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Rekordhalter in der Eigenleistung

Allna Rekordhalter in der Eigenleistung

Die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses und weitere Projekte, Infos für private Bauherren sowie zum geplanten Energie­forum standen im Mittelpunkt beim Dorfentwicklungs-Brunch in Allna.

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Planer Hartmut Kind (links), Ortsvorsteherin Ingrid Wallenwein (rechts), Bürgermeister Peter Eidam (4. von rechts) und Ingrid Korn (11. von rechts, in brauner Weste) vom Fachdienst Dorferneuerung sprachen zu den Teilnehmern des Dorferneuerungs-Brunchs im

Quelle: Manfred Schubert

Allna. Zu einem Dorfentwicklungs-Brunch hatte der Arbeitskreis Dorferneuerung am Sonntag ins Dorfgemeinschaftshaus (DGH) eingeladen. Nachdem man sich am reichhaltigen Buffet gestärkt hatte und die Kinder zum Spielen im Schnee nach draußen gegangen waren, gab Berater und Planer Hartmut Kind vom Büro SP Plus in Bad Nauheim den 30 Zuhörern im ersten Vortrag einen Überblick über die Dorferneuerung vom Beginn der Konzeptentwicklung Mai 2007 bis heute.

Im Februar 2008 war der zuschussfähige Gesamtinvestitionsrahmen von der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WI-Bank) auf 611000 Euro festgelegt worden. Los ging‘s mit der Aufwertung und Bepflanzung der Gedenkstätte Kriegerdenkmal und der Lindengasse.

Allnaer pflastern selbst,um Geld zu sparen

Allna sei das Dorf, in dem mit die meisten Eigenleistungen im Landkreis erbracht würden, hob Kind hervor. So war es auch beim Ausbau des Verbindungsweges zwischen Ortsmitte und Friedhof, der in seinem früheren, teils unbefestigten Zustand nur bei trockenem Wetter für Bestattungen nutzbar war. Auch mit den umfangreichen Eigenleistungen beim Pflastern, so Ortsvorsteherin Ingrid Wallenwein, waren die veranschlagten 75000 Euro für das Stück ab der Alten Gasse verbraucht. Ursprünglich hatte man den Weg von der Kirche aus durchgehend einheitlich gestalten wollen.

Kind stellte Varianten für die wichtige Gestaltung der Ortsmitte vor. Das Umfeld der Kirche sei die „Perle von Allna“, das Markenzeichen des Dorfes. Auch im Saal des DGH ist es an der rückseitigen Wand abgebildet. Für die Sanierung des ehemaligen Spritzenhauses sei der Bauantrag fertig, das Geld stehe bereit, so dass man im Frühjahr damit beginnen könne. Neben einem Lagerraum und der Aussegnungshalle soll ein Warteraum für die Bushaltestelle darin entstehen. Auf die Frage einer Zuhörerin, warum man das Gebäude überhaupt erhalte, erklärte Kind, dass es nach dem Denkmalschutzgesetz gemeinsam mit Kirche und Umfeld ein geschütztes Ensemble bilde. Die Ortsvorsteherin ergänzte, dass das Spritzenhaus ursprünglich im Besitz von 21 Menschen war und es schwierig gewesen sei, alle ausfindig zu machen, um es in Gemeindebesitz zu überführen. Zum Teil waren die Familien vor langer Zeit ausgewandert.

Was wird aus dem Gemeinschaftshaus?

In Sachen DGH steht noch nicht fest, ob die alten Fenster erhalten oder erneuert werden sollen. Die WC-Anlage, die Heizung, der Bauschaden an der Überbauung der Treppenanlage, die Bestuhlung: Man müsse sehen, was im Rahmen der Dorferneuerung finanzierbar sei, erklärte Kind. Mehr Ausstattung als Umbau sei gefragt, wenn man das Haus für die nächsten 20 bis 30 Jahre fit machen und für die Dorfgemeinschaft erhalten wolle.

Geld für die Sanierung reicht nicht aus

Ursprünglich waren dafür 260000 Euro vorgesehen, sagte Ingrid Korn vom Fachdienst Dorferneuerung und Regionalentwicklung des Landkreises, nach Abzug der bisherigen Kosten seien noch etwa 220000 Euro übrig, damit komme man nicht weit. Es wäre möglich, bei der WI-Bank eine Aufstockung zu beantragen. Allerdings kämen für zusätzliches Geld die 2012 veränderten Bewilligungskriterien zum Tragen. Voraussetzung für höhere Investitionen ins DGH sei, dass die Kommune Weimar ein Konzept über den Betrieb und die Bewirtschaftung aller DGH in allen Ortsteilen vorlege, da das Land laut WI-Bank grundsätzlich keine Leerstände mehr fördern könne. Bis 2015 sei noch Zeit, den Antrag auf Aufstockung zu stellen. „Wir werden das DGH nicht feudal ausstatten können, schon die Außendämmung wird viel Geld kosten“, sagte Bürgermeister Peter Eidam.

In ihrem Vortrag berichtete Korn, dass neben zwölf kommunalen Maßnahmen für 242000 Euro mit Zuschüssen von 140000 Euro auch 26 private Vorhaben von elf Antragstellern, die 542000 Euro investierten, mit 161000 Euro gefördert wurden. Bis September 2014 seien noch Förderanträge privater Bauherren möglich, vorteilhaft sei eine frühere Antragstellung.

Ein bisschen „Vergnügungssucht“

Speziell über die energetische Sanierung von Alt- und Fachwerkbauten werden Fachleute beim Energieforum Allna am 10. März von 14 bis 18 Uhr im DGH informieren – alle Bürger aus Weimar sind eingeladen.

Für Heiterkeit sorgte Ortsvorsteherin Ingrid Wallenwein, die in ihrem Vortrag die Entwicklung der Dorfgemeinschaft im Laufe der Dorferneuerung betrachtete. In einem Fragebogen von 1859 wurden die Allnaer als im ganzen sparsam, fleißig, sittlich, ordnungsliebend, gesellig, freilich etwas vergnügungssüchtig geschildert, zitierte sie aus der „Heimatwelt“.

Dorfchronik und Dorftreff für Allna

Dem fügte sie nach sechs Jahren Dorferneuerung hinzu: „Sie sind aber auch kritisch, hilfsbereit und zuverlässig.“ Überhaupt sei sich Allna seiner Stärken bewusster geworden und könne sie besser einsetzen. „Zwar ist der Ich-Gedanke ausgeprägt, aber der Wir-Gedanke kommt immer mehr zum Tragen. Ich wurde nie bei der Bitte um Hilfe abgewiesen und alle kamen zuverlässig. Weltmeister sind wir bei der Vergnügungssucht, ein Anlass zum Feiern findet sich immer. Wir sind vielseitiger geworden, neben Eigenleistungen beim Wegebau haben wir uns mit der Dorfchronik beschäftigt und den Dorftreff etabliert“, fasste die Ortsvorsteherin ihre Ausführungen zusammen.

von Manfred Schubert

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