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Sänger lassen Wertungssingen sterben

Sängerbund Heimatland Sänger lassen Wertungssingen sterben

Anstehende Vorstandswahlen, drohende Führungslosigkeit und eine Abschaffung des schlecht besuchten Wertungssingens waren Themen der Jahreshauptversammlung des Chor-Dachverbandes Sängerbund Heimatland

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Eine Abschaffung des Wertungssingens sowie anstehende Vorstandswahlen 2016 waren Thema während der Jahreshauptversammlung des Sängerbundes „Heimatland“ am Samstag im Musik- und Kulturhaus Niederwalgern.

Quelle: Ina Tannert

Niederwalgern. Um die wichtige Frage „Wie geht es mit dem Sängerbund weiter?“, die nicht nur Vorsitzende Sigrid Ganz in den Raum stellte, drehte sich die Jahreshauptversammlung des regionalen Sänger-Dachverbandes „Sängerbund Heimatland“, der sich am Samstag im Musik- und Kulturhaus in Niederwalgern versammelte.

Rund 50 Sänger und Sängerinnen aus den noch 19 aktiven Mitgliedsvereinen der Region nahmen als Delegierte an dem Treffen teil. Über die anstehenden Vorstandswahlen 2016 und eine bisher nicht gesicherte Fortführung des Vereinsvorstandes, berichtete die erste Vorsitzende Sigrid Ganz. Nachdem die langjährige und eigentlich bereits zurückgetretene Vorsitzende im Jahr 2013 mangels weiterer Kandidaten das Amt aus der Not heraus erneut vorübergehend angetreten hatte, stehen Vorstandswahlen im kommenden Jahr an. „Dann geht es um sein oder nicht sein“, stellte die Vorsitzende klar. „Wir müssen ein neues Konzept finden“, erneuerte sie ihren Aufruf an die Mitgliedsvereine und beschwor die Sänger, sich Gedanken zu machen und über ihre eigenen Vereine hinaus aktiv zu werden. Deutliche Kritik gab es für fehlende Mitarbeit sowie das mangels Teilnehmer erstmals ausgefallene Wertungssingen im vergangenen Jahr. Trotz allem drückte sie ihre Hoffnung aus, dass sich der Verband „wieder zusammenrauft“ und der drohenden Auflösung mit einem neuen Vorstand entgegenwirken kann. „Die Vereine müssen aufgerüttelt werden, aber ich bin optimistisch“, sagte Ganz. Dass trotz Nachwuchsproblemen ausreichend junges Blut und neue, motivierte Sänger im Verband vorhanden sind, habe die gut besuchte Stimmbildung, die vor der Versammlung stattfand, gezeigt, lobte der Vorstand.

Drei Kinderchöre ruhen derzeit

Eine eher „schleppende Entwicklung“ gibt es dagegen im Kinder- und Jugendbereich. Drei aktiven Kinderchören stehen derzeit drei ruhende Gruppen entgegen, in denen ein regelmäßiger Singbetrieb nicht möglich ist, teilte Jugendreferentin Annette Hof mit. Um zu verhindern, dass „die Chöre einschlafen“ befürwortete sie gemeinsame Chorprojekte.

Für die gemischten Chöre des Verbandes schlug auch Bundeschorleiter Jürgen Kunz eine „neuere, frischere Chorliteratur“ vor, die im Rahmen eines Workshops gemeinsam einstudiert werden soll. Kunz sprach schließlich einen der meistdiskutierten Problempunkte des Verbandes an - das alle zwei Jahre stattfindende Wertungssingen. Nach dem überraschenden Ausfall des musikalischen Wettkampfes im vergangenen Jahr stellte er die Frage: „Wollen wir das Wertungssingen überhaupt beibehalten?“ In diesem Punkt scheiden sich die Geister der Sänger. Nur wenige befürworteten jedoch den Vorschlag des Vorstandes, die Gesangsprobe vor einer Fach-Jury als „motivierendes Ziel, auf das Chöre hinarbeiten können“ beizubehalten. Dass der Sängerbund das Wertungssingen in Zukunft alleine ausrichten kann, glauben viele Mitglieder nicht. Daneben stelle die Veranstaltung mit Pflichtchor und vorgegebenen Texten eine große Belastung für einzelne Vereine dar, die Teilnahme und Motivation sinke zusehends, in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Unzufriedenheit und Differenzen bei den Wertungen, teilten mehrere Anwesende mit.

„Kritik ja - Zwang zum Pflichtchor nein“

„Wenn kein Ziel vorliegt, dann kann man es auch gleich vergessen, aber bevor wir gar nichts machen, lassen wir es weg“, stimmte auch der Bundeschorleiter zu. Mehr Fürsprache im Verband erhielt dagegen das parallel stattfindende Kritiksingen, das zwar bewertet, jedoch nicht benotet wird und ebenfalls als Hilfestellung zur Qualitätsverbesserung der Chöre dient. Den Konsens der Versammlung brachte ein Teilnehmer auf den Punkt: „Kritik ja - Zwang zum Pflichtchor nein“. Der Verband sprach sich schließlich für eine Abschaffung des Wertungssingens aus, das Kritiksingen auf freiwilliger Basis soll dagegen beibehalten werden.

Darüber hinaus informierte der Vorstand über den nächsten „Tag der Frauenstimme“, der am 20. Juni stattfinden soll. Angeboten werden fünf verschiedene Workshops rund um das Thema Frauenchor, Stimmbildung und musikalische Stilrichtung.

Daneben beschloss die Versammlung einstimmig eine Abänderung ihrer Satzung über die Verwendung des Bundesvermögens im Fall einer Auflösung der Organisation. Demzufolge soll das Vermögen bei Auflösung unter den noch aktiven steuerbegünstigten Bundesvereinen aufgeteilt und „unmittelbar und ausschließlich für gemeinnützige Zwecke“ verwendet werden. Da Vereine ohne anerkannte Gemeinnützigkeit in diesem Falle leer ausgehen würden, rief der Vorstand die Anwesenden zu einem entsprechenden Antrag an das Finanzamt auf, um Vorteile wie etwa den vereinfachten Zugang zu Spenden oder Finanzspritzen aus öffentlichen Töpfen nutzen zu können.

von Ina Tannert

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