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„Pflanzkinder“ erobern den Schulwald

Ein Projekt, das wächst „Pflanzkinder“ erobern den Schulwald

Der lange Zeit vergessene Schulwald Ebsdorf hat einen neuen Eigentümer: Der Heimat- und Verschönerungsverein erwarb die Parzelle kürzlich von der Gemeinde. Jetzt kann die Regenbogenschule das Waldgebiet nutzen. 

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Aktuelle und ehemalige „Pflanzkinder“ der Grundschule Ebsdorf-Leidenhofen verbrachten gemeinsam mit zahlreichen Vereinsmitgliedern und Naturfreunden aus der Umgebung einen abenteuerlichen Schulwald-Tag.

Quelle: Ina Tannert

Ebsdorf. Freude herrscht nicht nur auf Seite der Vereinsmitglieder über den Erwerb des Waldstücks, der nun endgültig in trockenen Tüchern ist. Auch die Kinder der Regenbogenschule Ebsdorf-Leidenhofen erfreuen sich an ihrem wiederentdeckten Schulwald.

Seit einigen Jahren begeben sich die Klassen regelmäßig in den Wald, beobachten das Wachstum der Bäume, hängen Fledermauskästen auf oder basteln Gegenstände aus Holz. In ihrem Schulwald können sie auch in Zukunft herumstrolchen – dafür will der Heimat- und Verschönerungsverein (HHV) Ebsdorf sorgen. Bereits in den vergangenen Jahren investierte der HVV als Pate in die Pflege und Aufstockung des Baumbestands.

Freiluft-Klassenzimmer für die Grundschüler

Nachdem die Kommune die auf Gemeindeland liegende Parzelle zum Verkauf stellte, entschlossen sich die Mitglieder, das etwa 3300 Quadratmeter große Gelände zu übernehmen, um den Schulwald vor dem Verkauf und Verfall zu bewahren. Das Waldstück konnte der Verein nach Zustimmung der Gemeinde zu einem symbolischen Preis von einem Euro erwerben. „Wir freuen uns sehr, dass alles geklappt hat, das ist eine sehr schöne Entwicklung“, sagte Vereinsvorsitzender Wolfgang Richardt.

Zur Feier des geglückten Unternehmens veranstaltete der Verein Ende März gemeinsam mit Vertretern der Gemeinde, zahlreichen Grundschülern, großen und kleinen Naturfreunden aus der Umgebung einen Tag des Schulwaldes. Mit von der Partie waren auch mehrere ehemalige Schüler der Grundschule, die das grüne Freiluft-Klassenzimmer bereits vor 50 Jahren als „Pflanzkinder und Gießkinder“ entdeckten.

Projekt entstand bereits in den 1960er-Jahren

Die Idee eines Schulwaldes als außerschulischer Lernort ist bereits Jahrzehnte alt, in Ebsdorf wurde das Projekt für die Kinder der heutigen Regenbogenschule in den 1960er-Jahren umgesetzt. Damals bepflanzte Lehrer Heinrich Lölkes gemeinsam mit seinen Schülern das kleine Waldstück und pflegte es jahrelang. Mit der Zeit wurde das Land zunehmend weniger genutzt und sich selber überlassen. Die Natur übernahm wieder die Oberhand. „Die Pflanzung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten prächtig entwickelt, war aber ein wenig in Vergessenheit geraten und verlottert“, erklärte der Vorsitzende.

Nachdem der Verein im Rahmen seiner Forschungsprojekte zur Geschichte des Ortes auf die Existenz eines Schulwaldes stieß, wurde das Gelände im Jahr 2011 wiederentdeckt, der Verein beteiligte sich an der Pflege des Waldstücks. Erstmals nach vielen Jahrzehnten konnte der Bereich wieder als naturnaher Lernort genutzt werden, zur Freude der Grundschüler, die tatkräftig bei den Aufräumarbeiten mithalfen, das Gelände von Unrat befreiten und ihr neues grünes Klassenzimmer auf Vordermann brachten.

Natürlicher Abenteuerspielplatz

Mit dem Erwerb des Waldstücks möchte der Verein die Zukunft des Schulwaldes sicherstellen und die Parzelle als „natürlichen Abenteuerspielplatz“ wiederbeleben und erhalten. Großes Lob vom Vereinsvorstand gab es für die Beteiligung der Grundschule, die fest plant, den Lernort auch in Zukunft regelmäßig zu nutzen. „Der Schulwald kommt toll an, die Kinder gehen sehr gerne in ihren Wald“, freute sich die neue Schulleiterin Bente Weber. Neben dem Angebot des Jugendwaldheims Roßberg für Schulen der Umgebung biete der nahe Wald, den die Kinder bequem zu Fuß erreichen können, ganz neue Möglichkeiten, in der freien Natur zu lernen.

In Kooperation mit der Grundschule und dem Forstamt pflanzte der Verein bereits in den vergangenen Jahren mehrere Bäume. Auch während der Einweihungsfeier wurde der Baumbestand mit einer Winterlinde, der Baum des Jahres 2016, ergänzt. Auch wenn sich das Waldstück nun im Besitz des Vereins befindet – „eigentlich ist es der Wald der Kinder, sie können dort manches lernen, viel erleben und noch viel mehr entdecken“, lautete das zufriedene Fazit des Vereinschefs.

von Ina Tannert

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