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Niederwalgern hat noch viel vor

„Unser Dorf hat Zukunft“ Niederwalgern hat noch viel vor

Ein wirklich tolles Jahr für Niederwalgern geht allmählich seinem Ende zu – und einen wirklich tollen Erfolg wollen die „Wäljer“ noch ein bisschen 
 feiern: die Silbermedaille aus dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.

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Drei aktive „Wäljer“, die sich für die Errungenschaften im Ort engagieren: Gerd Leeder (von links), Wilfried Gladisch und Ortsvorsteher Heinz Heuser schauten sich am Mittwoch im Naturerlebnispark um – das dort für Kinder und Erwachsene aufgestellte Tippi soll dieser Tage eingewintert werden.

Quelle: Carina Becker

Niederwalgern. „Es ist alles eine Frage der Nachhaltigkeit. Dieser Erfolg ist auf die Arbeit von vielen Jahren zurückzuführen. Angefangen schon mit dem Heimat- und Verschönerungsverein in den 1960ern.“ So fasst es Ortsvorsteher Heinz Heuser zusammen.

Oder um es anders zu sagen: Niederwalgern hat schon lange auf den Titel in der Köningsklasse der Dorfwettbewerbe hingearbeitet, zuletzt im Vorjahr, wo die „Wäljer“ Sieger im Regionalentscheid mit 119 beteiligten Orten wurden. Und unter den Regionalsiegern schafften sie es in diesem Jahr dann auf den zweiten Platz und nahmen mit einer Gruppe von 45 Bürgern sowie mit den Vertretern der örtlichen Fachbehörden in Melsungen in der Stadthalle vor knapp zwei Wochen ihre Urkunde entgegen.

Kaum ein Tag, an dem es nichts zu tun gibt

Rund um den Besuch der Bewertungskommission, die am 17. Juni in den Weimarer Ortsteil kam, bemühten sich die aktiven Bürger im Ort natürlich besonders. „Vor allem geht es dann auch um Fragen der Präsentation, wie stellt man das alles dar, was man so geleistet hat?“, verdeutlicht es Gerd Leeder, der sich als Ruheständler ganz rührig an den bürgerschaftlichen Einsätzen beteiligt.

„Das ist eine gute Sache, hier mitzumachen. Man kann das einbringen, was man sich im Berufsleben an Kenntnissen erworben hat – und man bekommt auch viel Anerkennung aus dem Dorf“, sagt er über die ehrenamtliche Arbeit. Schließlich gebe es kaum einen Tag, an dem es nichts zu tun gebe.

(c) privat

Was Präsentation angeht, hat sich unter anderem Wilfried Gladisch verdient gemacht – für den Besuch der Unser-Dorf-Kommission erstellte er zwei umfangreiche Broschüren mit grafisch aufbereitetem Bildmaterial, eine über das Dorf in der Landschaft, eine über die Aktivitäten in Niederwalgern.

Selbst etwas tun fürs Dorf, eintreten fürs Miteinander. Diese gemeinsam gelebte Haltung mag neben der Kontinuität einer der Punkte sein, die Niederwalgern sein gutes Abschneiden im Landeswettbewerb beschert haben. Was in den vergangenen Jahren so alles geschehen ist in dem Weimarer Ortsteil mit seinen rund 1500 Einwohnern?

Zahlreiche soziale Dienstleistungen

In bürgerschaftlicher Arbeit strichen die „Wäljer“ das Bürgerhaus und zwei Friedhofskapellen, bauten ein Schwalbenhaus und ein Insektenhotel, sanierten und erweiterten ihre Schutzhütten, bauten Boule- und Grillplatz, schafften für Kinder und Erwachsene einen Naturerlebnispark, außerdem einen Erlebnispfad, der das Dorf umrundet, stellten Infoschilder im Ort auf, pflanzten die „Bäume des Jahres“, befestigten einen Hang in Eigenleistung, pflanzten zwei Blumenwiesen, bauten eine Vogelbeobachtungshütte am Martinsweiher und starteten ein Beweidungsprojekt mit Wasserbüffeln zur Landschaftspflege. Das sind die Sachen, die Gerd Leeder spontan einfallen.

Hinzu kommen viele soziale Dienstleistungen im Dorf. Wenn‘s um die handwerkliche Arbeit geht, sind die „Heinzelmännchen“ am Start, wenn Menschen Hilfe benötigen in ihrem persönlichen Umfeld, dann ist die Initiative „Bürger helfen Bürgern“ zur Stelle. Wie das alles funktioniert, so viel ehrenamtliche Arbeit in einem Dorf auf die Beine zu stellen?

„Ganz einfach, man muss es machen, einfach ausprobieren“, sagt Ortsvorsteher Heuser, der nicht darum verlegen ist, andere Menschen für die Mitarbeit oder für eine Finanzspritze zu gewinnen, wenn in Niederwalgern etwas gebraucht wird. „Wo einer ist, da sind auch zehn, die helfen können“, berichtet er aus 14 Jahren Erfahrung als Ortsvorsteher und denkt daran zurück, dass die Initiative „Bürger helfen Bürgern“ auf eine ganz einfache Anfrage einer alten Dame aus dem Dorf zurückzuführen sei. „Wer hilft mir denn mal, wenn etwas ist, wollte sie wissen. Und dann haben wir angefangen, die soziale Hilfe für alle, die sie brauchen, zu organisieren“, erklärt Heuser.

Broschüre ermöglicht Rückblick

Dass in dem Dorf viel geboten wird und dass die Menschen, die dort leben, eine tolle örtliche Infrastruktur vorfinden, das hören die „Wäljer“ von Besuchern recht oft. Doch müssen sie es sich mitunter auch selbst noch mal vor Augen führen, weil man das greifbar Gute doch allzu leicht vergisst. Dazu soll eine Broschüre dienen, die im Januar an alle Haushalte gehen wird.

Dieses Büchlein wird dann, so verraten es Leeder, Gladisch und Heuser schon jetzt, noch mal ein Rückblick auf die Ereignisse rund um den Wettbewerb „Unser Dorf“ – und zugleich eine Präsentation aller „Wäljer“ Errungenschaften sein: vom Lern- und Experimentierfeld über die Eislauf-Fläche im Winter bis hin zum eigenen Wanderweg.

In der Broschüre soll auch noch mal deutlich werden, dass in Niederwalgern vor allem eins klappt: die Zusammenarbeit. „Vernetzung ist das wichtigste“, sagt Heinz Heuser, „Vereine, Schule, Kindergarten, alle Initiativen im Ort – hier wird jeder eingebunden“.

von Carina Becker

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