Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Perfekt? - Nein, aber doch sehr gut!

Gesamtschule Ebsdorfer Grund Perfekt? - Nein, aber doch sehr gut!

Es ist sprichwörtlich schon eine ganz starke Leistung, als stärkste Schule Hessens ausgezeichnet zu werden. Viertstärkste Schule Deutschlands zu sein, verdient hingegen noch einmal gesonderten Respekt.

Voriger Artikel
Wehrnachwuchs macht Dreck am Bushäuschen weg
Nächster Artikel
BfF bleibt dem Hauptausschuss fern

Schulleiter Lothar Potthoff (von links), Schulsprecherin Kristina Maurer und Hauptschulzweigleiter Bosse Kettner haben schlüssige Erklärungen für den tollen vierten Platz der GSE beim Bundeswettbewerb „Starke Schule“.

Quelle: Götz Schaub

Heskem. Die Gesamtschule Ebsdorfer Grund hat es mit ihrer Teilnahme am größten schulischen Wettbewerb Deutschlands geschafft, die unabhängige Jury nicht nur von ihrem Schulprogramm zu überzeugen, sondern sie regelrecht schwärmen zu lassen. Heraus sprang am 21. April in Berlin ein toller vierter Platz (die OP berichtete).

Die unabhängige Bundesjury, die sich aus Experten aus Bildung, Wirtschaft und Wissenschaft zusammensetzte, entschied nicht einfach so nach der Lektüre der Bewerbungsunterlagen der Schulen. Die für den Bundeswettbewerb qualifizierten Schulen wurden auch persönlich in Augenschein genommen. „Überzeugt haben die Schulen, an denen Kinder und Jugendliche nicht nur gut lernen, sondern auch gerne einen Teil ihres Lebens verbringen“, führt Dr. Antje Becker, Geschäftsführerin der Hertie-Stiftung und Mitglied der Bundesjury aus.

"Es greift alles ineinander"

Klingt schlicht, aber ein jeder Lehrer und Schüler weiß, was man an Einsatz und Willen mitbringen muss, damit dieses Ziel erreicht wird. Gut, damit allein wird man aber noch nicht viertstärkste Schule Deutschlands.

Den wahren Kern des Geheimnisses des Erfolges der Schule hat die Jury dann tatsächlich in zwei Sätze zusammengefasst: „Die Gesamtschule verzettelt sich nicht, analysiert genau und überlegt anschließend im kollegialen Austausch die Weiterentwicklungen. Die Schulgemeinde ist kompetent und zugleich bescheiden und entwickelt passgenaue Konzepte für ihre Schülerinnen und Schüler.“ Und ja, die Macher der Schule nehmen sich in der Tat nicht so wichtig. Sie verweisen lieber auf das Kollektiv, das einfach funktioniert, weil jeder daraus seinen Anteil zum Gelingen beiträgt. Lothar Potthoff, verfügt als langjähriger Schulleiter natürlich auch über eine große Erfahrung und Gelassenheit. Er sagt: „Wir führen unsere Erfahrungen zusammen, arbeiten im Team und verfügen über ein Kollegium, das bereit ist, etwas aufzunehmen, aber auch selbst erkennt, was es zu tun hat, um den Schülern das nötige Rüstzeug zu geben.“ Und dann ergänzt er: „Entscheidend ist, dass wir unsere Methoden und Angebote richtig miteinander verzahnen, so dass wirklich alles ineinandergreift.“

Damit sind Themenfelder wie soziales Lernen, die ganztags arbeitende Schule und die umfassende Vorbereitung auf die Anschlusseinrichtung gemeint. Besonders wichtig ist da der funktionierende Schulverbund mit dem Gymnasium Philippinum in Marburg und der rege Austausch und Kontakt mit Gewerbetreibenden beziehungsweise Ausbildungsplatzanbietern in der Region. Hauptschulzweigleiter Bosse Kettner ist zugleich Koordinator für Berufs- und Studienorientierung. Ihm ist es wichtig, dass potentielle Ausbilder ihre neuen Schützlinge kennenlernen können und dass Schüler durch zielführende Praktika konkrete Einblicke in die Berufswelt bekommen.

