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Selbstbewusstes Zentrum der Gemeinde

Jubiläumsjahr Selbstbewusstes Zentrum der Gemeinde

Ein Festvortrag von Professor Siegfried Becker bildete gestern Morgen den Auftakt zum Jubiläumsprogramm „875 Jahre Niederweimar“.

Niederweimar. Während des gesamten Jahres wird es immer wieder einzelne Veranstaltungen geben in Niederweimar, mit denen das Jubiläum gefeiert wird.

Fast vollbesetzt war das Bürgerhaus am Sonntagmorgen. Und Bürgermeister Peter Eidam freute sich bei seinem Grußwort, dass „so viele Einwohner ihr Interesse für ihren Ortsteil so aktiv bekunden“. Man habe sich dazu entschlossen, das Jubiläum in einem „überschaubaren Rahmen“ zu begehen. Daher werde es keine zentrale Großveranstaltung geben, sondern zahlreiche einzelne Ereignisse, die vom Festausschuss unter dem Vorsitz von Gerda Kirch geplant und organisiert würden.

Der Bürgermeister gab einen kurzen Rückblick auf die vergangenen 20 Jahre - von den Neubaugebieten Breslauer Straße und Hainäcker über die Umbenennung der Herborner Straße in „Altes Dorf“ 1997, den ersten Weihnachtsmarkt im Jahr 2000 bis hin zur Ortsumgehung Oberweimar und der Eröffnung der B3 im vergangenen Jahr. Ortsvorsteher Heinz-Peter Damm wollte „nicht in die Vergangenheit“ eintauchen, sondern sich vor allem beim Festausschuss bedanken. „Wir haben unser Geschenk bereits erhalten - in Form der Ortsumgehung B255“, sagte er.

In seinem Festvortrag ließ Professor Siegfried Becker die vergangenen 875 Jahre Revue passieren. Dabei verdeutlichte er: „Die 875 Jahre sind realistisch und vermessen zugleich.“ Realistisch, weil es das Dorf Niederweimar 1138 bestimmt schon gegeben habe. „Das Datum markiert nur die zufällige Erwähnung in einer mittelalterlichen Urkunde“, sagte Becker. Allerdings sei dort nur Weimar genannt worden. „Und so heißen noch zwei weitere Orte in der Nachbarschaft: Oberweimar und Cyriaxweimar“, so Becker. Daher sei es schon ein wenig vermessen, anzunehmen, dass es sich um Niederweimar gehandelt habe. Allerdings gehe der Ort „sehr selbstbewusst“ als Zentrum der heutigen Gemeinde mit seinem Status um.

„Ganz tragfähig sind die 875 Jahre allerdings nicht“

„Es bedarf der Geschichte nicht, um die Gegenwart zu ertragen“, so Becker. Niederweimar begnüge sich mit dem Hier und Heute. Gleichwohl beschäftige man sich mit der Geschichte. „Ganz tragfähig sind die 875 Jahre allerdings nicht.“

Zwar gebe es keine umfassende Chronik, dennoch ließe sich in der „Entwicklung des Dorfes sein allmählicher Bedeutungszuwachs bereits früh erkennen“. Einige Trittsteine seien die gesicherte Ersterwähnung im Jahr 1294 als „unten gelegenes Weimar“. Auch der Deutsche Orden habe Höfe im Ort besessen. Die Weinstraße von Frankfurt nach Paderborn kreuzte sich dort, wo heute die B3 verläuft, mit einer Nebenstrecke, die Leipzig und Köln verband - auch davon habe der Ort profitiert. Später habe es einen Gerichtsstand in Niederweimar gegeben, der sich heute noch im Straßennamen Lindenweg spiegele - als Gedenken an die alte Gerichtslinde. Signifikant sei Niederweimar auch als Zufluchtsort für Flüchtlinge und Vertriebene gewesen: 1939 gab es 745 Einwohner, 1950 waren es 1124. Niederweimar habe durch stetigen Zuzug „die dynamischsten Veränderungen“ der Weimarer Orte durchlaufen.

Das Festprogramm: 18. April: Eröffnung einer Ausstellung mit historischen Bildern, Alte Kirche. 30. April: Live-Konzert am Niederweimarer See. 22. bis 25. August: Ausstellung „Weimar Kreativ“, Alte Kirche. 6. September: Beginn des Festwochenendes „Junges Leben im alten Dorf“. Hoffest mit Musik auf „Schleichs Hof“. 7. September: Dämmerschoppen mit Live-Musik auf „Hof Kusenberg“. 8. September: Gottesdienst ab 10.30 Uhr auf dem „Herrenhof“, 11 Uhr: Jubiläum „25 Jahre Verein Alte Kirche“, Tag der offenen Höfe, und vieles mehr.

von Andreas Schmidt

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