Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Ordensträger fordert Menschlichkeit

Dienst am Allernächsten Ordensträger fordert Menschlichkeit

Alfred Peilstöcker erhielt gestern im Landratsamt den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland in der Ordensstufe „Verdienstmedaille“.

Voriger Artikel
„Willi“ und „Crissy“ sind Vize-Weltmeister
Nächster Artikel
Irritation über zweiten Verein

Landrat Robert Fischbach (von links), Elli und Alfred Peilstöcker sowie Finanzminister Dr. Thomas Schäfer bei der Ordensverleihung im Landratsamt.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Landrat Robert Fischbach betonte bei Begrüßung der 17 Gäste, die der Überreichung des Ordens im Landratsamt beiwohnten, dass Peilstöcker etwas aus dem Rahmen falle.

Zwar habe sich der 66-Jährige Calderner auch unter anderem als Kommunalpolitiker in Lahntal für die Gemeinschaft engagiert, aber der wichtigste Teil der Leistung, für die er ausgezeichnet werde, sei, dass er seit 38 Jahren seine schwerstbehinderte Frau Elli pflege.

„Trotz mittlerweile eigener körperlicher Behinderung von 60 Prozent machen sie das weiterhin. In erster Linie sehen sie sich selbst und nicht die Gesellschaft in Verantwortung. Es freut mich ganz besonders, dass wir sie heute auszeichnen dürfen“, unterstrich Fischbach.

Finanzminister Dr. Thomas Schäfer sagte, dass häufig ehrenamtliches Engagement für andere gewürdigt werde. Eine Auszeichnung für „Dienst am Allernächsten“ sei beim Bundesverdienstorden seltener.

Die Multiple Sklerose nehme bei jedem Betroffenen einen anderen Verlauf, das habe er bei der eigenen Mutter sehen müssen. Besonders deprimierend sei, dass jeder Schritt zu weiterer Verschlechterung führe.

Bürgermeister Manfred Apell sagte, in 20 Jahren habe er viele Verleihungen erlebt, aber „ihre außergewöhnliche Lebensleistung ist nicht dabei gewesen.“ Er wünschte Peilstöcker die Kraft, die Pflege fortzusetzen.

Alfred Peilstöcker berichtete in seiner Dankrede, dass er und seine Frau zuerst sehr überrascht und gerührt gewesen seien, als sie im August von Ministerpräsident Volker Bouffier die Mitteilung zur Verleihung kam.

Erst langsam hätten sie begriffen, was das bedeute, „hocherfreut und überglücklich“. Es verdiene Lob und Anerkennung, dass die Politik Behinderten und Pflegenden diese Aufmerksamkeit zukommen lasse.

Allerdings finde im Alltag die Pflegeleistung an Schwerstkranken durch Krankenkasse, Institutionen und Verwaltungen nicht ausreichend Anerkennung.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren mussten er und seine Frau Widersprüche einreichen und Klage erheben, umeinen neuen Rollstuhl zu erhalten. „Ein zermürbender, unwürdiger Vorgang, und selbst nach dem Urteil des Sozialgerichts vor über zwei Monaten haben wir ihn bis heute nicht erhalten“, berichtete Peilstöcker.

„Dies ist nur ein Beispiel, wie notwendig es ist, diesen Bereich nicht ausschließlich aus betriebswirtschaftlicher, sondern wieder aus menschlicher, solidarischer Sicht zu sehen. Helfen sie bitte mit“, wandte sich Peilstöcker an die Politiker.

Die zeigten sich entrüstet, Fischbach erklärte, die Krankenkasse anrufen zu wollen, Schäfer, falls dies nicht helfe, ebenfalls, „in zweiter Instanz“.

Bernd Gökeler, Vorsitzender der MS-Selbsthilfegruppe im Landkreis, bestätigte häufige Probleme im Alltag und mit allen Krankenkassen.

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Südkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr