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Säure-Übung hält Wehren in Atem

Herausforderung Säure-Übung hält Wehren in Atem

Dutzende Feuerwehrleute am Wochenende auf dem Betriebsgelände der Firma Seidel: Zum Glück nurein Übungs-Szenario für den Ernstfall.

Fronhausen. Ein Gefahrgut-Laster, beladen mit zwei verschiedenen Säuren, ist undicht, Qualm steigt auf. Zwei Menschen sind schwer verletzt, eine dritte Person ist beim Versuch, die Ursache zu finden, in den Säure-Transporter gefallen. Feuerwehrleute in dicken Chemie-Schutzanzügen versuchen, zu ihm vorzudringen - und die Uhr läuft gegen die Retter. Diese dramatische Szenerie war der Höhepunkt einer vierwöchigen Weiterbildung der Retter aus den Wehren der Gemeinden Fronhausen und Weimar.

„Das war ein echter Übungsmarathon“, sagt Jens Hemer, Pressesprecher der Fronhäuser Wehren. Die Gefahrgutausbildung sei sehr personal- und materialintensiv. Folglich habe man die Übungen gemeinsam absolviert, „um Synergien zu nutzen“.

Die Feuerwehr Marburg hatte den Kameraden einen Übungs­container in Form eines Tanklasters zur Verfügung gestellt, an dem verschiedene Szenarien geprobt wurden: Von der Rettung nach einem Lkw-Unfall über das Abdichten von Leckagen bis zum Säure-Szenario am Samstag.

Die Übung am Samstag wurde von Eric Schnabel, Gemeindebrandinspektor Fronhausen, Oliver Grün, dem stellvertretendem Gemeindebrandinspektor Weimars, und Michael Kock, Gefahrgutbeauftragter der Weimarer Wehren geleitet.

„Es handelt sich um einen Zweikammer-Lkw, der Schwefelsäure und Salzsäure geladen hat“, erläutert Kock. Drei Personen wurden vermisst: Der Fahrer, ein Mitarbeiter, der neben dem leckgeschlagenen Tank lag, sowie die Person, die in den Tank gestürzt war.

Zwei Personen konnten die Retter bereits aus der Gefahrenzone bringen. Doch das schwerste Stück Arbeit liegt da noch vor ihnen: Sie müssen den Mann, der in den Behälter gestürzt ist, befreien. Kein leichtes Unterfangen. Denn die Chemikalienschutzanzüge machen den Feuerwehrleuten die Arbeit sehr schwer. Bewegungen werden eingeschränkt, hinzu kommt der Zeitdruck: Nach 20 Minuten müssen sie die Arbeit einstellen und zurück in die Dekontaminations-Zone. Denn dann geht die Atemluft zur Neige - und die muss zumindest so lange reichen, bis die Kameraden gründlich abgewaschen wurden und sich ihrer Anzüge entledigen können.

Dekontaminiert wird in drei Stufen, nach einem Ampel-Prinzip: In der roten Zone werden die Feuerwehrleute von Kameraden, die ebenfalls in Schutzanzügen stecken, gründlich abgewaschen. Eine Dusche samt Wasserbecken ist aufgebaut, die Schutzanzug-Träger werden gründlich abgebürstet. Danach geht es in die gelbe Zone: Dort werden die Schutzanzüge ausgezogen und direkt in Folien verpackt. Denn sie werden gesondert gereinigt. Ab der grünen Zone können sich die Feuerwehrleute wieder frei bewegen: Sie sind nun „sauber“.

Während der erste Trupp bereits dekontaminiert wird, kämpft dessen Ablösung weiter damit, das Opfer, eine Dummy-Puppe, aus dem „Säurebad“ zu retten. Dieser wiegt rund 80 Kilo - das Szenario soll so real wie möglich gehalten werden. Endlich kann er aus der Öffnung gezogen werden, muss dann über eine Leiter nach unten gebracht werden. Letztlich gelingt es, der Verletzte wird auf einer Trage zum Rettungsdienst gebracht.

Zum Schluss muss nochein Leck gestopft werden

Doch die Arbeit der Feuerwehrleute ist noch nicht beendet: Der Container ist leckgeschlagen - dieses Leck muss nun abgedichtet werden. Dazu bedienen sich die Feuerwehrleute dicker Moosgummikissen, die mit Spanngurten über dem Loch verzurrt werden. Darauf kommt dann ein aufblasbares Kissen, das mittels Druckluft für Dichtigkeit sorgt. Die Schutzanzüge und dicken Handschuhe sorgen weiter für einen erschwerten Ablauf. Endlich sitzt der Druckluftschlauch, das Kissen pumpt sich auf - geschafft. Nun kann auch der letzte Trupp gereinigt werden.

„Der ausdrückliche Dank beider Feuerwehrgemeinden gilt der Firma Seidel dafür, dass wir das Gelände nutzen durften“, sagt Pressesprecher Hemer. So konnte der Übungs­container während der vier Wochen an seinem Standort bleiben, das habe viel Zeit und Arbeit gespart. Auch dankte Hemer der Feuerwehr Marburg („Die haben den Container aufgebaut und die Führungskräfte der Wehren eingeweiht“) sowie den Gerätewarten der Feuerwehren, die alle Hände voll zu tun hatten.

Von den zehn Ortsteilwehren Weimars waren an zehn Übungs-Terminen 140 Kräfte dabei, davon konnten 30 Atemschutzgeräte- und Chemikalienschutzanzug-Träger ihre jährliche einsatznahe Übung absolvieren. Von den fünf Ortsteilwehren der Gemeinde Fronhausen waren 127 Teilnehmer dabei, für 25 Atemschutzgeräte- und Chemikalienschutzanzug-Träger wurde die Übung angerechnet.

von Andreas Schmidt

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