Die Doppeldeutigkeit von „GSE“ gehört zum Erfolg

„Dazu haben wir vor drei Jahren auch die Ausbildungsmesse im eigenen Haus ins Leben gerufen.Im letzten Jahr hatten wir 38 Aussteller vor Ort. Das zeigt, dass eine solche Veranstaltung beiden Seiten nutzt“, sagt Kettner. Nicht selten kommt es nach einem Praktikum auch zu einem Ausbildungsvertrag. „Eine tolle Sache“, findet Kettner.

Und dann wäre da noch das „GSE-Band“. Dabei geht es um das fachübergreifende Erlernen von Kompetenzen ganz ohne Leistungs- und Notendruck. GSE steht in diesem Zusammenhang nicht wirklich für Gesamtschule Ebsdorfer Grund, sondern für „Gesundheit, Spiel/Sport und Entspannung“. In wechselnden Kursen können sich Schüler im Theaterspielen ausprobieren, sich sportlich betätigen, aber auch Nähen, Kochen, Backen und Töpfern. „Niemand muss hier Angst haben, etwas machen zu müssen, was er nicht will“, sagt Schulsprecherin Kristina Maurer. „Beim darstellenden Spiel werden auch für die Schüler wichtige Situationen geübt, etwa ein Vorstellungsgespräch“, sagt Potthoff.

Klar sei man jetzt schon sehr stolz auf das gemeinsam Erreichte, meint der Schulleiter. Er will aber nichts von Perfektion wissen. „Perfekt ist nichts und niemand, wir arbeiten aber daran, im Sinne unserer Schüler sehr gut zu sein.“ Deshalb reist auch eine Delegation zum Sieger des Wettbewerbs ins Saarland, um sich dort neue Impulse zu holen, die man dann möglicherweise auch in das eigene Konzept einbauen wird. Die Schule ist aber auch oft selbst Gastgeber von anderen Schulen, die von der GSE lernen möchten. Auch ein schönes Gefühl.

"Ichwerde die Schule vermissen"

PS: Das Miteinander an der Schule ist keine Floskel, wer allein den sehr vertrauten, ja schon fast freundschaftlichen Umgang zwischen Schulleiter und Schulsprecherin beobachtet, darf sich sicher sein, dass die Schüler tatsächlich gerne ihre Zeit in dieser Schule verbringen. „Ich werde diese Schule sicher vermissen“, sagt denn auch Kristina Maurer.

Sie steht auch noch ganz unter dem Eindruck des Berlin-Besuchs. „Wir wussten da ja schon, dass wir es unter die besten zehn geschafft hatten. Dass es dann Platz vier wurde, war Gänsehaut pur“, verrät sie. Ein schöneres Kompliment kann ein Schüler seiner Schule wohl kaum machen, oder?

Mehr über den Aufbau und das Programm der Schule gibt es online.

von Götz Schaub

Hintergrund
Wettbewerb „Starke Schule“: Die gemeinnützige Hertie-Stiftung versteht sich als eine der größten weltanschaulich unabhängigen und unternehmerisch ungebundenen Stiftungen in Deutschland. Sie engagiert sich seit 1999 für Schulen mit Hauptschulabschluss und führt das Programm „Starke Schule“ federführend durch. Sie möchte Schulleitungen und Lehrkräfte darin bestärken, sich den aktuellen Herausforderungen wie Inklusion, Ganztag oder selbstständige Schule zu stellen und ihre pädagogische Arbeit so zu gestalten, dass alle Schülerinnen und Schüler zu ausbildungsreifen Persönlichkeiten werden. Beteiligt am Projekt sind zudem die Bundesagentur für Arbeit, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, die Deutsche Bank Stiftung und noch einige andere Unterstützer. Die jeweiligen Kultusministerien unterstützen den Wettbewerb auf Landesebene. 649 Schulen aus ganz Deutschland hatten sich um den Titel beworben.
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr