ein formaler Vorgang. Sicher haben auch Naturschützer nicht wirklich etwas gegen das einzigartige Freiluftmuseum an sich.

Doch in der Summe, so Björn Behrend, Vorsitzender der ­Nabu-Ortsgruppe Fronhausen, ist das, was da alles im Vogelschutzgebiet Lahntal zwischen Gießen und Marburg passiert, Gift für den eigentlichen Zweck eines Schutzgebietes.

Behrend hat im Auftrag des Nabu-Kreisverbandes Marburg-Biedenkopf eine Stellungnahme des Nabu zum Bebauungsplan „Zeiteninsel“ abgegeben und darin einige Bedenken geäußert, die sich jedoch nicht allein auf das Vorhaben „Zeiteninsel“ beziehen, sondern aufzeigen, dass es aus Sicht der Naturschützer auch ohne Zeiteninsel schon sehr viele unterschiedliche Punkte gibt, die keinesfalls mit einem Vogelschutzgebiet vereinbar seien.

Dabei geht es zunächst um längst genehmigte Einrichtungen wie etwa den Kiesabbau oder die Ansiedelung von Gewerbe in unmittelbarer Nachbarschaft zur Lahn oder die konkrete Nutzung der Lahn etwa durch Kanutouristen oder das Vorhandensein von Rad- und Wanderwegen wie etwa den Waldenserpfad. Doch es geht auch um andere Störfaktoren, die offenbar im betreffenden Vogelschutzgebiet beobachtet wurden, weil sie sonst ja nicht aufgezählt werden könnten.

Dabei geht es beispielsweise um Jagdhundeausbildung „auch in besonders sensiblen Kernbereichen“, um das Fliegen lassen von Modellflugzeugen oder das Steuern von Modellbooten auf den Kiesbaggerteichen bei Niederweimar und die Jagdausübung auch während der Rastzeiten der Zugvögel.

Eine Mittelspannungsleitung im Vogelschutzgebiet habe allein in den Jahren 2012 und 2013 zwei Schwarzstörchen, einem Weißstorch, einem Graureiher und zwei Höckerschwänen das Leben gekostet. Aber auch Vogelbeobachter und ­Vogelfotografen werden mit Spaziergängern, Joggern und Radfahrern als Biotopblockierer ausgemacht.

Naturschutzbehördesieht keine Bedenken

Mit der Einrichtung des Freilichtmuseums „Zeiteninsel“ erfahre dieser voranschreitende Übernutzungsprozess eine weitere Beschleunigung und das Vogelschutzgebiet in der Gesamtsumme seiner Beeinträchtigungen eine erhebliche Verschlechterung, so das Fazit des Nabu-Mitglieds.

Die Gemeinde Weimar empfiehlt der Gemeindevertretung, die Bedenken zum Bau der Zeiteninsel zurückzuweisen. So seien verschiedene Fachgutachten erstellt und der unteren Naturschutzbehörde vorgelegt worden und in die Bearbeitung der Umweltprüfung zur Bauleitplanung eingeflossen.

So kommt denn auch die Naturschutzbehörde zum Ergebnis, dass „eine Unverträglichkeit der Planung mit den Erhaltungszielen des EU-Vogelschutzgebietes Lahntal zwischen Marburg und Gießen ausgeschlossen werden kann“.

Dies auch vor dem Hintergrund, dass nordöstlich der Gaststätte Ochsenburg eine Ausgleichsfläche vorgesehen ist. Wozu das noch? Nun, die Zeiteninsel soll schließlich über einen noch zu bauenden Parkplatz mit Zuweg zum Museum erschlossen werden.

von Götz Schaub

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