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Smolka erzählt gerne Geschichten

Das wäre mal einer Smolka erzählt gerne Geschichten

Henning Smolka mag Märchen. Deswegen hat er sich zum Geschichtenerzähler ausbilden lassen. Er schreibt aber auch ­Geschichten selbst, die er dann mit der Theatergruppe von Oberweimar auf die Bühne bringt.

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„Die letzten Neun“ von Oberweimar

Als Pfarrer predigt Henning Smolka im Theaterstück „Die letzten Neun“ – eine Rolle mit wenig Text.

Quelle: Patricia Graehling

Oberweimar. „Die Männer stehen falsch“, ruft Henning Smolka, der im Gras vor der Bühne sitzt. Auf der Bühne proben die Mitglieder des „Spielwerk ElfFünfNeun“ ihr neues Stück. Die Zeit wird knapp bis zur Premiere von „Die letzten Neun“ am 2.September - und da vergisst einer der Hauptdarsteller seinen kompletten Text der ersten Szene. „Egal, weitermachen“, treibt Smolka die Gruppe an, die wegen der Hitze nicht in Kostümen probt.

Mit seinem eigenen Auftritt ist Smolka schon durch. Er spielt den Pfarrer von Oberweimar. „Der tritt nur am Anfang und am Ende auf“, verrät er mit einem Augenzwinkern. „Das ist der große Vorteil eines Autors: Ich kann mir die Rolle mit dem wenigsten Text aussuchen.“

Smolka hat nämlich das „Drehbuch“ für das neue Theaterstück selbst geschrieben - ebenso wie die Texte und Handlungen für die vorigen vier Stücke. Dabei hat er eigentlich nie geplant, einmal Theaterstücke zu schreiben.

„Das fing mit der 850-Jahr-Feier von Oberweimar an“, erinnert Smolka sich. Der damalige Pfarrer und heutige Dekan Burkhard zur Nieden bat Smolka, eine Szene über die Zeit der Ersterwähnung des Dorfes für das Jubiläum zu schreiben. „Ich befasste mich also mit der Geschichte von Oberweimar und mir wurde schnell klar, dass es eine sehr lange Szene wurde - eigentlich ein halbes Theaterstück.“ Damals wurde auch Peter Meyer als Regisseur gewonnen und der habe kein halbes Stück haben wollen. „Also habe ich eben ein ganzes draus gemacht“, sagt Smolka lachend.

Damals habe der Regisseur noch viel an dem Skript für das Stück feilen müssen. „Er hat ja auch viel Erfahrung am Theater und weiß genau, wie man das Publikum in Bann hält.“

„Im Kopf fängt es dann an zu arbeiten“

Die Lust am Theater hat es bei Smolka dennoch geweckt. Und so folgten weitere Stücke - mit dem jetzigen „Die letzten Neun“ auch wieder eines mit historischem Kern. Seit 2009 bereitet die Gruppe sich damit wieder auf eine Aufführung unter freiem Himmel im Pfarrgarten vor. „Das ist schon ziemlich viel Arbeit“, gesteht Smolka.

Zur Nieden bat damals Smolka um ein Theaterstück, da dieser ausgebildeter Geschichtenerzähler ist. „Das mache ich seit 15 Jahren“, verrät er. Gemeinsam mit der Erzählerin Karin Kirchhain bietet Smolka Wanderungen an - etwa im Burgwald. Doch es wird nicht einfach nur gewandert: Unterwegs erzählen die beiden Wanderführer der Gruppe spannende Märchen und Sagen an lauschigen Orten. So geht es bei der Wanderroute „Drachenflug“ im Oberen Edertal im Landkreis Waldeck-Frankenberg etwa um Drachen und Zwerge.

„Als Erzähler muss man sich Bilder vorstellen können - und das muss man auch, wenn man ein Theaterstück schreibt“, erklärt Smolka den Zusammenhang zwischen diesen beiden Leidenschaften. „Es ist eine unglaubliche Erfahrung, wenn meine Bilder dann auf der Bühne mit lebenden Menschen entstehen. Manchmal sind sie genau, wie ich sie mir vorgestellt habe - und manchmal ganz anders.“

Smolka habe sich schon als Schüler und während des Studiums der Germanistik und der Geschichte mit Märchen befasst. „Aber ich konnte keine erzählen, weil ich nicht frei sprechen konnte“, sagt er heute rückblickend. Irgendwann habe er den Auftrag bekommen, die Erzählerschule Burgwald ins Leben zu rufen. Dort sollten Menschen das Erzählen lernen. Smolka ergriff die Gelegenheit beim Schopfe und machte eine Ausbildung zum Geschichtenerzähler an der Akademie in Remscheid.

Ein realer Kern ist oft der Anlass für die Stücke

Smolka hat das Wort zu seinem Beruf gemacht: Er hat ein Büro für Umweltkommunikation und übernimmt Öffentlichkeitsarbeit im Umweltbereich. Darüber hinaus ist er Lehrer an der Käthe-Kollwitz-Schule im Fach Ökologie.

Und irgendwann habe der 62-Jährige die Geschichte gehört, dass 1647 nur noch neun Menschen in Oberweimar lebten. Das war nach dem 30-jährigen Krieg. „Und dann fängt es in meinem Kopf an zu arbeiten“, verrät er. Er habe überlegt, wie das wohl gewesen sein könnte, welche Menschen noch dort waren und wie sie es geschafft haben zu überleben. „So ist dann das Stück entstanden“, sagt der studierte Historiker, der gerne einen realen Kern als Anlass für seine Stücke nimmt - um sie dann mit seiner Fantasie auszufüllen.

  • Aufgeführt wird „Die letzten Neun“ am 2. und 3. September jeweils ab 20 Uhr im Pfarrgarten in Oberweimar. Eintrittskarten kosten im Vorverkauf 10 Euro und an der Abendkasse 12 Euro. Vorverkauf bei der Sparkasse in Niederweimar, bei Familie Matthäi/Weber, Gartenstraße 8, Oberweimar und im Rathaus in Niederweimar.

von Patricia Grähling

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