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Platz für 40 Flüchtlinge in Oberweimar

Netzwerk Asyl Weimar Platz für 40 Flüchtlinge in Oberweimar

Bislang konnte in der Gemeinde Weimar noch nicht viel Wohnraum für Flüchtlinge vermittelt werden. Das könnte sich bald ändern.

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Bürgermeister Peter Eidam und Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow (rechts vorm Fenster sitzend) informierten vor gut 20 Zuhörern im Ratssaal der Gemeinde Weimar unter anderem über die aktuelle Flüchtlingssituation in Gießen und im Landkreis.

Quelle: Manfred Schubert

Niederweimar. Von etwa 40 in Oberweimar und 15 Plätzen in Wolfshausen war bei der Informationsveranstaltung zum „Netzwerk Asyl“ in der Gemeindeverwaltung die Rede. In Gießen halten sich zurzeit 4300 Flüchtlinge in der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung auf. Vom Landkreis müssen dieses Jahr etwa 1500 Menschen zusätzlich untergebracht werden.

So lauteten die Zahlen, die Bürgermeister Peter Eidam und der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow zu Beginn der Informationsveranstaltung zur Gründung eines „Netzwerks Asyl“ in der Gemeinde Weimar den 24 Teilnehmern nannten.

„Wir haben seit Monaten versucht, Wohnraum zu finden. Anfänglich hatten wir Erfolg in Niederwalgern, ansonsten konnten wir relativ wenig vermitteln. Neuerdings gab es mehrere Anfragen aus Oberweimar und Wolfshausen, auch nach Niederweimar wollen wir uns orientieren“, erklärte Eidam.

Parallelen zu den 1990er Jahren

Mit der möglichen Unterbringung von etwa 40 Flüchtlingen in Oberweimar hatte die Gemeinde Weimar bislang nicht direkt zu tun, deshalb konnte der Bürgermeister noch nicht viel Konkretes dazu sagen. Medi-Learn, Anbieter von Prüfungsvorbereitungskursen für Medizinstudenten, besitzt in Oberweimar und Schröck Häuser zur Unterbringung von Studierenden. Am kommenden Freitag sollen Gespräche mit dem Landkreis über eine eventuelle Vermietung als Flüchtlingsunterkünfte stattfinden.

Eine andere Unterbringungsmöglichkeit für etwa 15 Flüchtlinge zeichne sich in Wolfshausen ab. Zudem habe es Gespräche mit den Gemeinden Fronhausen, Ebsdorfergrund und Cölbe darüber gegeben, eventuell an einem Ort gemeinsam eine Unterkunft für Asylsuchende zu bauen.

Um diese Menschen gemeinsam zu empfangen, betreuen und unterstützen, soll ein „Netzwerk Asyl“ gegründet werden, in dem sich Bürger sowie Vereine einbringen können. „Wir haben das Thema in den 1990er Jahren schon einmal gehabt, damals begleitet vom Kontaktkreis Asyl. Das wollen wir wieder aufleben lassen“, erklärte Eidam.

1993 war im Haddamshäuser Weg in Niederweimar ein, später „grünes Schloss“ genanntes Flüchtlingswohnheim aus Containern für 70 Männer eingerichtet und 2000 wieder geschlossen worden.

Niemand beabsichtige, Containerlager zu errichten

Zachow betonte, er sei dankbar, dass man, anders als in anderen Landkreisen, die Unterstützung der Kommunen und der Zivilgesellschaft habe. In fast jedem Dorf habe sich ad hoc ein Netzwerk oder Helferkreis gebildet, vier bis fünf Wochen nach der Ankunft von Flüchtlingen gebe es, bis auf Einzelfälle, keine Probleme und Diskussionen mehr.

Auch wenn es in Weimar wenig Leerstand gebe, freue er sich über die Bereitschaft zur Unterstützung. Niemand beabsichtige, Containerlager wie in den 90er Jahren zu errichten. Damals verbaten die Gesetze ausdrücklich jegliche Integrationsmaßnahmen, was ein Kardinalfehler gewesen sei.

„Heute setzen wir von Anfang an auf Integration statt Isolation. Wir wollen keine Randsiedlungen, sondern die Menschen möglichst mittendrin haben. Das bedeutet auch, dass wir nicht zum Beispiel alle in Marburg unterbringen können. Und wir setzen auf Kooperation statt Konfrontation. Wir wollen es uns nicht einfach machen und die unterzubringenden Zahlen auf die einzelnen Gemeinden herunterrechnen, es soll kein Zwang zur Unterbringung sein“, erläuterte Zachow.

Vereine können bei Integration helfen

Die Unterkünfte sollen möglichst kleine Einheiten sein, man wolle höchstens 100 Personen an einem Ort, am liebsten seien Wohnungen, das sei der Integration zuträglicher, auch wenn dies die Verwaltung erheblich erschwere. Normalität statt Notquartier und Teilhabe am Leben im Dorf oder in der Stadt, weniger für, sondern mehr mit den Flüchtlingen machen. Zum Jahresende seien im Landkreis erstmals so viele Flüchtlinge in Wohnungen (400) wie in Gemeinschaftsunterkünften (383) untergebracht gewesen, 261 in Hotels und Pensionen.

Mitglieder des Internationalen Kontaktkreises Asyl, darunter die Vorsitzende Wiltrud Lambinet-Potthoff, berichteten über die früheren Erfahrungen. Beispielsweise hätten Vereine, insbesondere über Fußball und Tischtennis, aber auch die Kirche eine große Rolle bei der Integration der Flüchtlinge gespielt. „Es ist sehr erfreulich, dass jetzt die Politik auch die Gastgeberrolle betont. Wir haben damals sehr liebe Menschen kennen gelernt, ich will aber nicht behaupten, es habe nie Probleme gegeben“, sagte Lambinet-Potthoff.

80 Prozent der Flüchtlinge sind Männer

Ein Oberweimarer beschrieb die Situation im Dorf: die Nachbarn redeten, man freue sich auch auf die Menschen, die kommen sollen, aber sei unsicher, weil man nicht wisse, wer und wie viele kämen, welcher Religion sie angehören und so weiter.

Zachow antwortete, dass auch der Kreis erst kurzfristig Listen erhalte und dann versuche, eine möglichst gute Mischung zu finden. Zurzeit seien etwa 80 Prozent der Flüchtlinge Männer.

Nach dieser ersten Informationsveranstaltung soll am 7. Mai um 17.30 Uhr im Bürgerhaus in Oberweimar eine Bürgerversammlung für die Gesamtgemeinde stattfinden, gegebenenfalls mit einem Vertreter von Medi-Learn. Dann soll es auch um die konkrete Gründung des „Netzwerks Asyl“ gehen.

von Manfred Schubert

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