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Schläger zu Bewährungsstrafe verurteilt

Landgericht Schläger zu Bewährungsstrafe verurteilt

Weil er einem Bekannten mit einem Bierhumpen gegen den Kopf geschlagen hatte, wurde ein Mann aus dem Südkreis wegen gefährlicher Körperverletzung bereits zu einer Geldstrafe verurteilt. Gegen das milde Urteil legte die Staatsanwaltschaft erfolgreich Berufung ein.

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Nach der Gewalttat mit einem Bierhumpen auf dem Oktoberfest in Ebsdorf ist der Angeklagte nun zu einer Bewährungsstrafe
verurteilt worden.

Quelle: Christian Evertsbusch / pixelio

Marburg. In zweiter Instanz erhöhte das Landgericht das Strafmaß auf eine neunmonatige Bewährungsstrafe samt Arbeitsstunden. Auch wenn das Landgericht die Attacke des stark alkoholisierten Angeklagten als minderschweren Fall betrachtete - der Angriff von hinten, einschlägige Vorstrafen und anscheinend ein Alkoholproblem machten eine spürbare Bestrafung notwendig, entschied die Strafkammer am Montag.

Zur Tat: Anfang Oktober 2013 feierte der inzwischen 29 Jahre alte Angeklagte ausgiebig auf dem Oktoberfest in Ebsdorf. Als gegen 21 Uhr der Bierausschank eingestellt wurde, beschwerte sich der Betrunkene bei dem diensthabenden Mitarbeiter und späteren Geschädigten, wurde ausfällig und vom Bierpilz verwiesen.

Platzwunde und Schädelhirntrauma

Etwa eine halbe Stunde später griff der Angeklagte den Festhelfer an. Mit voller Wucht und von hinten schlug er dem überraschten Mann einen massiven Bierkrug gegen den Kopf. Der Getroffene ging zu Boden, verlor kurzzeitig das Bewusstsein, während der Angreifer noch zweimal nach ihm trat, bevor weitere Festgäste ihn von seinem Opfer wegzerrten und die Polizei verständigten. Das Resultat des Angriffs: eine blutende Platzwunde, Schädelprellung und Schädel­hirntrauma.

Im Januar dieses Jahres verurteilte das Amtsgericht den Täter zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 30 Euro. Angesichts der Schwere der Tat zu wenig, entschied die Staatsanwaltschaft. Der Beschuldigte sei nicht nur von hinten auf den Geschädigten losgegangen, der massive Bierkrug sei zudem auch geeignet, noch „erheblichere Verletzungen“ hervorzurufen, wiederholte Staatsanwalt Jonathan Poppe während der Berufungsverhandlung. Voraussetzungen für einen minderschweren Fall sah der Anklagevertreter nicht.

Eine Tat im volltrunkenen Zustand

Auslöser des Ganzen war der massive Alkoholkonsum des Angeklagten. Bereits seit Mittag hatte der Beschuldigte am Tattag dem Alkohol ausgiebig zugesprochen, „etwa zehn bis dreizehn große Gläser starkes Festbier und diverse Schnäpse über den Tag verteilt“, zählte der 29-Jährige auf Nachfrage auf. Seine Erinnerung an die eigentliche Tat ist lückenhaft. Während des Streits mit dem ebenfalls angetrunkenen Geschädigten über weiteren Bierausschank habe er sich selber angegriffen gefühlt, mit dem Krug in der Hand schließlich zugeschlagen. „Das war inakzeptabel und falsch“, gab er zu.

„Ich trage ihm nichts nach“

Einige Wochen nach dem Übergriff entschuldigte er sich bei dem Opfer, einigte sich mit diesem außergerichtlich auf einen Täter-Opfer-Ausgleich von 3400 Euro. Die Angelegenheit sei heute mehr oder weniger vergessen, „ich trage ihm nichts nach“, sagte der Geschädigte vor Gericht. Aufgrund fehlender Blutalkoholwerte des Täters half ein Sachverständiger bei der Analyse der Zurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt aus. Ausgehend von der ungefähr ermittelten Alkoholmenge kam der Rechtsmediziner auf einen erheblichen Alkoholwert des Angeklagten um die drei Promille. Der Täter sei trotz seiner Trinkgewohnheiten „stark alkoholisiert und enthemmt“ gewesen, erklärte der Facharzt und schloss eine verminderte Schuldfähigkeit nicht aus.

Selbst bei der günstigsten Prognose, „bei dieser Menge Alkohol schläft der Normalbürger einfach ein“, fasste der Vorsitzende Richter Dr. Frank Oehm zusammen und vermutete ein weiterhin bestehendes Alkohol­problem bei dem Täter. Der stand bereits zwei mal wegen alkoholbedingten Auseinander­setzungen und Körperverletzung vor Gericht, wurde erst fünf Monate vor der Tat zuletzt verurteilt. Er wisse demnach genau, dass er unter Alkoholeinfluss aggressiv reagiere, betrunken hatte er sich trotzdem, betonte der Staatsanwalt, der eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten forderte.

„Ich habe mich gebessert, es tut mir sehr leid“

Die Verteidigung verwies auf ein vorbildliches Verhalten des Mannes nach der Tat. Er habe sich redlich bemüht, die Folgen seines Ausbruchs abzumildern, erklärte Verteidiger Gerhard Wiegand. Seinen Alkoholkonsum habe er inzwischen eingeschränkt, sei seit dem Vorfall nicht mehr auffällig geworden; „ich habe mich gebessert, es tut mir sehr leid“, erklärte auch der Angeklagte mehrfach.

Die Kammer hob das Urteil des Amtsgerichts schließlich auf und verurteilte den 29-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Als Auflage hat der Täter 100 gemeinnützige Arbeitsstunden abzuleisten. Eine spürbare Freiheits- statt einer Geldstrafe sei bei diesen Tatumständen angebracht. „Es wäre alles gut gewesen, hätten sie es nur gut sein lassen“, mahnte der Richter den 29-Jährigen, sich künftig zurückzuhalten.

von Ina Tannert

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