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Schlag mit dem Bierkrug kostet 4500 Euro

Aus dem Gericht Schlag mit dem Bierkrug kostet 4500 Euro

Unter Alkoholeinfluss sitzen die Fäuste manchmal etwas locker und bisweilen wird auch das Trinkgefäß als Waffe zweckentfremdet. Beim Oktoberfest 2013 der Feuerwehr Ebsdorf war es vor dem Bürgerhaus zu einem solchen Vorfall gekommen. Darüber verhandelte das Amtsgericht unter Vorsitz von Richter Dominik Best.

Ebsdorf. Der Beschuldigte hatte nicht einsehen wollen, dass sich die Feier am späten Abend dem Ende neigte und der von ihm stark beanspruchte Bierpilz durch das spätere Opfer geschlossen wurde. Zunächst kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen den Männern mit Schubsen und Beschimpfungen.

Als sich das Opfer jedoch einige Minuten später etwas entfernt vom Trinkwagen und seiner Kollegen befand, spielte sich eine Szene wie im Film ab. Der Mitarbeiter des Getränkestandes hörte einen kurzen Warnruf und sah aus den Augenwinkeln nur noch, wie der Angeklagte mit einem Bierkrug zum Schlag ausholte, bevor es um ihn dunkel wurde. Das Resultat war eine stark blutende Platzwunde über dem linken Ohr, eine schwere Gehirnerschütterung und ein abgebrochener Schneidezahn. Aufgrund ausreichender Zeugen war weniger die Schuld des Täters als vielmehr das angemessene Strafmaß Gegenstand der Verhandlung. Seit dem Oktoberfest war der junge Mann nicht mehr auffällig geworden und er entschuldigte sich auch im Gerichtssaal bei seinem Opfer.

Das eigentlich schon im Sommer vergangenen Jahres angesetzte Verfahren hatte aber neu angesetzt werden müssen, weil zunächst ein Gutachter klären sollte, ob der Angeklagte aufgrund des Alkoholeinflusses schuldfähig war. Die Frage nach dem Grad der Alkoholisierung zum Tatzeitpunkt ließ sich vor allem deswegen so schwer beantworten, weil die Polizei seinerzeit keine derartigen Tests durchgeführt hatte.

Der Verteidiger setzte dementsprechend alles daran, die Zeugen so genau wie möglich nach dem Zustand seines Mandanten zu befragen, um dem anwesenden Gutachter ausreichend Informationen für eine Empfehlung auf strafmildernde Umstände liefern zu können. Dieser rechnete die Angaben des Täters auf mögliche Mindest- und Maximalwerte hoch und kam zu dem Ergebnis, dass der junge Mann zum Tatzeitpunkt zwischen 2 und 3,6 Promille Blutalkohol hätte haben können. Dies reichte nach Ansicht des Gutachters nicht aus, um eine Schuldunfähigkeit festzustellen. Staatsanwalt Jonathan Poppe sah in seinem Plädoyer keinen Anlass für eine Strafmilderung. Der Angeklagte war schon früher unter Alkoholeinfluss gewalttätig geworden und habe dementsprechend um die ungünstigen Auswirkungen von Alkohol auf sein Verhalten gewusst. Poppe forderte ein Jahr und vier Monate auf Bewährung.

Einig war er sich mit dem Verteidiger lediglich darin, dass die Entschuldigung des Täters im Gerichtsaal und eine bereits begonnene Schmerzensgeldzahlung aufgrund einer vorherigen außergerichtlichen Einigung strafmildernd zu würdigen seien. Richter Best entschied letztlich auf eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 30 Euro.

von Marcus Hergenhan

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