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"Sie leben in einer sicheren Gemeinde"

Informationsveranstaltung zur Flüchtlingsunterkunft "Sie leben in einer sicheren Gemeinde"

Die Stimmung im überfüllten Bürgerhaus in Niederwalgern war neugierig-gespannt. Mehr als 300 Weimarer wollten mehr zur geplanten Flüchtlingsunterkunft in Wenkbach erfahren.

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Im Bürgerhaus in Niederwalgern gab es Redebedarf auf beiden Seiten: Die Verantwortlichen informierten die Bürger. Die wiederum äußerten ihre Sorgen und stellten allerhand Fragen.

Quelle: Nadine Weigel

Niederwalgern. Vielerorts drücken Menschen Angst um ihre Sicherheit aus, wenn eine Flüchtlingsunterkunft in der Nähe entstehen soll - so auch in Wenkbach. Landrätin Kirsten Fründt, Bürgermeister Peter Eidam, Manfred Becker vom Regierungspräsidium Gießen und Ralph-Dieter Brede, der Leiter der Polizeidirektion Mittelhessen, informierten am Dienstagabend die Bürger und stellten sich ihren Fragen. Sie begegneten den meisten geäußerten Befürchtungen mit Berichten ihrer bisherigen Erfahrungen und linderten so die Ängste.

Bürgermeister Peter Eidam forderte eine integre und sachliche Diskussion. „Wir werden Ihre Sorgen und Nöte ernstnehmen und wollen und werden uns um die Belange kümmern“, versprach er.

Viele dieser Sorgen hatten damit zu tun, dass nicht ganz klar ist, wer nach Wenkbach kommen wird. „Erfahrungsgemäß wohnen in den Unterkünften circa 30 Prozent Kinder, 30 Prozent Frauen und 40 Prozent Männer“, berichtete Manfred Becker. Eine Weimarer Bürgerin fragte, ob die Unterkunft in Wenkbach nachträglich erweitert werden könnte. „Wir versuchen die Verteilung an die Größe der Kommune anzupassen. Bevor wir die Unterkünfte erweitern, versuchen wir es an anderen Standorten zu bewerkstelligen“, antwortete Fründt.

Auf die nächste Nachfrage räumte Becker ein: „Es kann sein, dass auch nachts mal ein Bus mit 50 Menschen kommt. Sie sind in der Regel dann sehr erschöpft und wollen gleich schlafen.“

Marcus Ott koordiniert ehrenamtliche Hilfe

Nach ihrer Ankunft steht für die Menschen unter anderem eine medizinische Untersuchung durch mobile Einsatzteams des Regierungspräsidiums an. Dabei werden sie auch auf ansteckende Krankheiten untersucht, was die Frage einer beängstigten Anwohnerin beantwortete. „Außerdem gibt es in jeder Einrichtung Sanitäter, an die sich die Menschen wenden können“, erklärte Becker.

Neben den Verwaltungsterminen und gemeinnützigen Tätigkeiten innerhalb der Unterkunft soll es auch Angebote zur Beschäftigung geben. Walter Lemmer von der Fußballsportgemeinschaft Südkreis fragte, wie man sich dabei einbringen könnte. Da knüpfte Lothar Potthoff an und lud ihn zu einer Besprechung ein: „Wir werden in 14 Tagen wissen, wie“, sagte Potthoff engagiert und zuversichtlich. Wiltrud Lambinet-Potthoff fragte zuvor bereits nach der Verknüpfung hauptamtlicher sozialer Arbeit und ehrenamtlichen Engagements. Die ehrenamtliche Hilfe wird Marcus Ott, Jugendpfleger der Gemeinde und Sozialarbeiter, koordinieren, berichtete Eidam.

Brede: "Das sind keine 300 Straftäter und Sittenstrolche"

Auf die Frage nach der Sicherheit in Weimar stellte Polizei­direktor Brede klar: „Sie sind hier sicher, Sie leben in einer sicheren Gemeinde.“ Es gebe vermehrt Übergriffe von außen auf Flüchtlingsunterkünfte und einzelne Flüchtlinge. Die Einrichtungen werden deshalb in die Streifenpläne aufgenommen, erklärte Brede. „Dass dort die Polizei Streife fährt, heißt nicht, dass auch immer was los ist. Vielleicht haben Sie etwas anderes gehört. Gerüchte entstehen schnell und dann kann man sie nicht mehr einfangen“, ergänzte Becker. Die Zahl derer, die polizeilich auffällig wird, ist laut Brede verschwindend gering. „Das sind keine 300 Straftäter und keine Sittenstrolche, die hierher kommen. Sicherheit ist auch eine Frage des persönlichen Gefühls“, betonte Brede. Arthur Fischer aus Niederwalgern regte an, die Straßenlaternen länger brennen zu lassen. Eidam versprach, dafür zu sorgen.

Brede erklärte, man müsse sich auf Veränderungen einstellen. Die Menschen werden durch andere Kleidung auffallen. Oder weil sie aufgrund eines anderen Lebensrhythmus vielleicht manchmal zu Ruhezeiten etwas laut sind und eventuell Müll nicht immer in Tonnen entsorgen. „Wir müssen versuchen, die Kulturen einander näherzubringen“, sagte Brede. Bedenken dazu, dass die Menschen aus der Unterkunft heraus, aber nicht jeder in die Unterkunft hinein dürfe, zerstreute er hingegen bestimmt: „Sie gehen doch auch zuhause raus und wollen nicht, dass bei Ihnen jeder rein kann.“

Brede: Polizei kommt in jedem Notfall sofort

Aufgrund der vielen Aufgaben ist die Polizei derzeit stark gefordert, räumte Brede jedoch ein. „Es kann sein, dass Sie bei einem Parkrempler mal etwas länger auf die Kollegen warten müssen. Aber in jedem Notfall kommt die Polizei natürlich sofort“, versicherte der Polizeidirektor.

Dass die Menschen stark daran interessiert sind, die Kultur vor Ort kennenzulernen, schilderte Fründt anhand von Erfahrungen aus anderen Einrichtungen: „Die Menschen sind wissbegierig, wollen etwas über unsere Kultur lernen, saugen sie förmlich auf. Sie sind hier, um anzukommen.“

  • Wenn Sie sich ehrenamtlich, etwa in den Bereichen Kleiderkammer, Freizeitangebote oder Deutschkurse, engagieren möchten, können Sie sich an Marcus Ott wenden. Telefonisch unter 06421 974031 oder per Mail an ott@weimar-lahn.info.
  • Fragen zum Thema nimmt der Landkreis unter der Nummer 06421 4051919 und per Mail an asylfragen@marburg-biedenkopf.de entgegen.

von Philipp Lauer

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