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Nur eine Rote Karte in 34 Jahren

OP-Jubiläumsserie: Das wär' mal Einer Nur eine Rote Karte in 34 Jahren

Walter Grün steht seit mehr als 50 Jahren jede Woche auf den Fußballplätzen der Region – zunächst kickte er selbst, seit 35 Jahren hat er jedoch die Pfeife in der Hand.

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Walter Grün hat mehrmals in der Woche sein Sportprogramm: Er pfeift regelmäßig Fußballspiele von Jugendlichen und Senioren der unteren Klassen.

Quelle: Patricia Grähling

Ebsdorf. Immer auf Ballhöhe bleiben – den Grundsatz für Schiedsrichter erfüllt Walter Grün nicht mehr während eines ganzen Fußballspiels. „Ich kann nicht mehr laufen wie ein 20-Jähriger. Das mache ich aber durch Erfahrung wett“, ist er überzeugt. Der 69-Jährige pfeift seit 35 Jahren Spiele von Seniorenmannschaften und von Jugendlichen. So war er jetzt auch wieder beim Turnier des JFV Ebsdorfergrund das ganze Wochenende auf den Beinen und passte auf, dass die Jugendlichen fair spielten. Und wenn es mal brenzlig wurde, war er doch recht schnell wieder auf Ballhöhe, um den jungen Kickern genau auf die Füße zu schauen.

Grün erklärt, dass er altersbedingt nur noch Spiele von Jugendlichen pfeift – und von den Senioren in den unteren Spielklassen. „Früher habe ich in der Bezirksoberliga gepfiffen“, erklärt der Ebsdorfer. Aber auch wenn er älter wird: Unterwegs ist Grün dennoch mehrmals in der Woche. Dabei pfeift er nicht nur im Marburger Fußballkreis, sondern auch in den Nachbarligen in Gießen und im Vogelsberg. „Beispielsweise für Derbys holt man sich einen Austausch-Schiri aus dem Nachbarkreis. Die sind dann neutral“, erklärt Grün die Praxis.

„Ohne Computer kann man heute kein Schiedsrichter mehr sein.“

Der 69-Jährige ist seit 35 Jahren für den TSV Ebsdorf als Schiedsrichter aktiv. Doch auch davor schon hielt er dem Verein die Treue: „Vor mehr als 50 Jahren habe ich angefangen, beim TSV Fußball zu spielen“, erinnert er sich zurück. In den 90er-Jahren war er dann nicht nur Gründungsmitglied der SG Ebsdorf/Leidenhofen – einem Vorläufer der heutigen SG Ebsdorfergrund. Er war bei der ersten Spielgemeinschaft auch im Vorstand aktiv, übernahm die Mannschaft als Spielertrainer und brachte sich in die Jugendarbeit ein. Ausgezeichnet wurde er dafür schon mit der goldenen Vereinsnadel. Grün bekam aber auch den Ehrenbrief des Hessischen Fußballverbands und eine Urkunde der Aktion Ehrenamt des DFB für „vorbildliche ehrenamtliche Leistungen“.

Nach seiner Zeit bei den Senioren der Spielgemeinschaft kickte Grün dann noch einige Zeit bei den Alten Herren mit – begann aber parallel die Ausbildung zum Referee. „Ich wollte fit bleiben und beim Fußball weiter mitmischen“, erklärt Grün seine Ambitionen. Beides sei ihm gut gelungen. „Deshalb werde ich Schiedsrichter bleiben, solange mein Körper mitspielt.“

Schon heute sei der 69-Jährige einer der ältesten Schiris im Kreis. Dabei muss er regelmäßig Neuerungen mitmachen: „Ohne Computer und Internet kann man heute kein Schiedsrichter mehr sein“, erklärt Grün. Denn: Spielansetzungen und Informationen kommen ausschließlich per E-Mail. Anrufe bekommt er eigentlich nur noch, wenn spontan am selben Tag ein Schiri-Kollege ausfällt und Grün einspringen soll. Der Rest erfolgt elektronisch. So kamen per E-Mail Regeländerungen, die für die neue Saison ab 1. Juli gelten. „Die Änderungen werden aber auch auf der Pflichtversammlung der Schiris besprochen“, erklärt Grün, der sich schon mal darauf vorbereitet, dass der Anstoß – wie bei der EM derzeit – künftig nicht mehr nur nach vorne ausgeführt werden darf, sondern auch nach hinten.

Farbe von Leggings und Unterhemden ab sofort geregelt

Neu sei aber auch, dass die Eckfahnen auf dem Spielfeld nicht mehr neutral sein müssten. Die dürfen jetzt in allen Klassen die Vereinsfarben und das Vereinslogo haben. Mehr Ordnung solle hingegen bei den Spielern gelten: „Wer Leggings anziehen will, muss welche in der Farbe der Hose tragen“, erklärt Grün. „Und Unterhemden müssen in der Hauptfarbe der Ärmel gehalten sein. Damit soll es ein einheitlicheres Bild in der Mannschaft geben.“

Stolz ist der Ebsdorfer auch ein wenig auf seine Leistungen: Großen Ärger habe er noch nie mit Spielern oder Fans gehabt. Überhaupt habe er in 34 Jahren nur eine rote Karte gezogen. Das änderte sich im vergangenen Jahr, als er im Vogelsberg im Einsatz war: „In vier Wochen habe ich da dreimal Rot gegeben. Dort wird körperbetonter gespielt, als hier.“

Rote Karten verteilt Grün jedenfalls nicht am 14. Juli. Dann wird der Ebsdorfer 70 Jahre alt. „Ich verschicke keine Einladungen. Jeder, der sich mir verbunden fühlt, kann vorbeikommen“, sagt er. Bei der Gelegenheit würden dann sicher einige Schiri-Kollegen auf die Vereinskameraden aus der Geflügelzucht treffen.

von Patricia Grähling

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