Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Sehr seltener Wintergast an den Martinsweihern

Vogel-Experte berichtet Sehr seltener Wintergast an den Martinsweihern

Die Martinsweiher bei Niederwalgern sind mittlerweile dafür bekannt, dass es dort immer mal wieder tierische Überraschungsgäste gibt

Voriger Artikel
Weg vom PC ins reale Natur-Abenteuer
Nächster Artikel
Komplett-Planung ist ein neuer Ansatz

Da ist er, der seltene Gast an den Martinsweihern. Klein, aber fein ist der Taigazilpzalp.

Quelle: Viola Wege

Niederwalgern. „Ich staunte nicht schlecht, als ich am 3. Januar dieses Jahres einen unserem heimischen Zilpzalp sehr ähnlichen Vogel in den Bruchweiden nahe unserer Beobachtungshütte an den Martinsweihern bei Niederwalgern bemerkte, der mir durch eine auffällige, braun-graue Färbung auffiel. Leider zeigte er sich aber immer nur kurz, doch rief er mehrfach, wobei der zarte, etwas an eine Rohrammer und Tannenmeise erinnernde Ruf, dem sog. „Kükenruf“ unseres Zilpzalps ähnelte. Irgendwie passte dieser Ruf und das an diesem Tag nur kurz gesehene Erscheinungsbild zum Taigazilpzalp Phylloscopus tristis, der vom Ural bis nach Ostsibirien brütet und normalerweise in Indien überwintert. Seit einiger Zeit verfliegen sich besonders im Herbst einige Taigazilpzalpe auch nach Mittel- und Westeuropa. Bereits im Winter 2012/13 gab es einen starken Einflug, der in Großbritannien mit über 70 Vögeln gipfelte. In Deutschland konnte er bisher am regelmäßigsten auf Helgoland nachgewiesen werden. In Mittelhessen gab es bisher noch keinen einzigen Nachweis dieser unscheinbaren, aber fremden Vogelart. Am 8. Januar berichtete mir Herr Prof. Dr. Horst Klamberg von einem unserem Zilpzalp ähnlichen, aber viel zu grauen Vogel, der ihn ebenfalls an einen Taigazilpzalp erinnert habe. Fortan gelangen weitere kurze Beobachtungen des seltenen Vogels, doch schafften wir es nicht, ihn zu fotografieren, um eine korrekte Artdiagnose zu gewährleisten.

Ich bat schließlich Herrn Thomas Diehl, doch mal zu versuchen, ihn bei Gelegenheit zu fotografieren. Zufällig beobachtete Thomas Diehl gut vier Wochen nach der Entdeckung einen kleinen grauen Vogel in den Büschen direkt neben unserem noch im Rohbau befindlichen neuen Beobachtungsstand am Südrand des Westteiches nahe der K 59. Er machte dabei mehrere Fotos und mailte mir diese noch am selben Abend zu. Das war dann ein echtes Highlight, denn die Fotos bewiesen eindeutig, dass es sich tatsächlich um einen Taigazilpzalp handelte. Typisch für diese östliche Vogelart sind folgende Merkmale: Grau-brauner Rücken ohne Gelb- oder Grünanteile, fast rein weiße Unterseite und weiße Unterschwanzdecken, ein auffallender heller Überaugenstreif, der von einem dunkleren Scheitelseitenstreif begrenzt wird, zimtfarbene Ohrdecken, eine angedeutete Flügelbinde sowie ein schwarzer Schnabel und schwarze Beine. Da auch mindestens zwei heimische Zilpzalpe überwinterten, gelang mehrfach ein direkter Vergleich zu dieser nah verwandten Vogelart. Später konnte ich sogar an drei Tagen zwei Individuen des Taigazilpzalps am Südrand des Nordostteiches beobachten. Auch Frau Viola Wege konnte inzwischen einige Belegaufnahmen machen. Am vergangenen Samstag jedoch stockte mir der Atem, denn ein Taigazilpzalp war immer noch da und ließ sogar sein feines Liedchen erklingen. Auch am 25. Februar war ein Taigazilpzalp immer noch anwesend. Inzwischen haben einige Vogelbeobachter diese seltene Art bewundern können und die Fotos sind bei „Facebook“ um die Welt gegangen. Daraufhin bekam ich Glückwünsche aus vielen Ländern, vor allem auch von Experten, die mit dieser Art bestens vertraut sind. Für unser schönes Mittelhessen hat der kleine unscheinbare Vogel eine ganz besondere Bedeutung.

Regelmäßige Führungen undZugvögelbestimmungskurse

Wenn Sie ihn noch sehen wollen, dann besuchen Sie die Martinsweiher bei Niederwalgern. Dort werden von mir auch regelmäßig ornithologische Führungen und Zugvogelbestimmungskurse angeboten. Bei Interesse kontaktieren Sie mich bitte unter: kraftm@staff.uni-marburg.de oder rufen Sie mich unter 0171-695636 an! Im Bereich der Martinsweiher gibt es immer viele Vögel, teilweise recht nah, zu sehen."

*

OP-Gastautor Professor Martin Kraft ist Vogelschutzbeauftragter der Stadt Marburg und lehrt Ornithologie und Ökologie an der Philipps-Universität.

von Professor Martin Kraft

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Südkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr