Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Qualität, Geschmack und reichlich Kultur

Baumschnitt Qualität, Geschmack und reichlich Kultur

Die Pflege der Obstbäume in den Feldgemarkungen lässt sich die Gemeinde Ebsdorfergrund etwas kosten. Wie wichtig diese Investition ist, erklärte ein ausgewiesener Fachmann vor Ort.

Voriger Artikel
„Grund“ will ins Radwegeprogramm
Nächster Artikel
Höchstleistungen im Kinderzirkus

Antje Karle (von links), Bürgermeister Andreas Schulz, Dieter Karle und Heinrich Rabenau trafen sich auf der größten Streuobstwiese der Gemeinde.

Quelle: Martina Becker

Hachborn. Obstbaum ist gleich Obstbaum, das mag man als Unwissender glauben. Wer sich einmal mit Dieter Karle unterhalten hat, ist schnell eines anderen belehrt. Der ausgebildete Forstwirt sowie Baum- und Fachwart für Obst- und Gartenbau gerät ins Schwärmen, wenn er alte Obstbäume um sich hat. Vor allem schafft er es, seine Begeisterung auf seine Zuhörer zu übertragen. So war es auch bei einem Treffen am Freitagnachmittag auf der größten Streuobstwiese der Gemeinde Ebsdorfergrund im Feld von Hachborn. Hier stehen rund 120 Bäume und 30 verschiedene Obstsorten auf einem überschaubaren Fleck, ganz nah am Ortsrand in Richtung des alten Wasserbassins.

Manche Bäume stellen Naturdenkmäler dar

Diese Streuobstwiese liegt auch dem Hachborner Heinrich Rabenau sehr am Herzen. Schon als Kind habe er sich hier hingezogen gefühlt. Vor etwa zwanzig Jahren organisierte er eine Nachpflanzaktion. Jetzt hat er eine Art Patenschaft für die Bäume und sorgt etwa dafür, dass das Gras gemäht wird. Auf sein Anregen hin wurde auch Karle mit in die Pflege involviert. Der Fachmann kümmert sich seit geraumer Zeit um den Schnitt der Obstgehölze in der Gemeinde. In Hachborn hat er in diesem Jahr einen großen Teil der Obstbäume geschnitten. Beim Ortstermin stellten alle zufrieden fest, dass dies den Bäumen gut getan hatte und sie in diesem Jahr einen ordentlichen Ertrag haben werden. „Seit dem großflächigen, unsachgemäßen Obstbaumrückschnitt in Beltershausen sind wir in Ebsdorfergrund sensibel geworden, was unser Obstbäume angeht“, erklärte Bürgermeister Andreas Schulz. Er hatte den aus Eschenberg stammenden Karle eher zufällig kennengelernt und für die Baumrettung gewinnen können. Bis auf eine Handvoll Obstbäume konnten so alle das „Massaker“ überleben.

Diese Arbeit hat sich jetzt auf die gesamte Gemeinde ausgeweitet. Der Pomologe, sprich Obstbaumexperte nimmt sich nach und nach alle Obstbäume - es sind rund 1000 Stück - im Feld vor.

„In Ebsdorfergrund stehen wahre Schätze“, meinte Karle. Manche Bäume haben einen Umfang von über drei Metern und sind als Naturdenkmäler zu sehen. Überhaupt ist der gesamte Obstbaumbestand in Ebsdorfergrund etwas Besonderes, weil hier sehr viele verschiedene Obstsorten zu finden sind. Das ist für diese Lage ungewöhnlich und eher in den südlichen Landesteilen wie dem Taunus oder der Wetterau üblich.

Hohe Verluste bei Hochstämmen

In den letzten fünfzig Jahren gab es immense Verluste bei den Hochstammbäumen. Von rund 15 Millionen ist nur noch ein Zehntel da. Dieses gilt es zu erhalten. Wie landesweit üblich wurden auch in Ebsdorfergrund die Bäume bislang wenig gepflegt. „Wenn jetzt nichts passiert, sind in zwanzig Jahren die Obstbäume verschwunden“, warnte Karle.

Damit dies nicht passiert, hat die Gemeinde Ebsdorfergrund in diesem Jahr erstmalig 20000 Euro für die Pflege der Baumbestände im Haushalt eingestellt. „Was die Obstbäume betrifft, ist die Gemeinde Ebsdorfergrund jetzt ihrer Zeit voraus“, meinte Karle.

Überhaupt sind Streuobstwiesen, wie die in Hachborn nicht nur schützenswerte Naturdenkmäler. Auch wirtschaftlich sind sie von Bedeutung.

„Zweidrittel des Obstes bei Birne und Apfel kommt noch von Streuobstwiesen und nur ein Drittel von Plantagen. Das Schneiden dieser Bäume ist eine Wissenschaft für sich und mit Halb- und Pseudowissen zu hantieren, hält Karle für nicht angebracht. Entscheidend ist auch, dass die Streuobstwiesen über die große Vielfalt hinaus höhere Qualität und mehr Geschmack bieten. Allergien hat man bei diesem Obst so gut wie nicht, meinte Ehefrau Antje Karle, die sich ebenfalls den Obstbäumen verschrieben hat. Nicht zuletzt beeindruckt auch das Leben, das das ganze Jahr über in Streuobstwiesen zu finden ist. 2500 Lebensformen sollen es sein.

Weil dies alles so interessant und lehrreich ist, dachte man bei dem Treffen über Fortbildungsveranstaltungen und Führungen in der Hachborner Streuobstwiese nach. Sie ist einfach ein Musterbeispiel für eine solche Idee.

von Martina Becker

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr