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Schafsbock Olli und Stute Tali sind unzertrennlich

Eine tierische Liebesgeschichte Schafsbock Olli und Stute Tali sind unzertrennlich

Ein besonderes Paar hat sich gefunden, über das viele Beobachter nur staunen können: Eine männliche Heidschnucke hat sich ein Pferd als neuen Begleiter gesucht.

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Wenn Stute Tali über die Weide trabt, läuft der Schafbock Olli fröhlich nebenher.

Quelle: Patricia Grähling

Leidenhofen. Olli hat sich verliebt. Er wurde dafür gejagt und gehetzt. Dennoch hat er treu zu seiner Liebsten gestanden und sich nicht vertreiben lassen. Deswegen darf er nun bleiben und an der Seite von Tali leben. Olli ist ein Schafbock. Seine Auserwählte hingegen ein Pferd.

Die Liebesgeschichte begann Mitte August. Da stand Schafbock Olli plötzlich auf der Weide – an der Seite von Tali. Die beiden kuscheln seither miteinander. Und wenn Tali auf einen Ausritt geht, schließt Olli sich meist an und läuft neben der Stute her, lässt sie keine Sekunde aus den Augen.

Unerwarteter Familienzuwachs

„Es ist total verrückt“, sagt Talis Besitzerin Daniela Gnau. „Plötzlich war das Schaf da und geht auch nicht mehr weg.“ Gnau erzählt, dass sie eines Tages von Lena Riesner eine Nachricht mit Foto bekommen habe. Riesner ist ihre Reitbegleitung, kümmert sich um Pony Donald und unterstützt Gnau bei der Versorgung der Tiere. Sie fragte, warum sie nichts vom Familienzuwachs auf der Weide wisse. „Ich war total überrascht. Ich wusste ja nichts von einem neuen Tier.“ Auf dem Foto glaubte sie zunächst, ihren Hund Lüdi zu erkennen. Es war jedoch Schafbock Olli.

Beide Tierliebhaberinnen haben viele Videos gemacht, die sie gerne zeigen und dabei immer wieder lachen. Die Videos zeigen Ausritte, bei denen Olli sich angeschlossen hat. Egal, ob über einfache Waldpfade oder quer durch schwieriges Gelände. „Olli kommt immer hinterher“, sagt Riesner. „Immer wenn wir eine Pause machen und Tali und Donald fressen, steht Olli daneben und grast mit“, ergänzt Gnau. Und wenn der Schafbock es nicht möchte, darf Hund Lüdi sich der kleinen Herde nicht nähern. Da bekommt der Hund schon mal einen Kopfstoß und sucht lieber das Weite. Noch komischer ist es, dass Olli mit einem lauten „Mäh“ antwortet, sobald die Stute wiehert.

Schwarzes Schaf hat sich verliebt

Trotz aller Belustigung hat Gnau auch nach dem Besitzer des Schafs gesucht – und fand ihn nach einigen Tagen in Dreihausen. „Sie hatten den Schafbock einige Tage vorher aus der Schwalm geholt“, berichtet die Ebsdorferin. Die Heidschnucke war für die Schafzucht der Familie gedacht und sollte Nachwuchs produzieren – die Aussichten schienen Olli jedoch nicht zu gefallen. Beim Ausladen in seinem geplanten neuen Zuhause in Dreihausen ergriff er die Flucht und rannte in den Wald. „Die Besitzer haben ihn dann tagelang mithilfe von Jägern und Bekannten gesucht“, erzählt Gnau. Bis nach Winnen seien sie durch den Wald gezogen – erfolglos.

Olli unterdessen hatte sich durch den Wald nach Leidenhofen durchgeschlagen und sich zu Tali gesellt. „Das ist so verrückt“, sagt Gnau immer wieder mit einem Kopfschütteln. Denn: Rund um ihre Weide herum stehen so viele Pferde. Außerdem habe ihre Stute immer panische Angst vor Schafen gehabt und sich nicht in deren Nähe gewagt. „Und ausgerechnet bei uns landet das schwarze Schaf.“ Die Ebsdorferin schüttelt den Kopf und schaut zu, wie Olli treu hinter Tali herläuft, während sie den Zaun ihrer Weide abtrabt.

Die eigentlichen Besitzer jedenfalls waren froh über die Nachricht und wollten laut Gnau ihre Heidschnucke wieder abholen. Also versuchten zwei Männer in Begleitung eines Hütehundes, Olli einzufangen – sie blieben allerdings erfolglos. „Das Schaf hat sich unter den Bauch meiner Stute gestellt. Und Tali hat es beschützt“, sagt Gnau. So habe Tali auch ausgetreten und sich nicht von dem Hund vertreiben lassen. „Das war irgendwann zu gefährlich, also mussten wir den Versuch abbrechen.“ Auch alle anderen Versuche blieben erfolglos.

Olli will nicht zurück nach Dreihausen  

Weil Olli bei Ausritten hinterherläuft, wollte Gnau ihn schließlich austricksen. Ein Ritt nach Dreihausen sollte die Lösung sein. „Plötzlich fing Olli an zu humpeln und da konnten wir ihm den Weg nicht zumuten.“ Zusätzlich fing das Schaf durch die vielen Jagdversuche mittlerweile ängstlich an zu zittern. Noch immer versteckt er sich hinter den Pferden, wenn fremde Menschen auf die Weide kommen. „Und ein Schaf, das ohne erkennbaren Grund humpelt, ist vermutlich für die Zucht ungeeignet“, glaubten alle Beteiligten.

Also durfte Olli bleiben. „Wir finden ihn so süß, dass wir ihn gar nicht mehr weglassen wollen“, sagt Riesner. Gnau selbst hat gar nicht damit gerechnet, dass das Schaf überhaupt so lange bleibt. Die Weide kann er schließlich jederzeit wieder verlassen.

Seit Olli bei der Stute Tali bleiben darf, hinkt er übrigens nicht mehr. Gesund und munter läuft der Bock hinter seiner kleinen Herde her, hält sogar wacker mit, wenn die Pferde zum Galopp ansetzen – und hört mittlerweile auf seinen neuen Namen. „Er ist ziemlich genügsam und frisst die Disteln weg, die die Pferde nicht wollen“, sagt Gnau.

„Eine Schafzucht hatte ich nie geplant. Aber mal sehen, was wir jetzt mit Olli machen“, sagt die neue Besitzerin lachend. Gespannt wartet sie jetzt erst mal ab, wie Olli in einigen Monaten den Umzug auf andere Flächen aufnimmt. „Wildschafe sind ja robust. Da könnte das schon passen – auch im Winterquartier.“ Um das genau zu wissen, will sie aber zunächst noch mehr über Heidschnucken lernen. Einen besseren Zaun hat sie jedenfalls schon gekauft – damit Olli auch in Zukunft bei seiner neuen Herde bleibt.

 
Lena Riesner (rechts) und Daniela Gnau reiten regelmäßig zusammen mit Donald und Talia aus. Seit einigen Wochen begleitet sie dabei Schafbock Olli, der sich an die Stute hängt und nicht mehr von ihrer Seite weicht.     Foto: Patricia Grähling

von Patricia Grähling

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