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Sachverständiger soll Aufschluss geben

Aus dem Gericht Sachverständiger soll Aufschluss geben

Der Prozess gegen zwei wegen Betruges angeklagte Geschäftspartner der Heskemer Biogasanlage kommt voran. Weitere Zeugen und Experten sollen Aufschluss über eine vermeintlich frisierte Abrechnung geben.

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Vor dem Marburger Amtsgericht sind zwei ehemalige Geschäftspartner wegen Betruges angeklagt – bisher gibt es kein Urteil, die Verhandlung wird fortgesetzt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Im Mittelpunkt des verzwickten Prozesses steht der umstrittene Gewichtsverlust der eingelagerten Biomasse, welche die Angeklagten der Betreiberfirma in Rechnung stellten. Die beschuldigten Geschäftsführer beharren auf einer korrekten
Berechnung ihrerseits, erklären die nicht übereinstimmenden Zahlen mit dem natürlichen Flüssigkeitsverlust der sich zersetzenden Masse.

Bis vor einigen Jahren lieferten die Unternehmer die nötigen Rohstoffe für die geplante Biogasanlage bei Heskem-Mölln, beschafften die Feldfrüchte von Landwirten der Umgebung und lagerten die Silage ein. Die an den Endabnehmer in Rechnung gestellten Substratmengen sollen nicht mit den tatsächlich gelieferten Mengen übereinstimmen.

Laut Anklage ein Schaden von etwa 100.000 Euro

Wie mehrere Proben der vermeintlich geprellten Firma ergaben, sollen die Beschuldigten regelmäßig einen zu hohen Wert angegeben haben. Laut Anklage entstand der mittlerweile insolventen Betreibergesellschaft der Biogasanlage ein Schaden von etwa 100.000 Euro.

Bislang äußerte sich nur einer der Angeklagten zu den Vorwürfen. Auch gestern versuchte der Geschäftsmann die voneinander abweichenden Zahlen zu erklären: Nicht nur, dass die Biomasse durch den Flüssigkeitsverlust während der Lagerung an Gewicht verliert, die frisch vom Feld und aus dem Häcksler stammenden Rohstoffe wurden je nach Witterung und Erntezeit teilweise „sehr feucht und mit hohem Wassergehalt“ angeliefert, dabei stets trockener angegeben, als sie eigentlich waren.

So kam es durchaus vor, dass der Grünschnitt mal durchschnittlich 40 Prozent bis zu über 70 Prozent Wasser beinhaltete. „Es gab Abweichungen von bis zu einem Drittel“, erklärte der Angeklagte. Das von den Landwirten gelieferte „Futter“ für die Anlage wurde stichprobenartig geprüft – irgendwann hätten die Zwischenlieferanten einen Blick für die Materie und ein Gefühl für die Beschaffenheit der Rohstoffe entwickelt. Mangels Waage wurde die bestellte Ware auf deren Volumen vermessen und korrekt abgerechnet, beteuern die Männer.

Natürlicher Verlust wurde in Proben berücksichtigt

Auch das Mutterunternehmen und Abnehmer der Silage führte Proben durch, die laut Zeugen eine natürliche Gewichtsabnahme mit einbezogen. Die Ergebnisse stimmten trotzdem nicht mit der Rechnung überein. Ein weiterer Sprecher des Mutterunternehmens konnte gestern keine Angaben zu den vereinbarten Mengen oder der umstrittenen Abrechnungsgrundlage der Geschäfte machen.

Als Hauptproblem in dem Prozess sieht die Verteidigung das schwer zu rekonstruierende „Verhalten“ der frischen Rohstoffe. Die Landwirte wurden nach Trockenmasse bezahlt, die Angeklagten berechneten dagegen die eingelagerte Silage, die durch den Flüssigkeitsverlust an Gewicht verlor. Die entsprechenden Abweichungen ließen sich durch regelmäßige Proben, Häckslerprotokolle und Prüfergebnisse erklären, betont die Verteidigung. „Es geht hier immer um Frischmasse, die tatsächlich gelieferte Menge werden wir nicht herausfinden“, gab Rechtsanwalt Peter Thiel zu bedenken.

Abweichungen sind schwer zu rekonstruieren

Dreh- und Angelpunkt des Verfahrens ist dabei weniger die genaue Menge als vielmehr die natürliche Auswirkung der Lagerung auf die Biomasse, stellte der vorsitzende Richter Dominik Best fest. Das Schöffengericht kam zu dem Schluss, dass der stockende Prozess ohne Beteiligung eines Sachverständigen nicht weiter kommt. Über die von den beschuldigten Geschäftsführern angegebenen Abweichungen, das Wiegesystem und allgemeine Ertragserfassung von Grüngut soll beim Folgetermin ein entsprechender Gutachter Stellung beziehen.

Die Verhandlung wird am 28 April fortgesetzt.

von Ina Tannert

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