Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Sind diese Obstbäume noch zu retten?

Illegaler Astschnitt Sind diese Obstbäume noch zu retten?

Als Thomas Birk, Pächter der Obstbäume an der Kreisstraße bei Wenkbach, am Mittwoch das Dorf verließ, war noch alles gut. Als er am Donnerstag an der kleinen Allee vorüberfuhr, waren die Bäume zur Feldseite hin fast kahl.

Voriger Artikel
"Die Küche ist zum Tanzen da"
Nächster Artikel
Das Hobby zum Beruf gemacht

Thomas Birk ist sauer. Fünf Apfel- und fünf Zwetschgenbäume an der Kreisstraße 60, die er als ­
Pächter nutzt, wurden mutwillig mit der Motorsäge verstümmelt.

Quelle: Carina Becker

Wenkbach. Es wäre eine reiche Apfel- und Zwetschgenernte ­geworden in diesem Jahr. Wäre. Ob die zehn Obstbäume an der K60 bei Wenkbach, die dort vor rund 15 Jahren als Ausgleichsmaßnahme zum Straßenbau vom Kreis gepflanzt wurden, jetzt noch eine Überlebenschance haben, ist unklar.

So schätzt Thomas Birk aus Wenkbach die Situation ein. Er muss es wissen, denn er unterhält einen Betrieb für Gartenbau und Baumpflege. Für die zehn Obstbäume besteht zwischen Birk und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf als Eigentümer ein Nutzungsvertrag. „Wir ernten das Obst und pflegen die Bäume“, erklärt Birk, „dieses Jahr hätten wir viele Zwetschgen und Äpfel bekommen können.“ Die vielen Früchte, die an den noch intakten Ästen hängen, werden in den nächsten Wochen noch reifen, wenn die Bäume den unsachgemäßen Eingriff überstehen. An den abgeschnittenen Ästen, die am Feldrand auf dem Boden liegen, fangen die Früchte an zu faulen. Viel zu viel wurde weggeschnitten, große, dicke Äste, die aufs angrenze Feld geragt haben mögen. „Das wird auch der Grund gewesen sein, ein Bauer wird sich bei der Feldarbeit an den Bäumen gestört haben. Aber da hätte man sich verständigen können, so wie wir es auch mit der Straßenmeisterei machen“, sagt Birk und schaut sich unglücklich die verstümmelten Bäume an. „Es ist ein großes Problem mit manchen Landwirten, sie halten die Grenzen nicht ein, bearbeiten die Böden auch darüber hinaus, entfernen Grenzsteine und schädigen das Wurzelwerk der Bäume, die am Feldrand stehen“, schildert er seine Erfahrungen.

Durch einen sorgfältigen Zuschnitt der Bäume könnte man sie retten, weiß der Fachmann und schätzt, dass dies Arbeit für eine Woche und Arbeitskosten von rund 3000 Euro bedeuten werde. Bei den Bäumen müsse man nun auch auf der anderen Seite Äste herausnehmen, damit das „Übergewicht links“ wieder verschwinde. „Vielleicht müssen sie auch gefällt werden, da muss ein Sachverständiger seine Einschätzung geben.“

Dies wird auch nötig sein, um den entstandenen Schaden zu ermitteln. Birk hat den Landkreis als Eigentümer der Bäume informiert. Am Montag wird er bei der Polizei Anzeige wegen Sachbeschädigung erstatten. Und er ruft dazu auf, sich bei ihm zu melden: Wer hat beobachtet, wie die Bäume an der K60 bei Wenkbach am 17. oder 18. August zurückgeschnitten wurden? Kontakt: Thomas Birk, Telefon 06421/167212.

Der Kreis will ebenfalls versuchen, den Verursacher des Schadens zu ermitteln, wie er am Freitag gegenüber der OP erklärte. „Gegebenenfalls“ werde man Schadenersatzforderungen geltend machen und parallel prüfen, „ob die Kosten für eine Sanierung verhältnismäßig sind oder eine Neuanpflanzung in Frage kommt“. Zudem zieht der Kreis ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Verursacher nach dem Naturschutzgesetz in Betracht - Bußgeldforderung inklusive.

von Carina Becker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Ast-Massaker

Nachdem er an zehn Bäumen mit der Motorsäge einseitig die voll mit Obst behangenen Äste abgesägt hatte, bekannte sich ein Landwirt zu seiner Tat.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Südkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr