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Ortsvorsteher bietet seinen Rücktritt an

Konflikt in Niederwalgern Ortsvorsteher bietet seinen Rücktritt an

„Aufgabe des Ortsvorsteheramtes zum Jahresende“ stand auf der Einladung zur vorletzten Sitzung des Ortsbeirates in Niederwalgern, die bereits am 25. Juni stattfand. Ob es dazu kommen wird, wird die nächste Zeit zeigen.

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Niederwalgerns Ortsvorsteher Hans Heinrich Heuser (Mitte) und weitere Mitglieder des Ortsbeirats während der jüngsten Sitzung.

Quelle: Manfred Schubert

Niederwalgern. Noch ist es nicht so weit, doch der engagierte Ortsvorsteher Hans Heinrich Heuser sieht sich und seine Familie, auch gesundheitlich, durch das Handeln des Pfarrers und von Kirchenvorstandsmitgliedern geschädigt.

Seit 2008 hat sich ein Konflikt zwischen Ortsvorsteher Hans Heinrich Heuser und Pfarrer Martin Drusel so weit hochgeschaukelt, dass es zur Spaltung eines Teils der Dorfbevölkerung mit Auswirkungen gekommen ist, die Heuser mittlerweile auch gesundheitlich zu schaffen machen. Details wollte Heuser zwar nicht öffentlich machen, auch die Ortsbeiratsmitglieder zeigten sich zum Teil ratlos, um was es eigentlich genau bei den Auseinandersetzungen geht, doch die Harmonie in der Dorfgemeinschaft scheint bedroht oder ist schon dahin.

Kirche geht nicht auf ihn ein

Dass es keineswegs nur um Hörensagen oder bisher verdeckt gebliebene Dinge geht, verdeutlichte der umfangreiche Schriftverkehr, den Heuser seit Jahren auch mit dem Dekanat des Kirchenkreises sowie der Leitung der Landeskirche führt. Sie belegen, dass Heuser sich mehr als einmal mit übergeordneten Stellen um Klärung des Sachverhalts bemüht hat. Vergeblich, wie er sagt. Und deshalb geht er jetzt, wenn auch noch sehr zurückhaltend, den Schritt in die Öffentlichkeit.

Auf der Tagesordnung war als Punkt 4 „Information über das Gespräch bei Frau Natt“ angekündigt. Am 27. Mai hatte Heuser in Kassel mit Marita Natt, der Prälatin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, und Pfarrer Drusel ein eineinhalbstündiges Gespräch geführt. Natt ist die theologische Stellvertreterin des Bischofs und unter anderem für die Personalia der Pfarrer zuständig.

„Vor der Sitzung erhielt ich einen Anruf von Oberlandeskirchenrat Dr. Rainer Obrock, der mich bat, diesen Punkt von der Tagesordnung zu nehmen“, berichtete Heuser am 25. Juni. Dr. Obrock ist als Dezernent zuständig für Dienst- und Besoldungsrecht sowie Organisationsrecht kirchlicher Körperschaften. Dieser Bitte entsprach Heuser, auch, um zu zeigen, dass er willens ist, zu einer gütlichen Einigung zu gelangen. Über den Inhalt des Gespräches, so Heuser, hatte er aber bereits zuvor Dekan Burkhard zur Nieden schriftlich informiert.

Der erst einmal ganz normal klingende Tagesordnungspunkt 5 „Veranstaltungskalender 2013“ erwies sich ebenfalls als ein Zeichen für die Unstimmigkeiten. „Der Verein zu Förderung Niederwalgerns hatte für den 25. August schon den Ernte- und Feldtag bekannt gegeben, jetzt haben wir wieder eine kirchliche Veranstaltung am gleichen Tag. Mit dem evangelischen Gemeindefest haben wir dann erneut das Dilemma: zeitgleich zwei große Veranstaltungen in Niederwalgern“, ärgerte sich Heuser.

Zustand geht weit über Reibereien hinaus

Dann kam Punkt 6 „Aufgabe des Ortsvorsteheramtes zum Jahresende“. „Es braucht lange und viel dafür, bis man das auf die Tagesordnung setzt“, begann Heuser. Dieses Amt habe er gerne ausgeübt, besonders das soziale Engagement und das Ortsbild hätten ihm am Herzen gelegen. Dass es mal Reibereien gebe, sei normal. Nun sei aber ein Punkt erreicht, dass er sagen müsse, der Amtsinhaber sei so geschädigt, dass es zu gesundheitlichen Problemen komme und auch die Familie betreffe. „Keinem ist verborgen geblieben, dass es zwischen Kirchengemeinde und Ortsvorsteher Spannungen gibt. Ich habe versucht, diese zu beseitigen, sie durch Gespräche zu lösen und Aufklärung zu betreiben“, sagte Heuser.

Dann verlas er seinen Brief vom 10. Februar an Prälatin Natt, in dem er beklagte, dass frühere Briefe von ihm an andere übergeordnete kirchliche Stellen schlicht unbeantwortet blieben. Kirchenvorstände würden getäuscht, gegen ihn und seine Familie aufgehetzt. Seit mehr als 40 Jahren sei er für den Ort tätig, mit vier Pfarrern habe er gut zusammengearbeitet.

Er habe Herrn Drusel gegenüber nie ein Wort gesagt, dass zu irgendeiner Beanstandung hätte führen können. „Sollten meine Anschuldigungen juristisch widerlegt werden, stelle ich mein Amt zur Verfügung“, schrieb er. Und kommentierte, dieses Angebot sei für die Kirche so etwas wie ein Elfmeter ohne Torwart. Er wolle niemanden aus dem Amt treiben, aber die Rehabilitierung des Ortsvorstehers und seiner Familie sei unabdingbar.

Wenn "jeden Tag einer mehr an dir vorbei geht und nicht ,guten Tag‘ sagt"

Nachdem er mit einem hörbar dicken Kloß im Hals und sich rötenden Augen gelesen hatte, erklärte Heuser: „Es ist schwierig für einen Ortsvorsteher, weiterzumachen, wenn jeden Tag einer mehr an dir vorbei geht und nicht ,guten Tag‘ sagt. Es muss ein sichtbares Signal geben, das Jeder hört. Die Menschen, die mit mir zusammenarbeiten, wissen gar nicht, woran sie sind. Irgendwas muss passieren.“

Aufklärung und gegebenenfalls Konsequenzen sind es, die Heuser erwartet, der bekanntermaßen mit sehr viel Engagement und persönlichem tatkräftigem Einsatz vieles für den Ort tat und auch viele Mitbürger, ein Beispiel sind die Niederwalgerner „Heinzelmännchen“, zum Mitarbeiten während Tausender ehrenamtlicher Arbeitsstunden motivieren konnte. „Das muss aus der Welt, die Kirche muss auch mal Rückgrat zeigen, wenn Fehler gemacht wurden“, findet er.

Oberlandeskirchenrat Dr. Rainer Obrock lud Heuser nach der Ortsbeiratssitzung zu einem weiteren Gespräch, das am 8. Juli stattfand. Während Heuser dem Wunsch, das Gespräch zwischen Prälatin Natt und Pfarrer Drusel vertraulich zu behandeln, nachgekommen war, seien andererseits in der Zwischenzeit 18 Kirchenvorstandsmitglieder darüber informiert worden.

„Das hat mich maßlos geärgert, auch Dr. Obrock zeigte sich erstaunt darüber“, berichtete Heuser während der jüngsten Ortsbeiratssitzung, die am 23. Juli stattfand. In dem einstündigen Gespräch mit Dr. Obrock, zu dem Heuser einen Rechtsanwalt als „neutralen Beobachter“ mitgenommen hatte, weil er gerne jemanden an seiner Seite haben wollte, verblieb man schließlich so, dass Heuser die ganze Vorgeschichte schriftlich fixieren solle. Danach solle Pfarrer Drusel eine „angemessene Zeit zur Stellungnahme“eingeräumt werden.

„Das ist alles sehr Kräfte zehrend. Ich versuche nun, alles zu Papier zu bringen. Die Ausgangslage ist weniger interessant, was sich darauf entwickelt hat, ist das Schlimme“, sagte Heuser. Es erscheine ihm als Hinhaltetaktik, in den vergangen fünf Jahren habe er schon zwei Jahre nur mit Warten auf Reaktionen verbracht. „Ich bin seit zehn Jahren Ortsvorsteher, will wirklich etwas für das Dorf bewegen, und dann läuft man wegen Null und Nichts am Ende seiner Karriere so auf Grund“, beschrieb er seine Lage.

Kein Verständnis für Terminüberschneidung

Zur Terminüberschneidung „Ernte- und Feldtag“ und evangelischem Gemeindefest verlas Heuser einen zwischenzeitlich eingegangenen Brief von Neubürgern, die sich darüber beklagten. Er verdeutlichte nochmals, dass die Gemeinde Weimar vom Ortsvorsteher die Abgabe der Vereinstermine jeweils zum 30. November des Vorjahres erwarte. Das habe er getan, vorher auf Überschneidungen kontrolliert, es habe keine gegeben. Die Einladung zur innerörtlichen Terminabsprache, die am 14. November stattfand, habe seine Frau dem Pfarrer gegeben, dieser habe als Vorsitzender aber den Kirchenvorstand nicht darüber informiert. Die Kirche selbst habe festgelegt, mit dem Ortsvorsteher nur noch schriftlich zu verkehren.

Vonseiten der Ortsbeiratsmitglieder wurde überlegt, wie man mit der Sache umgehen soll. Ein große Gesprächsrunde mit Ortsbeirat und Kirchenvorstand wurde vorgeschlagen oder die Beantragung einer Kirchengemeindenversammlung. Ein Beschluss wurde jedoch noch nicht gefasst.

von Manfred Schubert

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