Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Nicht nur Fische profitieren von neuer Treppe

Naturschutzprojekt Nicht nur Fische profitieren von neuer Treppe

Bisher blockierte das ­Hassenhäuser Mühlenwehr den Fischaufstieg 
in der Zwester Ohm. 
Mit ­einer neuen Rinne samt dekorativer Treppe erhalten die Fische nun ­einen barrierefreien ­Zugang zu dem Gewässer.

Voriger Artikel
Vom Geheimtipp zum Besuchermagnet
Nächster Artikel
CDU will Grundgeld-Gutschein aussetzen

Mit ganzem Körpereinsatz weihten Vertreter von Gemeinde, Regierungspräsidium, Naturschutz- und Wasserbehörden das neue Umgehungsgerinne der Zwester Ohm ein.

Quelle: Ina Tannert

Hassenhausen. So sinnvoll ­eine Wehranlage für den Hochwasserschutz auch ist – für manche im Wasser lebenden Tiere stellt die Stauvorrichtung ein unüberwindbares Hindernis dar. Nun finanzierte das Land Hessen einen Umgehungsbach bei Hassenhausen als Wanderhilfe, das auch gleich das Gelände optisch um einiges aufwertet.

Am vergangenen Montag versammelten sich Vertreter von Gemeinde, Regierungspräsidium Gießen (RP), Naturschutz- und Wasserbehörden zur Abnahme des neuen Umgehungsgerinnes der Zwester Ohm am alten Hassenhäuser Mühlenwehr.

Über eine langgezogene Steintreppe samt zahlreicher Kaskaden fließt nun das Wasser durch die neue Umleitung über das Gelände bergab, umgeht so das blockierende Wehr und verbindet sich dahinter erneut mit dem Fluss.

Stauwerk blieb erhalten

„Das Strömungsbild ist hervorragend, ein großer Baustein für den Naturschutz“, lobte Dr. Herbert Diehl von der oberen Wasserbehörde des RP. Das blockierende Wehr war der Behörde stets „ein Dorn im Auge – nun wird der Lebensraum deutlich attraktiver werden“, freute sich der Wasserwirtschaftler.

Im Sinne des Naturschutzprojektes wurde das Gemeindeland rund um die alte Anlage, das die Mühle mit Wasser versorgte, aufwendig umgebaut. Das Stauwerk bleibt erhalten und dient weiterhin dem Hochwasserschutz. Der neue Umlauf der Zwester Ohm wurde ausgebaggert, die vorher vorhandenen und von der Gemeinde verpachteten Kleingärten mussten zum Teil weichen und wurden stark verkleinert.

Tonnenweise wurden robuste, frostbeständige Grauwacke-Steine angeschafft und in Stufen verlegt. Auf diese Weise entstanden viele kleine, durchlässige Teiche, die den Fischen quasi als Umleitung dienen und das Wanderhindernis umgehen.

Hinter dem Wehr läuft die Rinne wieder in den eigentlichen Fluss zurück. Der Uferbereich wurde neu gesät, die verbleibenden Kleingärten stehen nun auf der neu entstandenen Insel und werden weiterhin genutzt.
Insgesamt kostete das aufwendige Projekt rund 400.000 Euro, einschließlich Gutachten und Voruntersuchungen. Da es als Teil der europaweiten Natura 2000-Richtlinie gilt – mit dem Ziel ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten zu schaffen – übernimmt das Land Hessen zu einhundert Prozent die Finanzierung.

Freie „Fahrt“ für Fische

Mit diesem „schönen Batzen Geld“ sei es „in beeindruckender Weise gelungen“, das letzte verbleibende Hindernis zu beseitigen und die angepeilte biologische Durchgängigkeit der Zwester Ohm zu erreichen, lobte Bürgermeister Reinhold Weber „ein Projekt, dass sich sehen lassen kann“.

Mit dem erfolgreichen Rinnen-Umbau sei das Gewässer regelrecht befreit worden. Fische können den Fluss nun durchgängig zwischen der Einmündung in die Lahn bis nach Mölln barrierefrei, flussaufwärts wie -abwärts erreichen.

Davon profitieren unter anderem geschützte FFH-Fischarten wie Bachneunauge und Groppe sowie die Bachforelle, Esche oder Gründling. Die Wasserbehörde erhofft sich nun ­eine ökologische Verbesserung und Zunahme der einseitigen schwimmenden Bevölkerung der Zwester Ohm, „die Fischfauna ist einseitig und bislang nicht die beste“, erklärte Diehl.

Als willkommener Synergieeffekt leiste die neue Umgehungsrinne durch ihren naturnahen Verlauf ebenfalls einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz. Primäres Ziel der Maßnahme ist jedoch der Naturschutz und ein erfolgreicher, weiterer Baustein im Sinne der europäischen Wasserrahmenrichtlinien, lobte Anne-Kathrin Ehrhardt vom RP.

Ein weiterer netter Nebeneffekt: Das neue Nebengewässer, das über die ansehnlichen Steine plätschert, macht optisch einiges her und erfreut vorbeikommende Wanderer wie Radfahrer. „Ich bin völlig begeistert, das wird ein schöner Ausflugs­platz werden und wertet Hassenhausen auf“, freute sich Bauamtsleiter Michael Esken.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr