Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Prügelei: Zeugen kämpfen mit Erinnerungslücken

Fronhausen Prügelei: Zeugen kämpfen mit Erinnerungslücken

Ein Streit unter Heranwachsenden artet in Schlägereien aus. Zwei junge Männer sollen dies provoziert haben. Diegeben Notwehr als Grund an und fühlen sich zuUnrecht verfolgt.

Marburg. Wer führte den ersten Schlag aus, wer griff als erster an und wer schlug wie, aus Notwehr zurück? Um diese „schlagkräftigen“ Fragen drehte sich eine mehrstündige Verhandlung vor dem Marburger Amtsgericht. Auf der Anklagebank saßen zwei junge Männer aus dem Südkreis im Alter von 19 und 20 Jahren. Ihnen wird unter anderem gemeinschaftliche Körperverletzung vorgeworfen.

Im Sommer vergangenen Jahres sollen die beiden auf einer Kirmes in Fronhausen eine erste Schlägerei mit zwei weiteren Partygästen angezettelt haben. Die leicht angetrunkenen jungen Männer hielten sich spät in der Nacht etwas abseits des Festzeltes auf, als sie auf eine weitere Gruppe Kirmesbesucher trafen. Die beiden fingen dem Tatvorwurf nach an, die andere Dreiergruppe, zwei junge Männer und eine Frau, zu beleidigen und anzupöbeln, so die Anklage. Die verbale Auseinandersetzung gipfelte schließlich in einem Faustkampf. Ein Angeklagter prügelte sich mit jeweils einem der anderen Männer.

„Aus Notwehr“ zugeschlagen

Dem jüngeren Beschuldigten werden zudem weitere Fälle von Körperverletzung vorgeworfen. Während der Schlägerei brachte er seinen Kontrahenten zu Fall und soll dem am Boden Liegenden mit schweren Stiefeln gegen den Kopf getreten haben. Dies stritt der Beschuldigte entschieden ab.

Die Faustschläge gaben die Angeklagten zu, als Grund nannten sie jedoch Notwehr. Die andere, ihnen unbekannte Gruppe habe sie zuerst beleidigt und den Streit provoziert. Auslöser der Schlägerei soll eine Ohrfeige der Frau gewesen sein. „Wir haben uns nur gewehrt, es ging alles blitzschnell“, erklärten die Angeklagten. Alle vier Beteiligten trugen bei der Prügelei diverse Hämatome, Schürfwunden und Prellungen davon. Ein Angeklagter erlitt zudem ein Schädelhirntrauma.

Kurze Zeit später floh die Dreiergruppe aus der Situation, verständigte die Polizei und erstattete Anzeige. Alle drei sagten als Zeugen vor Gericht aus und beschuldigten die Angeklagten, die Auseinandersetzung grundlos durch massive Beleidigungen provoziert zu haben.

Sie konnten sich an zahlreiche Einzelheiten des Vorfalls erinnern, jedoch nicht daran, was die beiden im Vorfeld gesagt haben sollen. Dies nahm Richter Cai Adrian Boesken den jungen Leuten nicht so ganz ab. „Diese Erinnerungslücken sind schon recht seltsam“, so der Richter und ermahnte alle Beteiligten eindringlich die Wahrheit zu sagen. Alle drei blieben bei ihrer Aussage.

Erneutes Aufeinandertreffen

Damit endete die ereignisreiche Kirmes-Nacht jedoch noch nicht. Nach der Prügelei entfernten sich beide Angeklagten von dem Festplatz. Einige Straßen weiter trafen sie auf weitere Kirmesbesucher. Die größere Gruppe, bestehend aus etwa fünf bis acht Mitgliedern der Kirmes-Burschenschaft, zogen lautstark durch die Straßen und griffen sie gezielt an, so die Angeklagten. Sie vermuteten, dass diese für eine abgesprochene Racheaktion alarmiert worden waren. Es kam zu weiteren Beschimpfungen und Schlägen. „Die wollten uns wohl eins auswischen“, glauben die Beschuldigten. Diesen Vorwurf gaben die Beteiligten der anderen Gruppe ebenfalls zurück.

Wiederum einige Zeit später traf der angeklagte 19-Jährige auf den Nachhauseweg erneut auf einige der Beteiligten. Diese verfolgten ihn und versuchten ihn angeblich festzuhalten. Während der folgenden Rangelei riss er sich los und schlug „aus Schutzreflex“ wild um sich. Dabei traf er einen der anderen Männer heftig ins Gesicht, brach ihm dabei die Nase. Dies brachte ihm einen weiteren Anklagepunkt ein.

Er habe grundlos und mit Absicht zugeschlagen, gab dagegen der Geschädigte vor Gericht an. Der Angeklagte sei von der vorangegangenen Auseinandersetzung und dem darauffolgenden Kirmesverbot aufgebracht gewesen, so der Zeuge. Er sei gezielt mit den Worten „du warst doch eben auch dabei“ auf ihn losgegangen.

Der beschuldigte 19-Jährige fühlt sich hingegen als Opfer, nicht als Verursacher der Streitigkeiten: „Die Täter-Opfer-Rollen sind hier falsch verteilt“, gab er vor Gericht an. Trotz intensiver Auseinandersetzung mit den diversen Vorfällen der Festnacht hatte das Gericht „Schwierigkeiten bei der Wahrheitsfindung“ in diesem Fall, erklärte Richter Boesken.

Zur Klarstellung der Situation müssten daher noch weitere Zeugen geladen und vernommen werden. Die Verhandlung wurde auf Ende Mai vertagt.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Südkreis