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Schulelternbeirat prescht mit Petition vor

Gesamtschule Niederwalgern Schulelternbeirat prescht mit Petition vor

Der Schulelternbeirat der Gesamtschule Niederwalgern fährt schwere Geschütze gegen das Staatliche Schulamt auf. Die Weisungslage durch das Amt habe die Schule „handlungs- und auskunftsunfähig“ gemacht.

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Nach Ansicht des Schulelternbeirats gibt es enormen Gesprächsbedarf an der Gesamtschule Niederwalgern.

Quelle: Götz Schaub

Niederwalgern. Bereits am 25. September wurden während einer Schulelternbeiratssitzung eine Stellungnahme zum Stand des Schulentwicklungsprozesses an der Schule zu Beginn des Schuljahres 2013/2014 sowie eine Stellungnahme zum Stand der Besetzung der Schulleitungsstelle einstimmig beschlossen. Nach Mitteilung der Vorsitzenden des Schulelternbeirats Monika Kruse waren damals Vertreter von 18 Klassen anwesend. Insgesamt gibt es 27 an der Schule. Jetzt, mehr als einen Monat später, ging dieses Werk an den Petitionsausschuss des Hessischen Landtages, der in diesem Jahr nur noch zweimal zusammentritt, nämlich am 14. November und am 5. Dezember.

Warum jetzt? Diese Frage stellen sich die zuständigen Mitarbeiter im Staatlichen Schulamt wie auch die Schulleitung gleichermaßen. „Von dieser Aktion des Schulelternbeirats distanziere ich mich“, findet die kommissarische Leiterin der Gesamtschule Niederwalgern (GSN), Sabine Schäfer-Jarosz, klare Worte.

Das Staatliche Schulamt hatte der Gesamtschule mitgeteilt, dass die flexible Unterstufe in ihrer jetzigen Form an der GSN nicht beibehalten werden könne, weil es aus gesetzlicher Sicht für die Einbeziehung der Jahrgangsstufe sieben keine Handhabe gebe und die Schule aufgefordert, sich diesbezüglich bis zum neuen Schuljahr 2014/2015 neu aufzustellen (die OP berichtete).

Diese Vorgabe hält der Schulelternbeirat für zu knapp bemessen. So heißt es in der Stellungnahme: „Der aktuelle Entwicklungs- beziehungsweise Modifizierungsdruck durch das Staatliche Schulamt mit der Vorgabe, den kommenden Jahrgang 7 schulzweigbezogen mindestens in den Hauptfächern zu unterrichten, trägt nicht zu einer fundierten und qualitativ gesicherten Arbeit der Schule unter Beteiligung aller schulischen Gremien bei.“

Thomas Nuhn: Eltern wollen endlich Gehör finden

Thomas Nuhn, Zweiter Vorsitzender des Schulelternbeirats, wird auf Nachfrage der OP konkret: „Wir haben uns gefragt, auf welcher rechtlichen Basis die letzten drei Jahre mit der flexiblen Unterstufe vom Staatlichen Schulamt toleriert wurden und warum es das Amt jetzt so eilig hat, dass die Weisung von der Schule innerhalb eines Schuljahres erfüllt werden soll. Wir haben uns um Gespräche bemüht und auch immer wieder nachgefragt. Wir sind auch als Beirat in erster Linie Eltern, die informiert werden wollen. Von der jetzigen Schulleitung hörten wir nur, dass sie selbst nicht wisse, wie es weitergehe.“ Also holte man sich die Rückendeckung für die Stellungnahmen und nachdem auch nach dem 25. September keine Antworten kamen, habe man sich jetzt dazu entschlossen, sie als Petition weiterzugeben, um endlich Gehör zu finden.

Der Schulelternbeirat macht sich dafür stark, „in einem Übergangszeitraum von zwei Jahren die bisherigen Strukturen fortzuführen und intensiv zu evaluieren. Erst danach sollte entschieden werden, ob der Jahrgang 7 in der flexiblen Unterstufe organisiert wird oder als Gymnasialklasse in der Mittelstufe. Der Schulelternbeirat sieht in der aktuellen Unterrichtsorganisation „eine gute Umsetzung, die Inklusion ermöglicht“. Dies stärke den Schulstandort und solle eher ausgebaut werden.

Gleichwohl spricht sich der Schulelternbeirat auch ganz bewusst für die Rückkehr der Gesamtschule zu G9 aus. Sabine Schäfer-Jarosz nahm die Aktion des Elternbeirats irritiert zur Kenntnis. „Darüber wurde nicht gesprochen, ich habe nur per E-Mail davon erfahren.“ Schäfer-Jarosz habe sich in den vergangenen Wochen sehr darum bemüht, etwaige Gerüchte rund um den Fortbestand der Schule beziehungsweise des Gymnasialzweiges auszuräumen und den Eltern einen verlässlichen Schulpartner zu bieten. Erste wichtige Entscheidungen seien auch gefallen beziehungsweise spruchreif und sollen in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden.

Die Leitende Schulamtsdirektorin Heike Grosser vom Staatlichen Schulamt Marburg ist wie Schäfer-Jarosz verblüfft und auch „enttäuscht“. Klärende Gespräche hätten schon geführt werden können, ein konkreter Termin sei auf Initiative der Vorsitzenden des Elternbeirats verschoben worden. Justament findet er nun in dieser Woche, nämlich heute, statt. Mit diesem Wissen, hätte die Aktion nicht jetzt sein müssen. Grosser ist auch deshalb überrascht, weil dem Staatlichen Schulamt praktisch kein Ermessensspielraum bleibe. Die Einbeziehung der Jahrgangsstufe 7 in die flexible Unterstufe sei rechtlich derzeit nicht möglich, zumal es sich auch nicht um einen offiziellen Schulversuch handele. „Die Gesamtschule Niederwalgern ist eine kooperative Gesamtschule ab der Jahrgangsstufe 7“, stellt Grosser heraus. Gleichzeitig betont sie: „Die Gesamtschule Niederwalgern war und ist eine gute Schule.“ So sieht das auch Sabine Schäfer-Jarosz, die in den nächsten Wochen in den umliegenden Grundschulen die Viertklässler besuchen wird.

Schulelternbeirat sieht Entwicklungsrückschritte

Allein der Frust beim Schulelternbeirat sitzt tief. Im Anschreiben an den Petitionsausschuss des Hessischen Landtages heißt es: „Die Weisungen bedeuten unseres Erachtens nach einen stetigen Rückschritt der Schulentwicklungsarbeit und in letzter Konsequenz eine Gefährdung des Schulstandortes.“ Monika Kruse dazu: „Was sehr schade ist, ist, dass das eigentliche Anliegen, die Stärkung des individualisierten Lernens, in der Diskussion um Informationen immer mehr in den Hintergrund rückt.“

Das zweite Thema, das für Unmut sorgt, ist die lange Vakanz der Schulleiterstelle. Neben einem Schulleiter fehle es auch an einem Gymnasialzweigleiter. Im Februar verabschiedet sich zudem der Leiter des Real- und Hauptschulzweiges aus dem Berufsleben. Nach Kenntnisstand des Schulelternbeirats sei diese Stelle noch nicht ausgeschrieben worden.

Schäfer-Jarosz wie auch Heike Grosser bestätigen, dass in Sachen Schulleitung eine Entscheidung gefallen sei, diese aber noch nicht spruchreif sei, weil noch eine Einspruchsfrist von 14 Tagen abgewartet werden müsse.

von Götz Schaub

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