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„So viel wie nötig, so wenig wie möglich“

Nutzungsplan für Windenergieanlagen „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“

Zur Fertigstellung der geplanten Windenergie in der Region Lumdatal informierten die betei­ligten Kommunen über den Stand der Windkraftentwicklung und die nächsten Schritte.

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Der Flächenplan für die Windenergieanlagen zwischen Ebsdorfergrund, Staufenberg, Lumdatal und Rabenau.

Quelle: Ina Tannert

Buseck. Der Entwurf des interkommunalen Flächennutzungsplans für potenzielle Windenergieanlagen ist fast fertig, die Planung für die Region Lumdatal nahezu abgeschlossen, im Januar kann das Konzept dem Regierungspräsidium übergeben werden. In Zukunft möchten die beteiligten sieben Gemeinden ein Stück vom Energie-Kuchen, wollen selbst bestimmen, an welcher Stelle innerhalb der Gemeinde­gebiete Windräder gebaut werden dürfen und wo nicht.

Vertreter der Kommunen, das Bürgerforum Energieland Hessen sowie die Projektplaner stellten vor rund 150 Besuchern den aktuellen Planungsstand am Dienstag im Kulturzentrum Bus­eck vor. An dem gemeinsamen Flächennutzungsplan beteiligt sind die Gemeinden Allendorf/Lumda, Buseck, Ebsdorfergrund, Fronhausen, Rabenau, Reiskirchen und Staufenberg.

Planungsbüro hat fünf Flächen ausgewählt

Nach Kriterien wie Windgeschwindigkeit, Arten- und Naturschutz oder Landschaftsbild wählte das beauftragte Planungsbüro fünf Flächen aus. Zwei davon werden bereits bebaut, drei bleiben übrig. Diese liegen bei Hassenhausen in Richtung Staufenberg, zwischen Roßberg und Landstraße, Nähe Kalter Stall sowie eine Fläche bei Reiskirchen.

Insgesamt wurden knapp 1500 Hektar als „Konzentrationszonen für Windenergieanlagen“ erfasst, das sind rund 5,3 Prozent des Planungsgebietes. Wichtig hierbei: Der Nutzungsplan legt nur die Fläche, nicht die spätere mögliche Anzahl an Windrädern fest. Auch wenn viele Anwesende gerne gewusst hätten, mit wie vielen Anlagen sie zu rechnen haben – „das kann man in dieser Planungsphase noch nicht sagen, es geht nur darum, ob gebaut werden darf oder nicht“, erklärte Mathias Wolf vom Planungsbüro Fischer.

Während der Versammlung äußerten mehrere Ilschhäuser die Befürchtung, dass die nahe Vorrangfläche von 460 Hektar irgendwann „gleich mit Dutzenden Anlagen voll gestellt wird“. Dies schlossen die Planer aus. „Wir werden deutlich unter zehn Anlagen bleiben“, versprach Peter Gefeller, Bürgermeister von Staufenberg. Über die Anzahl entscheiden werden in Zukunft, nach vorheriger Genehmigung des Regierungspräsidiums, die Flächeneigentümer.

Rotmilane brüten zwischen Dreihausen und Roßberg

Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle. In der Regel wird zu Ortschaften ein Sicherheitsabstand von 1000 Metern eingehalten. Zudem müssen Windräder 300 bis 500 Meter voneinander entfernt errichtet werden, um sich nicht gegenseitig den Wind zu nehmen. Der gesetzliche Abstand zu besonders geschützten Gebieten und Tierarten liegt teilweise deutlich darüber. Über Natur- und Artenschutz-Vorgaben, die es zu beachten gilt, informierte Dr. Jörg Weise vom Ingenieurbüro Meier und Weise.

Seit vergangenem Jahr beobachten Experten die verschiedenen Vogelarten im Planungsgebiet, deren Zug- und Nistverhalten sowie die Fledermauspopulation innerhalb der Region. In allen Teilgebieten wurden mal mehr, mal weniger besonders geschützte Arten gefunden; bestimmte Randbereiche der Untersuchungsgebiete müssten demnach von Windkraftanlagen freizuhalten sein, schloss Weise. So etwa das Nistgebiet zwischen Dreihausen und Roßberg, in dem der seltene Rotmilan brütet. Weitere betroffene Tierarten sollen demnächst erfasst werden.

Gemeinden haben ein eigenes Konzept entwickelt

Hintergrund der gemeinsamen Planung ist die schnelle Umsetzung eines geregelten Flächenplanes, nachdem der Regionalplan Energie des Regierungspräsidiums nach wie vor nicht beschlossen werden konnte. Um mögliche Standorte für Windkraftanlagen in der Region selber bestimmen beziehungsweise verhindern zu können, entwickelten die Gemeinden ein eigenes Konzept, das sich nahe am Regionalplan bewegt. Ziel ist ein finanzieller Vorteil sowie eine kommunale Selbstbestimmung, die anderen potenziellen Projektierern wortwörtlich den Wind aus den Segeln nehmen soll.

„Anfragen gibt es überall, es herrscht geradezu Goldgräberstimmung“, sagte Schulz. Nach dem Teilregionalplan müssen im Rahmen der Energiewende in Hessen zwei Prozent der Landesfläche als Windvorrangflächen ausgewiesen werden. Wenn die Kommunen schon Windräder zulassen müssten, dann nach eigenen Vorstellungen und Vorteilen durch die Energiegenossenschaft Lumdatal. An der Windkraft führe kein Weg vorbei, von der Fläche der Region solle jedoch „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ genutzt werden, teilte Gefeller mit.

Noch in dieser Woche werden die Stellungnahmen der Kommunen erwartet. Die Planer rechnen im Dezember mit einer endgültigen Fertigstellung des Flächenplans.

 
Simon Oerding vom Bürgerforum Energieland Hessen (links vorne) und Planer Mathias Wolf stellten den aktuellen Stand der Windenergie in Lumdatal vor.          Foto: Ina Tannert

von Ina Tannert

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