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Sattler satteln Pferde - oder Autos

Berufe im Wandel der Zeit Sattler satteln Pferde - oder Autos

Im Mittelalter zogen Sattler oftmals über Städte und Dörfer, um ihre vielfältigen Lederwaren anzubieten. Sie stellten Beutel, Riemen und Sattel her. Heute gibt es den Beruf immer noch, aber in speziellen Fachrichtungen.

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Eckhardt Rubens ist gelernter Reitsportsattler. In seiner Werkstatt passt er Sattel „von der Stange“ an die Pferde seiner Kunden an. Auch polstert er die Sättel neu oder repariert das Leder.

Quelle: Patricia Graehling

Niederweimar. Sattler stellen nicht nur Pferdesättel her - auch wenn die Berufsbezeichnung das vermuten lässt. Vielmehr bezeichnet der Begriff Sattler einen Handwerker, der vor allen Dingen mit Leder arbeitet. Eckhardt Kubens aus Niederweimar ist so ein Handwerker. Er ist Reitsportsattler, hat also gelernt, Sättel herzustellen, anzupassen und zu reparieren. Auch sonstiges Reitsportzubehör aus Leder weiß er zu fertigen und auszubessern.

Kubens stellt die Lederwaren für den Pferdesport allerdings nicht mehr selbst her. Er kauft bei großen Herstellern Waren „von der Stange“ und passt sie speziell auf seine Kunden und deren Reittiere an. „Für den Kunden wäre es kaum zu bezahlen, wenn ich einen Sattel komplett selbst herstellen würde“, erklärt Kubens.

Also berät er seine Kunden auf der Suche nach einem guten Sattel und Zubehör und passt diese gekauften Waren dann an. „Denn jedes Pferd hat eine eigene Rückenlinie“, erklärt er. Nicht jeder Sattel passt also zu 100 Prozent auf jeden Pferderücken. Und manchmal geht auch etwas kaputt oder das Polster muss erneuert werden. Auch diese Arbeiten übernimmt der Reitsportsattler für seine Kunden.

Drei Spezialisierungen im Handwerk

Der Beruf des Reitsportsattlers ist eine von drei Spezialisierungen, die es heute im Sattlerhandwerk gibt. Daneben gibt es auch den Autosattler und den Feintäschner. Früher - etwa im Mittelalter - gab es einfach den Sattler, der sich allgemein mit der Lederverarbeitung auskannte. Die Handwerker zogen oftmals über Dörfer und Städte und boten ihre Arbeit an. Dann flickten sie etwa Sattel und Zaumzeug auf Bauernhöfen, an denen sie vorbeikamen oder boten Taschen und Riemen auf Märkten feil. „Dann haben sich die Berufe im Laufe der Zeit spezialisiert“, erklärt Kubens.

Es gab aber auch niedergelassene Sattler in den großen Städten. Dort gingen sie in Werkstätten ihrem Handwerk nach. Mit den Riemern, die etwa Zaumzeug aus Leder herstellten, schlossen die Sattler sich zu einer Zunft zusammen. So vermischte sich auch das Gewerbe. Mit der Industrialisierung verschwanden jedoch die Pferde nach und nach als Arbeitstiere - und mit ihnen auch immer mehr Sattler. Die hingegen werden in den vergangenen Jahrzehnten wieder mehr: „Im Raum Marburg arbeiten neben mir noch eine Handvoll weitere Reitsportsattler, es gibt aber auch einige Autosattler und auch Schuhmacher, die mit Leder arbeiten“, erklärt Kubens.

Pferde werden zwar kaum noch als Arbeitstiere eingesetzt, dafür verbreitet sich der Reitsport immer weiter - was auch wieder den Bedarf an Sattlern erhöhe.

Unter den Reitsportsattlern gibt es laut Kubens übrigens auch weitere Spezialisierungen. Während er und andere Kollegen selbst eigentlich keine Sättel mehr fertigen, sondern die sogenannten englischen Sättel einkaufen, werden Westernsättel oftmals noch in Handarbeit hergestellt.

„Auf zwei Beinen steht man besser“

Theoretisch kann ein Reitsportsattler laut Kubens auch andere Gebrauchsgegenstände aus Leder herstellen. „Wir lernen ja nicht nur, Sättel herzustellen und zu reparieren“, sagt er. „Generell lernen wir, Leder zu formen und Dinge daraus zu formen.“ Theoretisch könne ein Pferdesattler daher auch Ledertaschen fertigen oder reparieren. „Wir bieten das aber nicht an.“ Nur manchmal mache er eine Sonderanfertigung von Trense und Halfter, wenn etwas auf dem Markt nicht zu bekommen sei.

Kubens investiert viel Zeit, um die Wünsche seiner Kunden zu erfüllen und die Sättel in seiner Werkstatt anzupassen. Neben diesem Geschäft und dem Verkauf von Reitsportzubehör hat er daher auch kaum noch Zeit für seinen zuerst erlernten Beruf. Der 51-Jährige ist nämlich erst seit 25 Jahren Sattler, zuvor machte er eine Ausbildung zum Pferdewirt und lernte, Schüler und Pferde auszubilden. „Ich komme aus der Landwirtschaft und meine Eltern hatten schon einen Pferdebetrieb“, berichtet Kubens. „Aber auf zwei Beinen steht man besser.“ Daher habe er eine passende zweite Ausbildung gesucht und sie in der Sattlerei gefunden.

von Patricia Grähling

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