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Plaketten für Schwalben-Freunde

Aktion des Nabu Fronhausen Plaketten für Schwalben-Freunde

Erbenhausen und Holzhausen, die beiden kleinsten Ortsteile von Fronhausen, sind bei der Beherbergung von Rauchschwalben mit jeweils 27 belegten Nestern in der Gemeinde ganz vorn.

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Rauchschwalben fühlen sich besonders wohl in Erbenhausen und Holzhausen.

Quelle: Pixelio

Hassenhausen. „Es gibt sehr viele Menschen, die Schwalben mögen“, sagt Stefan Wagner, stellvertretender Vorsitzender der Ortsgruppe Fronhausen des Naturschutzbundes (Nabu) Deutschland.

Wer Schwalben mag, gibt ihnen aber noch lange keine Gelegenheit, als Untermieter in Nestern an der Hauswand einzuziehen. Einzig und allein wegen des zu erwartenden Drecks. „Dabei lässt sich dieser Dreck minimieren, wenn man unter den Nestern ein Brett anbringt“, weiß Björn Behrendt, Vorsitzender der Fronhäuser Nabu-Gruppe. Mehlschwalben haben kaum Alternativen zur klassischen rau verputzten Hauswand. Glücklicherweise gibt es aber auch Menschen, die den Nestbau zulassen, beziehungsweise sogar noch durch die Anbringung von künstlichen Nestern fördern.

„Wir wollten uns bei diesen Menschen für ihr besonderes Engagement für den Tierschutz bedanken und sie auch öffentlich darstellen“, sagt Wagner. Deshalb hat der Nabu Fronhausen finanziell unterstützt von der Sparkasse Marburg-Biedenkopf besondere Plaketten in Auftrag gegeben, die für jeden ersichtlich zeigen, dass er vor einem „Schwalbenfreundlichen Haus“ steht. 1850 Euro stellte die Sparkasse für die Plaketten zur Verfügung. Die Plaketten wiederum, die an den Häusern angebracht werden, an denen Schwalben als Nister willkommen sind, sollen ein Signal für alle Bürger sein, darüber nachzudenken, sich auch für die kleinen Flugkünstler einzusetzen. Die Naturschützer haben 2012 nahezu alle belegten Nester in der Großgemeinde erfasst und dabei nach Mehl- und Rauchschwalben unterschieden. Während die Mehlschwalbe gern in kleine Kolonien unter den Dachvorsprüngen an Hauswänden ein Zuhause baut, zieht es Rauchschwalben direkt in die Tierställe. Und weil es von diesen in den Dörfern immer weniger gibt und moderne Ställe in den Außenbereichen keine geöffneten Fenster mehr zulassen, finden Rauchschwalben immer weniger geeignete Nistorte. Während beispielsweise in Bellnhausen 80 Nistplätze für Mehlschwalben vorhanden sind, gibt es nur 15 für die Rauchschwalbe. In Hassenhausen gibt es sogar 115 Mehlschwalbennester, aber nur 14 für Rauchschwalben.

Die finden ausgerechnet in den kleinsten Orten das größte Nistangebot. In Erbenhausen wie auch in Holzhausen, zwei Orte, die noch sehr landwirtschaftlich geprägt sind, sind es immerhin jeweils 27 Nester. Interessanterweise verirrt sich aber nicht eine Mehlschwalbe nach Holzhausen. Insgesamt haben die Fronhäuser Naturschützer in der Großgemeinde im vergangenen Jahr 501 Mehlschwalbennester und 121 Rauchschwalben-Unterkünfte gezählt. „Rauchschwalben sind eindeutig Modernisierungsverlierer“, sagt Wagner. Er meint damit, dass nach Renovierungen von Stallgebäuden oftmals nicht an die Rauchschwalbe gedacht wird, die sich zum Beispiel gerne auch in Pferdeställen einquartiert. „Dazu muss aber gewährleistet sein, dass die Schwalbe stets eine sichere Einflugsmöglichkeit hat“, so Wagner. Mehlschwalben profitieren hingegen sehr davon, dass viele Menschen, die ihre Nester an ihren Hauswänden dulden, ihnen auch künstliche anbieten, denn selbst die Materialbeschaffung wird für die Schwalben zunehmend schwieriger. Lehm wird aufgrund zunehmender Asphaltierung von Feldwegen zur Mangelware.Zwei ausgesprochene Schwalbenfreunde sind Willi Findt aus Hassenhausen und Ludolf Hoffmann aus Erbenhausen. Sie erhielten für ihr anhaltendes Engagement für Mehl- und Rauchschwalben als erste die Plaketten des Nabu Fronhausen.

von Götz Schaub

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