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Robuste Rinder mit kuscheligem Fell

Belted Galloways Robuste Rinder mit kuscheligem Fell

Vom Winterquartier im Stall zurück auf die grüne Weide: Rund um Oberweimar grasen die 40 Belted Galloways von Manfred Möller. Er züchtet gezielt und hat einige preisgekrönte Tiere in seiner Beltie-Herde. 

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Rot ist die dritte Fellfarbe, die es bei Belties gibt. Um auch eine rote Herde zu züchten, hat Möller sich eine vielversprechende Färse gekauft.

Quelle: Patricia Grähling

Oberweimar. Das idyllische Dorf in Weimar ist umgeben von einer hügeligen Landschaft. Der Kirchturm sticht aus der Ansammlung von Häusern hervor, die sich in die Senke schmiegen. Neben dem Kirchturm prägen aber auch einige
besondere Rinder das Bild: Landwirt und Gastronom Manfred Möller hält 40 Belted Galloways in vier Herden auf den Weiden um Oberweimar.

In erster Linie setzt er sie im Landschaftsschutzgebietes ein: Sie beweiden die Wiesen als Landschaftspfleger. „Dafür muss eine Rasse geeignet sein“, erklärt Möller. Robust müssen die Rinder sein und sich auf Feuchtwiesen wohlfühlen. Eine große Weide Richtung Kehna etwa wird von einem kleinen See dominiert. Vor einer Woche brachte er seine kleine Bullenherde aus dem Winterquartier im Stall wieder dorthin – „und sie sind erst mal eine Runde baden gegangen“, erklärt Möller.

Der weiße "Belt" am Bauch muss geschlossen sein

Möller hat sich auch der Zucht verschrieben: „Wenn ich etwas mache, dann richtig“, sagt er mit einem Lachen. Daher hat er seine Zucht 2011 mit einem Deckbullen und drei Färsen begonnen. Er sei durch ganz Deutschland gefahren und habe Tiere ausgewählt, die vielversprechende Nachkommen zeugen können: Der weiße „Belt“, der sich um den Bauch schließt und den Rindern ihr imposantes Aussehen verleiht, muss geschlossen sein und an keiner anderen Stelle im schwarzen Fell darf ein weißes Haar wachsen. Außerdem soll der Kopf eine dreieckige Form haben.

Heute hat er vier Deckbullen in seiner rund 40 Rinder starken Herde. „Mindestens zwölf Kälber werden dieses Jahr noch geboren“, erklärt er. Zwei haben schon das Licht der Welt erblickt, darunter ein sehr vielversprechendes: Die kleine Athena. Ihr Vater ist der gewaltige, aber verschmuste Bulle Jodok. Der lässt sich gerne von Möller kraulen und das weiche, lockige Fell striegeln. Außerdem ist das gutmütige Tier preisgekrönt: Jodok ist der Mister Beltie Deutschland Reservesieger 2015.

Athenas Mutter ist ebenfalls preisgekrönt, sie ist Miss Beltie Deutschland Reservesiegerin 2015. So ist es kein Wunder, dass die hübsche Mutter und das vielversprechende Kalb das Beltie-Hessentagspaar bilden und in Herborn die hessischen Beltie-Züchter repräsentieren dürfen. Samt Jodok geht es im September auf die Bundesschau in Erfurt. „Für mich ist es eine große Ehre, dass ich Kuh und Kalb außerdem auf der Eurotier in Hannover ausstellen darf“, sagt Möller stolz. Seit 1993 seien dort keine Belted Galloways mehr gezeigt worden, sondern nur einfarbige Galloways.

Möller holt neue Kühe direkt aus Schottland

Gemein ist den beiden Galloway-Arten nur, dass sie aus der Region Galloway in Schottland stammen. Dorthin reist Möller im Herbst mit 20 anderen Beltie-Züchtern aus ganz Deutschland. „Wir werden uns dort eine große Versteigerung der Belties anschauen und einige Betriebe besichtigen“, sagt Möller. Er ist sich sicher, dass er in Schottland auch gute neue Kühe für seine eigene Zucht findet. Ohnehin kauft er vielversprechende Tiere international ein.

Möller legt aber nicht nur Wert auf die Zucht, sondern auch darauf, dass es seinen Tieren gut geht und sie zutraulich sind: Jeden Tag geht er auf die Weiden, sieht nach den Tieren, striegelt sie und sucht Kontakt. Im Winter hält er sie in Offenställen, seit einer Woche dürfen sie wieder auf die saftigen grünen Wiesen. Und die Bullen dürfen die Kühe ganz natürlich decken. Nur hin und wieder greift Möller zur künstlichen Befruchtung, um zu nahe Verwandtschaften zwischen den Tieren zu vermeiden. Platz haben sie außerdem: 30 Hektar Land hat Möller zur Beweidung zur Verfügung.

Neu in der Herde: Rote Fräse und ein blonder Bulle

Mittlerweile hat der Züchter auch ein neues Ziel: Er möchte schöne Belties aus allen drei möglichen Farbschlägen halten. Schwarz bleibe dabei sein Schwerpunkt. Zur Zucht habe er nun auch eine rote Färse gekauft und einen blonden Bullen. Der Belt um den Bauch ist dabei bei allen Rassen weiß. „Einige meiner schwarzen Belties haben die Veranlagung für rot oder blond“, erklärt Möller. Durch gezielte Kreuzungen möchte er diese Farben beim Nachwuchs herausarbeiten. „Das wird aber viel Geduld brauchen“, erklärt er und denkt dabei nicht in Monaten, sondern in Jahren.

Wie in der Zucht so üblich, zeugen preisgekrönte Eltern nicht immer perfekte Nachkommen: Manchmal ist der Belt nicht geschlossen oder zu schmal am Rücken. Manchmal ist das Skelett nicht gut, die Kopfform nicht optimal. „Diese Belties lasse ich dann schlachten“, erklärt Möller. Das Fleisch bietet Familie Möller dann im Gutsstübchen an, dem familieneigenen Restaurant auf dem alten Rittergut in Oberweimar. „Für Feiern fragen viele Kunden schon gezielt nach Beltie-Fleisch“, sagt Möller. Von der Geburt bis auf den Tisch komme es aus eigener Hand, die Gäste wüssten genau, was sie essen: Die Belties, die auf den saftigen Weiden um Oberweimar grasen.

von Patricia Grähling

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