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Radfahrer wird über Motorhaube geschleudert

Aus dem gericht Radfahrer wird über Motorhaube geschleudert

Nachdem er verkehrswidrig in eine Einbahnstraße gefahren war, stieß ein unaufmerksamer Autofahrer aus dem Südkreis mit einem Radfahrer zusammen und verletzte diesen schwer. Vor Gericht erhielt er dafür eine Geldstrafe.

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Ein Angeklagter aus dem Südkreis bog unbeabsichtigt verkehrtherum in eine Einbahnstraße ein. Dabei stieß er mit einem Radfahrer zusammen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Ein scheinbar zugewuchertes Verkehrsschild verleitete den eigentlich erfahrenen Autofahrer zum Abbiegen in eine enge Seitenstraße im Cappeler Wohngebiet.

Den entgegenkommenden Radler übersah er, der kämpft bis heute mit seinen erheblichen Verletzungen. Im Juli vergangenen Jahres war der Angeklagte auf der Umgehungsstraße in Cappel unterwegs, fuhr in die Holzgasse ein und bog widerrechtlich scharf links in eine Einbahnstraße ein.

Bei geringer Geschwindigkeit prallte er frontal auf einen Radfahrer, das Fahrrad überschlug sich, der überraschte Radler wurde über die Motorhaube geschleudert und landete schwer verletzt auf der Straße. Durch den Unfall zog sich der Mann mehrere Schürfwunden sowie einen komplizierten Trümmerbruch der linken Schulter zu.

Fahrbahnmarkierung verwirrten den Angeklagten

Vor Gericht versuchte der Unfallverursacher sein Handeln zu erklären. Dass es sich bei der Gasse um eine Einbahnstraße handelte, habe er nicht bemerkt, „es war schlecht einsehbar, und ich habe das Schild nicht gesehen“, erläuterte der 60-Jährige.

Verwirrt habe ihn vor allem die Fahrbahnmarkierung, er ging fälschlich davon aus, dass durch die „gestrichelte Linie“ auf der Fahrbahn eine Einfahrt in die Straße ermöglicht werde. Den Radfahrer sah er erst im allerletzten Moment – „plötzlich hat es gekracht“.

Nach dem Zusammenprall verständigte der Angeklagte Polizei und Rettungswagen. Er habe sich später bei dem Unfallgegner entschuldigt, beteuerte der Mann. Daran konnte sich der Geschädigte nicht erinnern. Als er verletzt am Boden lag, habe ihm der Beschuldigte jedoch geholfen und „sich gekümmert“, teilte der Radfahrer vor Gericht mit. Zuvor wurde er „im freien Flug“ durch die Luft geschleudert, nach dem Zusammenstoß verlor er kurzzeitig das Bewusstsein.

Anklagevertreter: „Kein rücksichtsloser Fahrer“

Die durch den harten Aufprall zertrümmerte Schulter musste operiert, das Gelenk durch eine Prothese aus Metall ersetzt werden. Bis heute befindet sich der Geschädigte in der Rehabilitation, kämpft mit „etlichen Funktionseinschränkungen“, erklärte der Mann.

Dieser war lange Zeit leidenschaftlicher Ruderer, musste sein Hobby nach dem Unfall aufgeben. Den verletzten Arm kann er über Schulterhöhe hinaus nicht mehr heben, die Koordination sei auf Dauer eingeschränkt, „das ist sehr ärgerlich“, fasste der Sportler zusammen.

Vor Gericht stand die Schuld des Unfallverursachers schnell fest, der Vorwurf habe sich „vollumfänglich bestätigt“, befand Rechtsreferendar Marc Amos. Von einer Entziehung der Fahrerlaubnis sah die Staatsanwaltschaft ab, bis zu diesem Zeitpunkt war der Angeklagte noch nie auffällig im Straßenverkehr geworden.

Zudem habe der glaubhaft gemacht, dass er den Vorfall bedauert und „kein rücksichtsloser Fahrer“ sei, entschied der Anklagevertreter und sprach sich für eine Geldstrafe aus. Strafrichterin Melanie Becker folgte dem Antrag und verurteilte den Verkehrssünder wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 35 Euro.

von Ina Tannert

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