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„Puppenstube“ will gen Süden wachsen

Grenzübergreifend „Puppenstube“ will gen Süden wachsen

Der Raum zwischen Gießen und Marburg scheint ein ideales Entwicklungsgebiet zu sein. Zu einem Kollegentreffen von neun Städten und Gemeinden hat Bürgermeister Andreas Schulz eingeladen.

Dreihausen. Die Diskussion um die Sinnhaftigkeit der derzeitigen hessischen Regionen ist längst im Gange. Es sei bekannt, dass über deren Anzahl auf Landesebene seit geraumer Zeit diskutiert werde, sagt Bürgermeister Andreas Schulz. 25 „Leader“- beziehungsweise „Eler“-Förder-Regionen gibt es in Hessen. Alleine im Landkreis Marburg Biedenkopf sind es vier, etwa die Region Lahn-Dill-Bergland oder die Region Marburger Land, der auch die Gemeinde Ebsdorfergrund angehört.

Die Regionen sind angetreten, um den ländlichen Raum mit Hilfe der Europäischen Union zu entwickeln. Da aber zum Teil sehr inhaltsgleich Programme bestünden, sei hessenweite eine Reduzierung um fünf Regionen im Gespräch. Ende 2013 läuft die Förderperiode für diese Gebiete aus. Das heißt, dass bis Ende des Jahres noch letzte Bewilligungen möglich sind, die dann bis ins Jahr 2015 abgerechnet werden können. Höchste Zeit, um sich Gedanken über neue Konzepte und größere Zusammenschlüsse zu machen, meinte Schulz.

Wie und mit wem die Gemeinde Ebsdorfergrund die Zukunft gestalten will, hat der Gemeindevorstand in seiner jüngsten Sitzung beraten. Man wünscht sich eine Ausrichtung nach Süden. Der Bürgermeister sieht in dem Raum an den Verkehrsadern A 5, B 3 und A 480 zwischen den beiden Uni-Städten Marburg und Gießen erhebliches Entwicklungspotential.

Entwicklungspotenzial jenseits von Kreisgrenzen

Diese Idee von Schulz fand die Unterstützung des Gemeindevorstandes. Das Gremium kam zu dem Schluss, sich nicht mehr nur nach Marburg zu orientieren. Landkreisgrenzen sollen bei einer Entscheidung keine Rolle mehr spielen. Der Grund will sich mehr in Richtung Rhein-Main-Gebiet ausrichten und sieht dort gemeinsam mit anderen Städten und Gemeinden zusätzliches Entwicklungspotenzial. Für diese Idee sprächen auch die guten Erfahrungen mit den Nachbarkommunen aus dem Landkreis Gießen, erklärte Schulz.

Der gemeinsam auf den Weg gebrachte Flächennutzungsplan, die Gründung der Energiegesellschaft Lumdatal, die Fragen der Energiewende anfasst, oder der gemeinsame Einsatz für den Erhalt der Zughaltestellen der Main-Weser-Bahn zwischen Marburg und Gießen sind Beispiele. „Besonders die zuletzt geführten Diskussion um die Zughaltestellen zeigt, dass man seitens der Universitätsstadt Marburg dem Umland nicht auf Augenhöhe begegnet und auf Kosten der ländlichen Bevölkerung beim Rhein-Main-Verkehrsverbund Zusteigehalte streichen lassen will“, sagte Schulz, der sich für einen neuen Zukunftsraum in Mittelhessen stark macht.

Zur Gründung und Initiierung dieser größeren Region hat er nach ersten Vorgesprächen seine Kollegen der Städte und Gemeinden Allendorf/Lumda, Busek, Fronhausen, Lollar, Reiskirchen, Staufenberg, Weimar/Lahn und Wettenberg sowie Rabenau zu einem Treffen eingeladen. Diese Kommunen umfassen gemeinsam rund 85000 Einwohner, etwa doppelt so viele wie beispielsweise in der Region Marburger Land.

Je größer die Region, umso gewichtiger könne sie neben den Universitätsstädten Marburg und Gießen übergeordneten Behörden gegenübertreten, zum Beispiel bei der Ausweisung von Gewerbe- oder der Genehmigung von Baugebieten, meinte Schulz.

Nach der Devise „Raus aus der Puppenstube, rein in eine Zukunftsregion mit großem Potenzial“ gehe er eine Frage an, mit der sich alle Regionen auseinandersetzen müssten.

von Martina Becker

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