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Party-Tour endet mit Horrorszenario

Großübung in Oberwalgern Party-Tour endet mit Horrorszenario

Viele Menschen wurden am Samstagabend in der Gemeinde Fronhausen von Sirenengeheul und Blaulicht aufgeschreckt. Der Großeinsatz von Feuerwehr und DRK war eine Übung, die es aber für die Rettungskräfte in sich hatte.

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Bei der Alarmübung der Feuerwehr Oberwalgern wurden die Einsatzkräfte zu einem Unfall mit vielen Verletzten an der K 48 zwischen Holzhausen und Oberwalgern gerufen. Unter anderem ging es dabei um schnelle Entscheidungen zur Rettung von Menschen.

Quelle: Ina Tannert

Oberwalgern. Der Tag ist fast vorbei, die letzten Sonnenstrahlen beleuchten die Baumwipfel am Waldrand entlang der Kreisstraße 48. Es wird dunkel, es riecht nach altem Laub und Erde. Nur schemenhaft ist ein leerer Traktor auf einem Feldweg zu erkennen. Der Anhänger dahinter liegt verkehrt herum auf der Straße. Kreuz und quer verteilt auf dem grauen Asphalt liegen Menschen am Boden. Lautes Gewimmer ist zu hören, Schreie gellen durch die Dunkelheit.

Es ist 19.04 Uhr. Sirenen heulen aus Richtung Holzhausen, dann aus Oberwalgern. Minuten später sind Martinshörner zu hören. Am Horizont flackert Blaulicht auf. Eine Schlange blau blinkender Einsatzwagen nähert sich. Es ist 19.09 Uhr. Rettungswagen des DRK treffen am Waldrand ein. Menschen in orange-blauen Jacken steigen aus, Leuchtstreifen funkeln im dämmrigen Licht der Fahrzeuge. Die Flutlichtanlage auf einem Feuerwehrwagen flammt auf, taucht die Szenerie abrupt in grelles Licht.

Viele Menschen wurden am Samstagabend in der Gemeinde Fronhausen von Sirenengeheul und Blaulicht aufgeschreckt. Der Großeinsatz von Feuerwehr und DRK war eine Übung, die es aber für die Rettungskräfte in sich hatte.

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Laut rufen Menschen auf dem Boden um Hilfe, winken den Ankommenden zu. Dutzende Kräfte in Einsatzkleidung füllen die Straße, knien nieder, sprechen die Unfallopfer an. Helfer in weiß und orange kommen hinzu, öffnen rote Taschen, packen medizinisches Material aus. „Hallo, hören sie mich?“, fragt ein Mann mit lauter Stimme einen Jugendlichen am Boden. „Was ist passiert?“ Eine Vereinsgesellschaft war mit Traktor und Schlepper unterwegs, wollte feiern, eine Partytour machen. Beim Abbiegen auf die Straße passierte ein Unglück, der Anhänger, mitsamt Passagieren, überschlug sich. Viele sind schwer verletzt. Sie waren 13 Leute, elf befinden sich am Unfallort. Zwei werden vermisst. Eine Durchsage schallt kratzend aus dem Funk: Im Gerätehaus in Oberwalgern wurde eine Unterkunft für die Patienten eingerichtet. Eine Gruppe Feuerwehrleute karrt einen Stapel gelbe Plastiktragen auf die Straße. Vorsichtig werden die schreienden Unfallopfer umgebettet.

Es wird spürbar kälter, Wind kommt auf.

Ein Person ist unter dem Anhänger eingeklemmt

Ein Helfer zieht seine Jacke aus, deckt einen leicht bekleideten Verletzten zu. Eine Frau irrt auf der Straße umher, hält sich den Arm. „Hilfe, ich brauche Hilfe, wo ist mein Mann?“, fragt sie.

Ein Retter läuft eilig vorbei. Ein weiterer Funkspruch: „Eine Person ist unter dem Anhänger eingeklemmt.“ Einsatzleiter Eric Schnabel handelt, ruft eine kleine Truppe zusammen. Jetzt geht es um Minuten. Mit Holzklötzen bocken die Einsatzkräfte den schweren Anhänger auf. Langsam hebt sich der Unglücksschlepper. Der Schrei einer Frau ist zu hören. Ein blutiges Bein wird sichtbar, langsam tastet eine Hand über das platt gedrückte Gras. Ein Retter umschließt sie. „Wir holen sie da heraus“, sagt er. Langsam ziehen die Einsatzkräfte die Frau über das Gras am Straßenrand, eine Decke wird ausgebreitet. Ein Mann in weißer Weste nimmt ein Stethoskop zur Hand, drückt es der Verletzten auf die Brust. „Ein Thoraxtrauma, Prellmarken erkennbar“, gibt er an die Kollegen weiter. Medizinische Gerätschaften und blutdurchtränkte Verbände liegen im Gras am Straßenrand.

Vier Feuerwehrkräfte tragen eine Frau mit bunten Haaren vorbei. Sie legen sie auf eine fahrbare Trage, ein Helfer hält einen Infusionsbeutel. Es ist 19.45 Uhr. Der erste Patient wird in einen der sieben Rettungswagen gelegt. Die enge Straße ist voller Menschen. Rund 90 Einsatzkräfte vom Deutschen Roten Kreuz und der Feuerwehren der Großgemeinde Fronhausen sind vor Ort. Vertreter vom Führungsdienst des Landkreises beobachten den Einsatzablauf.

Erstes Resümee: "Wir sind zufrieden"

Am Straßenrand sitzen zwei Jungen auf dem Boden, eingewickelt in goldene Rettungsfolien. Sie starren wortlos in die Dunkelheit. „Der Betreuungszug kommt gleich“, hört man einen Helfer sagen.

Gebell schallt aus dem nahen Wald. Die Rettungshundestaffel des DRK sucht die beiden Vermissten. Es ist 20.20 Uhr. Noch zwei Patienten liegen am Boden, einer mit Verdacht auf Querschnittslähmung. Der Wind rauscht über das nahe Feld, einige Regentropfen fallen. Der letzte Patient wird an einem brummenden Einsatzwagen vorbei getragen.

Um 20.30 Uhr löst die Einsatzleitung die Übung auf. „Es ist ganz gut gelaufen, wir sind zufrieden“, lautet das erste Resümee von Eric Schnabel, Gemeindebrandinspektor Fronhausen. Und die letzten Fake-Unfallopfer? Die sitzen mittlerweile im Einsatzwagen, immer noch mit Schminke und Kunstblut verschmiert, etwas durchgefroren nach der langen Liegezeit, aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Die filmreife Übung der Feuerwehr Oberwalgern war ein voller Erfolg. „Die Zusammenarbeit hat super funktioniert, es ist nichts schief gelaufen, das Einsatzziel wurde erreicht“, konnte Koordinator und stellvertretender Wehrführer Florian Will zufrieden berichten.

von Ina Tannert

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