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Schüler heißen Flüchtlinge willkommen

Musikalischer Begegnungabend Schüler heißen Flüchtlinge willkommen

Mit einem musikalischen Begegnungsabend begeisterten die Schüler der Gesamtschule Ebsdorfergrund zahlreiche Gäste und gaben ein klares Statement für geflüchtete Mitbürger ab.

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Einen bunten Themenabend rund um die Themen Flucht und Integration veranstalteten die Schüler der Gesamtschule Ebsdorfergrund. Für Organisation und Übersetzung sorgten Dolmetscherin Hilary Westmeyer (links) und Pfarrerin Angelika Kaese.

Quelle: Ina Tannert

Heskem. „Flucht ist für alle etwas, was man sich nicht wünschen kann“, „die Frage darf nicht sein, wie wir Flüchtlinge abwehren, sondern wie wir helfen können“, „wer die Bibel ernst nimmt, muss beim Thema Flüchtlinge anders handeln als so, wie es hier geschieht“, „Refugees welcome“ – deutliche Worte fanden am vergangenen Mittwoch die Schüler der Gesamtschule und präsentierten auf der Bühne ihre Sicht der Dinge rund um die Themen Flucht und Vertreibung.

Gemeinsam mit zahlreichen geladenen Flüchtlingen aus der Gemeinde verbrachten Schüler, Lehrer und Gäste einen bunten Begegnungsabend bei Rockmusik, Buffet und Talk-Runden. In einem kurzen Beitrag berichtete unter anderem Gastrednerin Tabitha Simon über ihre Erfahrungen mit Geflüchteten, die sie während eines Kunstprojekts für eine Abiturarbeit kennenlernte. „Es ist so einfach, die Menschen hinter dem Begriff ,Flüchtlinge‘ kennenzulernen, einfach zusammen zu sein“, so die Abiturientin. Mehrere Anwesende erzählten auf der Bühne und an den Talk-Tischen über persönliche Eindrücke.

Motorengeräusche wirken sich oft beunruhigend aus

Elisabeth Newton, erste Beigeordnete der Gemeinde Ebsdorfergrund, berichtete über Flucht-Erfahrungen der von ihr betreuten, häufig traumatisierten Menschen. Bis heute wirken sich etwa Motorengeräusche beruhigend auf manche Betroffene aus, bedeutete doch das Brummen der Motoren auf der gefährlichen Fluchtroute ein stetes Vorankommen des Zuges. Sobald der Transport jedoch zum Stehen kam, die Maschinen stoppten, drohte Gefahr erwischt zu werden. „Es ist ein Geschenk, diese Menschen auf ihrem neuen Lebensweg zu begleiten“, so Newton.

Zur Überwindung der Sprachbarriere wurde das Abendprogramm sowohl in Deutsch wie in Englisch gehalten. 20 Geflüchtete aus den Gemeinden Ebsdorfergrund und Weimar nahmen an dem unterhaltsamen Abend teil. „Es macht Spaß, wir sind glücklich hier bei sehr netten, hilfsbereiten Menschen“, lobte unter anderem Afzaal Afzal aus Pakistan das bunte Programm. Für musikalische Unterhaltung sorgte die AC/DC-Coverband „Back in Jail“ sowie Singer/Songwriter Robert Oberbeck. Mit einem gemeinsamen Abschlusskonzert brachten Schüler und Musiker echte Hardrock-Stimmung auf die Bühne und das Publikum zu Standing Ovations, bis der halbe Saal euphorisch mitklatschte.

Gemeinsam einen schönen Abend mit Musik erleben

Die Organisation des turbulenten Abends übernahmen die Schüler der Religionskurse der neunten und zehnten Klassen. „Wir wollten gemeinsam mit Menschen, die eine Flucht erleben mussten, einen schönen Abend mit guter Musik und Tisch-Talk erleben“, beschreiben die Schüler ihre Veranstaltung. Ihr Ziel war es, „nicht übereinander, sondern miteinander“ zu reden, sich auf Augenhöhe zu begegnen. „Wir wollen einen Punkt setzen, einen Fluchtpunkt“, sagte Religionslehrerin Angelika Kaese.

Vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise beschäftigen sich die Schüler im Religionsunterricht mit den Themen Flucht und Vertreibung im Rahmen der Unterrichtseinheit „Christliche Verantwortung in der Welt“. „Es gibt viele Missverständnisse und Vorurteile bei dem Thema“, erklärte Zehntklässler Gabriel Steger. Bei den Jugendlichen entstand daher der Wunsch einen bereits geplanten Konzertabend mit einem brisanten Thema aufzupeppen und ein kulturelles Begegnungsprojekt auf die Beine zu stellen. „Wir wollen uns über das Thema informieren, aufklären und Kontakt zueinander finden“, ergänzte Mitschüler Julian Schirrmeister.

von Ina Tannert

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