Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Nur ein Baum will nicht mitspielen

Niederwalgern Nur ein Baum will nicht mitspielen

Der Besuch der Kommission des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ zeigte auf: In Niederwalgern werden an öffentlichen Orten nur heimische Bäume und Büsche gepflanzt. Nur für ein Projekt gibt es eine Ausnahme.

Voriger Artikel
Statt Salami Zukunft als Familienpferd
Nächster Artikel
Knapp acht Kilogramm Rauschgift sicher gestellt

Die Traubeneiche ist Baum des Jahres 2014 und der erste Jahresbaum, der nicht angehen wollte. Er wird ausgetauscht. Rechts: Selbst neben dem neuen Tretbecken wurden sofort heimische Sträucher gepflanzt und eine Wild­blumenwiese angelegt.Fotos: Götz Schaub

Niederwalgern. In der Begründung, warum Niederwalgern im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ in der Kategorie A, also bei den Dörfern mit abgeschlossener Dorferneuerung, den Regionalentscheid gewonnen hat, steht unter anderem folgender Satz: „Vielfältige ökologische Projekte unter Beachtung des europäischen Naturschutzgedankens sind generationsübergreifend bearbeitet.“

Ein bemerkenswerter Satz, wenn man bedenkt, welche enormen Mühen und Arbeitsstunden für diesen einen Satz nötig waren. Allein nur die Pflanz- und Pflegearbeiten an öffentlichen Plätzen in Niederwalgern geht weit über das hinaus, was in anderen Orten nicht in hundert Jahren ehrenamtlich geleistet wird.

923 Blüten- und Beerensträucher und 87 Bäume wurden allein in den vergangenen sechs Jahren gepflanzt und danach gepflegt. Gerd Leeder, einer der Referenten beim Kommissionsbesuch und Mitglied der „Heinzelmännchen“ in Niederwalgern, führt aus: „Das Graben der Pflanzlöcher in harten Böden und in Hanglagen, das ganzjährige Freihalten der gesetzten Bäume und Sträucher sind sehr arbeitsintensiv. Alles geschieht ohne Herbizide und Pestizide. Damit die gesetzten Bäume und Sträucher sicher anwachsen, musste zum Beispiel in dem sehr trockenen Jahr 2013 fast wöchentlich gewässert werden.“

Wo auch immer sich Möglichkeiten zur Neugestaltung ergeben, sie wird aufgegriffen, besprochen, geplant und umgesetzt. So sind überall innerhalb des Dorfes - aber auch an den Randzonen - etwa an der Zufahrtsstraße zum Neubaugebiet grüne Oasen entstanden, die mittlerweile das Ortsbild prägen. Auch in unmittelbarer Nähe des neuen Erlebnisparks mit Tretbecken und Tipi für die Kindergartenkinder ist eine neue Streuobstwiese entstanden. Eine Infotafel zeigt dabei auf, welche Tiere und Insekten Streuobstwiesen für sich erobern und Lebens- und Nahrungsraum dort finden. Unter anderem wurde dort schon eine Blindschleiche gesichtet.

Nur ein ganz besonderes Projekt setzt alle Bepflanzungsregeln außer Kraft: Das Projekt „Baum des Jahres“. An verschiedenen Stellen in Niederwalgern lassen sich ab 1983 alle Bäume des Jahres live und in Farbe, also direkt zum Anfassen finden.Jeder Baum ist mit einer Info-Tafel versehen. Da sind dann tatsächlich auch mal Koniferen dabei. „Da haben wir ja keinen Einfluss drauf“, sagt Leeder schon fast entschuldigend.

Niederwalgern ist als Ausflugsziel attraktiv

Als die OP darüber berichtete, gab es Resonanz. Zwei Anruferinnen wollten wissen, wie das allein bodentechnisch möglich ist. „Die haben doch sicher alle andere Ansprüche“, vermutete eine Frau aus Marburg. Eine Frau aus der Nachbargemeinde Fronhausen wollte nur mitteilen, dass sie das Projekt ganz toll findet.

Insbesondere für Kinder beziehungsweise Schulklassen sei Niederwalgern damit um so mehr einen Ausflug wert und spielte dabei auf das mathematische Experimentierfeld an. Letzteres kann man durchaus bestätigen, zumal Niederwalgern tatsächlich immer wieder Ausflugsziel von Schulklassen und auch Kindergärten ist. Was die Bodenbeschaffenheit angeht, müssen wir einfach nur zur Kenntnis nehmen, dass tatsächlich jeder Baum angegangen ist - bis auf den letzten. Der Baum des Jahres 2014 hat irgendeine Krankheit und stand schon im Sommer blätterlos da. „Wir wissen, dass er weg muss“, sagte Ortsvorsteher Heinz-Heinrich Heuser, als ihn die Kommissionsmitglieder in Augenschein nahmen.

„Wir haben ihn eigentlich nur noch für diesen Besuch stehengelassen, um zu zeigen, dass wir mit den Anpflanzungen aktuell bleiben“, so Heuser. Natürlich soll ein zweiter Versuch unternommen werden.

von Götz Schaub

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Südkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr