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Nur Originalteile, alles andere geht nicht

OP-Serie: Ich sammle Nur Originalteile, alles andere geht nicht

Dem ehemaligen Amateursportradrennfahrer Georg Kaiser kann man bei Rädern kein X für ein U vormachen. Da kennt er sich aus, besser als in seiner Westentasche, denn im Radsport ist er zuhause.

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Georg Kaiser und Markus Brück mit einem Rad des ehemaligen Radrennfahrers Stefan Richner. Links: Die Legende Francesco Moser (auf dem Rad) im vollen Einsatz. Fotos: Götz Schaub/Archiv

Als Georg Kaiser mit 37 Jahren seine Rennsportkarriere beendete, fiel er relativ weich ins „reale“ Leben zurück, denn er blieb seiner großen Liebe, dem Radsport, treu und eröffnete ein entsprechendes Fachgeschäft. Mittlerweile 63 Jahre alt blickt er mit viel Freude auf die bewegten Zeiten zurück. Auch wenn er natürlich die modernsten Fahrräder führt und darüber professionell Auskunft geben kann, ist er ein Fan der „Rennmaschinen“ aus den 70er und 80er Jahren. Und was liegt da näher, als solche „Maschinen“ zu sammeln. Allerdings nur mit allen Originalteilen ausgestattet.

"Die Technik hat sich stark verändert"

Und das bedeutet, besonders viel Ahnung haben zu müssen, wie die Räder damals ausgestattet waren. Und die Ahnung hat er. Seine Sammelleidenschaft teilt er mit seinem guten Freund Markus Brück aus Marburg, der zwar erst 47 Jahre alt ist, aber auch die Räder von früher bevorzugt. „Als ich vor acht Jahren mich wieder dem Rennrad zuwandte, entstand nicht nur die Freundschaft mit Georg, sondern auch die gemeinsame Sammelleidenschaft“, erzählt Brück, der oft freitags nach getaner Arbeit nach Cyriaxweimar kommt, um die neusten Entwicklungen mit Georg Kaiser zu besprechen.

„Die Technik hat sich sehr stark verändert“, sagt Kaiser. Wer meint, mit einem Rad aus den 80ern bei einem heutigen Rennen mithalten zu können, würde sehr schnell eines Bessern belehrt. Allein das Gewicht der Räder hat sich im Laufe der Jahre um gute fünf Kilo verringert und die gesamte Technik befindet sich jetzt direkt am Lenker.

60 Räder umfasst die Sammlung

„Mittlerweile hat sich eine ganze Sammlerszene entwickelt“, sagt Kaiser. So gibt es auch Sammlerbörsen, etwa in Berlin und Düsseldorf. Und im World Wide Web tobt der Handel und Tausch von Originalteilen. Denn selten ist ein Rad aus der genannten Zeit noch im absoluten Originalzustand zu erhalten, man muss sich die Teile irgendwie zusammensuchen. Und darin liegt natürlich auch ein großer Reitz. „Wenn man dann etwas gefunden hat, macht es irre viel Spaß und man ist glücklich darüber“, sagen die beiden Freunde.

„Da kann ein Teil, das damals neu vielleicht 12 DM gekostet hat, jetzt mal leicht für 80 Euro an den Mann gebracht werden“, sagt der Fahrradhändler.

60 Räder umfasst ihre Sammlung. Ihr ganzer Stolz ist ein Originalrennrad von Francesco Moser, dem Multitalent unter den Radfahrergrößen. Denn der Italiener war in der Lage, Ausdauerrennen wie auch Schnelligkeitsrennen zu gewinnen. Das Rad stammt aus dem Jahr 1978. „Kein Rost, super gepflegt, alles ist original. Es ist wie im Neuzustand“, schwärmt Kaiser. Ein anderes interessantes Modell ist ein Rad der Firma Peugeot. Die Franzosen testeten einst einen ellipsenförmigen Bewegungsablauf beim Pedalentreten. „Doch diese Technik hat sich nicht durchgesetzt“, sagt Kaiser. Entsprechend selten sind die Fahrräder, die so ausgerüstet wurden. Dann freuen sich Brück und Kaiser über ein Rad des ehemaligen Schweizer Radrennfahrers Stefan Richner. Die Räder stehen normalerweise natürlich nicht im Laden von Kaiser, sondern an einem geheimen Ort, doch sollen sie künftig zweimal im Jahr dort ausgestellt werden, „weil die Fangemeinde solcher Räder stetig wächst“, so Kaiser.

von Götz Schaub

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