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Ruhestand

Potthoff verlässt seine „starke Schule“

Lothar Potthoff war 20 Jahre Schulleiter der Gesamtschule Ebsdorfer Grund. Er hat in der Zeit vieles an der Schule verändert und ihr nicht nur baulich ein neues Gesicht gegeben.
„Schule gestalten und nicht nur Schule sein lassen, wie sie ist“ – das war ein wichtiges Anliegen von Schulleiter Lothar Potthoff. Er ist stolz auf die Auszeichnung als „Starke Schule“. Foto: Patricia Kutsch

„Schule gestalten und nicht nur Schule sein lassen, wie sie ist“ – das war ein wichtiges Anliegen von Schulleiter Lothar Potthoff. Er ist stolz auf die Auszeichnung als „Starke Schule“.

© Patricia Kutsch

Heskem. Die Gesamtschule Ebsdorfer Grund ohne Lothar Potthoff? Kaum denkbar. In 20 Jahren hat er an der Schule ein neues pädagogisches Konzept mit den Lehrern umgesetzt, die Schule zu einem Lernort gemacht, an dem die Schüler sich wohl und ernstgenommen fühlen sollen.

An die drohende Schließung des Gymnasialzweigs in den 90er-Jahren erinnert heute nichts mehr - das Einzugsgebiet der GSE wächst, der Gymnasialzweig ebenfalls.„Die Schule ist auch im nächsten Jahr und den Jahren danach gut aufgestellt mit einem sehr guten Schulleitungsteam, den Lehrern, Eltern und Schülern“, sagt Potthoff. Einen Nachfolger für ihn gibt es bisher noch nicht.

Geboren ist Lothar Potthoff 1949 in Nordrhein-Westfalen. In Marburg hat er dann seine Lieblingsfächer auf Lehramt studiert: Geschichte und Politik. „Würde ich heute nochmal studieren, würde ich ein Hauptfach dazunehmen“, sagte er. Potthoff kam in der Marburger Schullandschaft herum: Lehrauftrag an der Elisabethschule, nach dem Referendariat in Gießen kam er an das Gymnasium Philippinum, ließ sich von dort für zwei Jahre an die Theodor-Heuss-Schule abordnen.

Für ihn selbst eine prägende Erfahrung: kein reines Gymnasium, andere Kollegen und eine andere Art, Schule zu machen, fasst er zusammen. Zugleich war Potthoff von 1982 bis 1995 Vorsitzender im Personalrat der Lehrer. Damit hatte es ein Ende, als er 1995 Schulleiter der GSE wurde. Gemeinsam mit Kollegen, die er aus seiner Studienzeit und den anderen Schulen kannte, wollte er dort neue Ideen umsetzen.

Anschluss für alle Schüler möglich

„Rückblickend denke ich, haben wir viele unserer Ideen auf den Weg bringen können.“ Die Lehrer, allen voran Potthoff, wollten „Schule gestalten und nicht nur Schule sein lassen, wie sie ist“. So wendete das Kollegium die Schließung des Gymnasialzweigs ab.

„Die Zahlen zeigen, dass der gymnasiale Zweig wichtig für uns ist: Mittlerweile haben wir fast so viele Schüler auf dem Gymnasialzweig, wie auf dem Realschulzweig.“ Zugleich steige die Schülerzahl allgemein. Derzeit werden 850 Schüler in Heskem von 80 Lehrern unterrichtet. Potthoff sieht einen Grund darin, dass die Schule ein adäquates Angebot für alle Schüler biete: „Wir schaffen es, für alle Schüler eine Anschlussmöglichkeit herzustellen - egal ob sie in den Beruf oder auf eine weiterführende Schule gehen.“

Zudem habe sich die GSE durch ihre konzeptionellen Erfolge und ihren Sieg im Wettbewerb „Starke Schule“ einen guten Ruf erarbeitet. Das wichtigste Ziel der Schule: „Wir achten insbesondere auf die Stärken der Schüler, fördern sie entsprechend und nehmen sie in ihren jeweiligen Situationen immer ernst.“

Schule soll die jungen Persönlichkeiten stärken, sagt Potthoff. „Das ist immer wieder eine spannende Schatzsuche nach den Stärken der Schüler - und den Stärken der Kollegen.“ Denn auch die Lehrer sollen laut Potthoff Freiräume haben, ihre eigenen Stärken in den Schulalltag einzubringen. „Wir waren uns von Beginn an einig, dass wir anders arbeiten wollten als andere Schulen in unserem Einzugsbereich.“ Für seine Kollegen wünscht Potthoff sich, dass das staatliche Schulamt ihnen die Freiräume lässt, um im Interesse der Schüler andere Wege zu gehen.

Potthoff ist vor allem die Beziehungsebene wichtig: „Das hat sich in den letzten Jahren sehr intensiv entwickelt.“ Noch vor zehn Jahren kannte er alle beim Namen, kennt heute noch viele Ehemalige. Das schafft er bei den vielen Schülern heute nicht mehr. „Aber ich kann die Gesichter einordnen, wenn ich die Schüler außerhalb der Schule treffe“, sagt Potthoff mit einem Lachen.

Das Unterrichten hat er in den letzten Jahren vermisst

In den vergangenen Jahren habe die Schule sich rasant entwickelt. Anfangs dauerte es laut Potthoff noch länger, seine Ideen umzusetzen. „Ohne die Kollegen mitzunehmen, kann ein Schulleiter keine Schule gestalten“, erklärt er. So musste er anfangs die Schulgemeinde kennenlernen, die Stärken und Schwächen herausfinden - und vor allem immer ein Vorbild sein. Eine Bestätigung findet er, wenn er sieht, „wie aktuelle und ehemalige Schüler soziale Verantwortung übernehmen, sich in ihren Dörfern und Vereinen einbringen. Ich glaube, dass es da auch eine Rolle spielt, dass wir den Schülern hier Verantwortung beibringen.“

Vom Landkreis als Schulträger hätte Potthoff sich gewünscht, dass dieser die positive Entwicklung der GSE gesehen hätte. So mussten viele Schüler sieben Jahre in Containern unterrichtet werden. Als die Bauarbeiten dann losgingen, verabschiedete Potthoff sich vom Unterrichten. Wegen fester Termine konnte er keinen regelmäßigen Unterricht garantieren. Und dies hat er vermisst in den letzten Jahren. „Für mich war es immer eine Möglichkeit, dem Alltag als Schulleiter zu entkommen.“ Weg von Schreibtisch, Telefon, Besprechungen.

Bald ist Potthoff auch vom Schreibtisch weg. „Ich habe immer gerne hier gearbeitet“, betont er. Aber jetzt freue er sich auch, länger schlafen zu können. War er neben der Schule bereits viele Jahre Vorsitzender des TSV Niederweimar und Co-Trainer der Fußballerinnen, so will er im Ruhestand daran festhalten.

„Ich werde außerdem viel mehr Zeit für meine Enkel haben.“ Und für die Betreuung der Asylbewerber, die in Oberweimar untergebracht werden sollen, und für die Potthoff da sein will.

von Patricia Kutsch


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