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Popcorn-Mathe und Badesalz-Deutsch

Lernen in den Ferien Popcorn-Mathe und Badesalz-Deutsch

Eine Software programmieren, Popcorn machen oder Liedtexte komponieren: Nachhilfe in Mathe, Englisch und Deutsch geht auch so, das hat eine Gruppe Achtklässler beim Feriencamp in Wolfshausen gelernt.

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Vormittags lernten die Jugendlichen in der Deutsch-Werkstatt Grammatik,  nachmittags ging es dann mit der Projektarbeit weiter.

Quelle: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung

Wolfshausen. Die Osterferien sind vorbei – und ab Montag beginnt für die hessischen Schüler wieder der Unterricht. 60 Achtklässler aus Haupt- und Realschulen in Offenbach haben auch in den Ferien gepaukt und die zwei Wochen zum Lernen im o.camp genutzt. Freiwillig, um die Noten  zu verbessern. Oder auf Empfehlung von Eltern und Lehrern. Für die meisten Teilnehmer geht es dabei um die Versetzung.

Das Camp liegt in Wolfshausen abgeschieden vom Ort, inmitten der Natur, ohne große Ablenkung – außerdem mit schlechtem Handyempfang und kaum Internetverbindung. Das war für viele der Achtklässler anfangs schon ein Problem. „Nach den ersten Tagen haben sich die Jugendlichen aber daran gewöhnt und waren von der Sinnhaftigkeit überzeugt“, sagte Programmleiter Stefan Apel. „Das können wir auch mit einer Versetzungsquote von über 80 Prozent belegen.“

Mathe kann auch beim Backen helfen

In den zwei Wochen sollten die Schüler aber nicht nur Vokabeln, Formeln und Grammatik lernen, sondern vielmehr, wie sie das Gelernte anwenden können und wo sie es im Alltag brauchen. Dafür hatte das 20-köpfige Team rund um Campleiterin Kirsten Genenger spannende Projekte zusammengestellt, die zum Lösen von Problemen anregten. Dass Mathe zum Beispiel beim Backen und Kochen nützlich ist, war vielen Teilnehmern gar nicht bewusst.

Mit Prozentrechnung hat die Projektgruppe „Snack-Eck“ ein Popcorn-Rezept für zwei Personen ganz einfach auf 60 umgerechnet und die Maiskörner anschließend im Kochtopf für den Kinoabend aufploppen lassen.

Lernen und diskutieren in kleinen Gruppen

Der Tagesablauf im Camp glich natürlich nicht dem Schulalltag: „Es waren schließlich Ferien und das Camp sollte den Jugendlichen Spaß machen, auch wenn das Lernen im Zentrum stand“, sagte Stefan Apel. Vormittags ging es erstmal in die Lernwerkstatt. Dort waren die 60 Jugendlichen in Kleingruppen aufgeteilt, je nach dem Schwerpunkt Mathe, Englisch oder Deutsch. Auf bunten Plakaten und Lernzetteln wurden Regeln und Formeln festgehalten und in den kleinen Gruppen mit maximal zehn Teilnehmern stellten die Schüler Fragen und diskutierten.

„In der Kleingruppe konnte ich im Gegensatz zur Schule auch so lange nachfragen, bis ich es wirklich verstanden habe“, erzählte Letitia. Sie hat die zwei Wochen in der Projektgruppe „World of Mathcraft“ verbracht und dabei ein eigenes Mathe-Lernspiel programmiert. Klingt sehr komplex, war mit Hilfe der Lern- und Programmiersoftware „Scratch“ aber in wenigen Tagen möglich– von der ersten Idee zum fertigen Videospiel.

Eigene Videoclips als Sprachtraining

Nicht ganz so technisch, dafür kreativer ging es bei den anderen Projekten zu, da wurden Parodien und Sketche geschrieben und Clips von Youtube nachgespielt. Alles festgehalten mit der Kamera und von den Schülern moderiert – allerdings auf Englisch.

Um Sprache ging es auch bei dem Projekt „Gönn‘ dir richtig“. Die Jugendlichen haben selbst Badesalz und andere Beauty-Artikel hergestellt, Werbelogos dafür gestaltet und Slogans formuliert. Bei einer anderen Deutsch-Gruppe ging es um die Aussprache – mit Rhythmus und Musik hinterlegt auf den eigens hergestellten Cajóns.

Investieren in Nachhilfe zahlt sich aus

„Die Arbeit in den Projektgruppen soll die Jugendlichen auf den regulären Alltag vorbereiten und ihnen zeigen, wie die gelernten Softskills auch in der Schule anzuwenden sind. Wir hoffen, dass die Teilnehmer nach den Ferien mit einer anderen Haltung in die Schule zurückkehren“, erklärte Jens Volcksdorff, Projektleitung des Feriencamps, das das Hessische Kultusministerium (HKM) initiierte und zum Großteil auch finanzierte.

Die Teilnehmer selbst übernahmen einen Beitrag von 50 Euro dazu. Bei knapp 6.000 Euro, die ein Schuljahr pro Kopf koste, würden sich die Camps auch finanziell rechnen, wenn die Schüler dafür die Versetzung schafften, erklärte Stefan Apel.  

Am Ende des Camps mussten die Jugendlichen keinen Test bestehen, sondern haben die erarbeiteten Projekte in einer Abschlussveranstaltung vorgestellt. Außerdem gab es noch ein Zertifikat: „Das macht sich auch in der Bewerbung gut und wird von zukünftigen Arbeitgebern positiv bewertet“, sagte Volcksdorff. Denn für die 60 Achtklässler steht bald der Haupt- oder Realschulabschluss an.

 
Albin und Szymon (kleines Bild) haben zum Beispiel eine Seillampe aus Kordel, einem Wasserball und ganz viel Kleister gebastelt. Foto: Carolin Acker

von Carolin Acker

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