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Preisgekrönte Federn in allen Farben

Vogelzucht Preisgekrönte Federn in allen Farben

Durch eine Kanarienvogel-Notlandung vor seinen Füßen ist Heiko Dybus als Achtjähriger zur Vogelzucht gekommen. Heute hat er mehrere Meistertitel und ein Paar Kakadus im Wohnzimmer.

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Heiko Dybus verkauft bis zu 800 Vögel im Jahr. Vor allem Wellensittiche sind bei privaten Käufern sehr beliebt. Der Züchter jedoch hat eine Leidenschaft für seine „Princess of Wales“-Rasse. Mit einem blauen Männchen (kleines Foto) wurde er bereits deutscher Meister.

Quelle: Patricia Graehling

Ebsdorf. Lautes Gezwitscher schallt durch den Garten von Heiko Dybus. Das Flattern Hunderter Flügel ist zu hören. Und dabei geht es ganz schön bunt zu: Der Züchter hat nicht nur Hunderte Wellensittiche und Kanarienvögel in den unterschiedlichsten Farben, sondern auch exotische Arten in zartem Rosa, leuchtendem Gelb oder schillernden Blautönen.

Insgesamt 19 verschiedene Vogelarten leben in den großzügigen Volieren, die Dybus überall im Garten, im Schuppen oder in der Scheune eingerichtet hat. Bunte Wellensittiche, zwitschernde Zebrafinken und Zwergpapageien in kräftigen Farben flattern dort zu Hunderten herum. Diese Tiere verkauft er vor allen Dingen an Zoogeschäfte und Privatleute, die gerne pflegeleichtes Federvieh im heimischen Wohnzimmer beherbergen möchten.

Weiter hinten im Garten verbergen sich die echten Schätze. Anspruchsvolle Zuchttiere, mit denen Dybus Medaille um Medaille gewinnt - und die vor allem andere Zuchtkollegen als Käufer anlocken. In großen Volieren sitzen etwa seine Lieblinge: Exemplare der „Princess-of-Wales“ in unterschiedlichen Farben. Neugierig kommen sie angeflogen, klettern an der Tür entlang, wenn sie Besucher kommen hören. „Die jungen ,Princess‘ sind sehr neugierige Tiere“, sagt Dybus und krault einen blauen Vogel zärtlich. Das ist sein preisgekrönter Vogel. Mit ihm wurde der Ebsdorfer schon zwei Mal Landessieger, verpasste 2013 knapp den deutschen Meistertitel und holte ihn sich dann im vergangenen Jahr. „Sein Enkel ist gerade erst Landesmeister geworden“, sagt der Züchter stolz. Gerade bereitet er sich wieder auf die nächste Bundesschau vor, wo er vielleicht erneut einen Meistertitel einheimst.

Die Kakadus Rosa und Theo schmusen gerne mit Dybus

Angefangen hat alles, als Dybus gerade acht Jahre alt war: Damals, 1979, bauten seine Eltern gerade an, als ein Kanarienvogel angeflogen kam. „Er musste auf dem Hof notlanden, und wir haben ihn mit einem Hut eingefangen“, erzählt Dybus. Der Achtjährige päppelte das Tier auf, suchte bei den ansässigen Züchtern nach dem Besitzer - und behielt das Tier schließlich. „Mein Opa hatte früher auch mal Kanarienvögel gezüchtet und mir gesagt, dass ich noch ein Weibchen dazusetzen muss.“ Dann bastelte der junge Dybus Nestchen aus Stoffresten, verarbeitete Brötchen mit Schnittlauch, Honig und Ei zu einer eigenen Aufzucht-Futtermischung. Der Erfolg stellte sich schnell ein: Vier kleine Vögel schlüpften bald darauf. „Die erste eigene Zucht gibt man natürlich nicht weg. Also habe ich wieder passende Partner geholt. Und dann war es wie eine Spirale.“ Mit Fachwissen vom Opa und anderen Züchtern und der finanziellen Unterstützung der Eltern bekam Dybus so immer mehr Käfige und Vögel. Bald hatte der Junge die ersten Zebrafinken. „Die sind bunt und nicht sonderlich anspruchsvoll“, erklärt er - zudem günstig und leicht zu züchten.

Die ersten hochwertigen und anspruchsvollen Tierarten kaufte Dybus sich erst 2003. „Bis dahin habe ich mir die Nase bei anderen Züchtern plattgedrückt“, scherzt er. Seither baut er ständig an, erweitert seine Zucht, sammelt Preise, züchtet neue Arten. Zwischen 350 bis 500 Vögel flattern ständig in den Räumen des Züchters. „Im August sind es schon mal 600. Dann sind die Volieren aber auch ziemlich voll.“

Dabei hat Dybus noch einige Wünsche: Rotflügelsittiche oder naturfarbene Prachtrosellas hätte er gerne. „Aber dafür bräuchte ich neue Volieren - oder müsste mich von anderen Vögeln trennen.“ Das wolle er dann doch nicht. Einen kleinen Traum erfüllte der Vogelzüchter sich dann aber im vergangenen Jahr: Er kaufte sich eine große Voliere für das Wohnzimmer. In der leben nun Rosa und Theo, zwei verschmuste Rosakakadus. „Ich hatte mir bei einem Unfall den Fuß gebrochen und ziemlich Langeweile“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Da mussten die beiden Kakadus her, die nun jeden Tag viel Zeit beanspruchen, wenn er sie im Wohnzimmer fliegen lässt. „Die Kakadus brauchen viel Raum und Beschäftigung“, erzählt er.

Wenn er seine Tiere abgibt, achtet er auch darauf, ob die Lebensbedingungen zu der Vogelart passen. „Manchmal muss ich dann auch absagen“, erklärt er. „Von mir bekommt keiner einen Prachtrosella, wenn er ihn nur in einen kleinen Vogelkäfig setzen kann.“

von Patricia Grähling

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