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Neues Bioenergiedorf in den Startlöchern

Info-Abend für Möllner Bürger Neues Bioenergiedorf in den Startlöchern

Die Gründung einer Nahwärmegenossenschaft war das Thema einer Info-Veranstaltung im Bürgerzentrum Dreihausen, zu der am Dienstagabend41 interessierte Bürger aus Mölln kamen.

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Die Informationsveranstaltung zum Nahwärmenetz stieß auf großes Interesse in der Möllner Bürgerschaft

Quelle: Björn-Uwe Klein

Mölln. Der Termin steht schon fest: Am Dienstag, 4. November soll die Möllner Nahwärmegenossenschaft gegründet werden. Bis dahin wollen die Initiatoren weiter für das Projekt werben und informieren.

Etwa 40 von 55 Möllner Haushalten könnten durch die örtliche Biogasanlage mit Abwärme versorgt werden. Um die damit verbundenen Chancen und Perspektiven für den Ort ging es in einem von Eberhard Wisseler moderierten Fachgespräch, an dem neun Vertreter aus den Bereichen Politik, Energie und Finanzen teilnahmen.

Ein Aspekt, der dabei zur Sprache kam: Die Vermeidung von Leerständen durch energetische Selbstversorgung im Ort. In Oberrosphe sei dies gelungen, sagte Hans-Jochen Henkel, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Bioenergiedorf Oberrosphe. Selbst für Altbauten habe es noch Käufer gegeben.

Sechs Jahre sind inzwischen vergangen, seit in Oberrosphe ein Biomasseheizwerk ans Netz ging. Sechs Jahre, in denen Hans-Jochen Henkel die Erfahrung machte: „Sie werden sich im Dorf neu kennen lernen.“

Werner Arnold vom Ingenieurbüro EWT mit Sitz in Grebenhain/Vogelsbergkreis listete auf, welche Vorteile ein örtliches Nahwärmenetz biete. Regionale Wertschöpfung, Preisstabilität, niedrige Wärmekosten und Nachhaltigkeit durch eine positive CO 2-Bilanz waren nur einige Stichworte, die er nannte.

Für das Möllner Nahwärmenetz seien rund 1100 Trassenmeter erforderlich. Bei einer angenommenen Zahl von 27 Anschlüssen beliefen sich die Investitionskosten laut einer Machbarkeitsstudie auf 553300 Euro, sagte Arnold, dessen Unternehmen auch die Biogas-Nahwärmenetze in Erfurtshausen und Fronhausen plante. Bei einem genossenschaftlichen Eigenkapital von 135000 Euro (5000 Euro pro Mitglied) und 114 600 Euro an Fördermitteln ergeben sich laut Studie 303700 Euro an verbleibenden Kosten - mit Mehrwertsteuer (19 Prozent) sind es 361403 Euro.

Thomas Keller von der Raiffeisenbank eG Ebsdorfergrund kündigte an, dass sein Haus das Projekt mit einem Sonderkreditprogramm unterstützen werde.

Klaus Pfalz, Firmenkundenberater der VR Bank Hessenland wies auf Förderrichtlinien hin.

Voraussetzung für die Förderung von Wärmenetzen sei, dass die Einspeisung zu mindestens 50 Prozent aus erneuerbaren Energien besteht. Außerdem gelte es zu beachten, dass über das gesamte Trassennetz ein Mindestwärmeabsatz von 500 Kilowattstunden pro Jahr und Trassenmeter nachgewiesen werden müsse. Laut der von Arnold präsentierten Studie wäre in Mölln auch letzteres Kriterium erfüllt. Über die Besonderheiten des Genossenschaftswesens informierte der Diplom-Betriebswirt Bernhard Brauner vom Genossenschaftsverband.

Er machte deutlich, dass nur 0,5 Prozent aller Insolvenzen auf Genossenschaften entfielen, betonte aber: „Funktionieren kann eine Genossenschaft nur, wenn sich Personen finden, die sich darum kümmern.“ Gerade in der Anfangszeit einer Genossenschaft sei viel ehrenamtliches Engagement gefragt.

Rückenwind erhielten die Möllner auch von politischer Seite. Die Gemeinde Ebsdorfergrund habe sich mit dem Vorhaben, bis 2020 energieautark zu werden, ein ambitioniertes Ziel gesetzt, sagte der Kreisbeigeordnete Klaus Weber (SPD). Er äußerte sich zuversichtlich, dass die Gemeinde dieses Ziel erreicht - und bekräftigte: „Wir vom Landkreis unterstützen das.“ Bürgermeister Andreas Schulz unterstrich das Anliegen, die Energiewende lokal zu unterstützen. Dies rechne sich auch ökonomisch, immerhin fielen in Ebsdorfergrund jährlich eine Million Euro an Energiekosten an. Projekte wie das geplante Nahwärmenetz in Mölln bewirkten, dass dieses Geld vor Ort bleibe. Eine kommunale Bürgschaft durch die Gemeinde Ebsdorfergrund werde es allerdings nicht geben, sagte Schulz auf Nachfrage eines Besuchers. „Wir wollen alle gleich behandeln.“ Durch die Einführung der Doppik könne eine Gemeinde nicht mehr für alles bürgen. Ohnehin seien kommunale Bürgschaften hinsichtlich des Zustandekommens von Projekten nicht der ausschlaggebende Faktor.Es gebe andere Möglichkeiten, solche Projekte voranzubringen. Das zeige der Blick in die Nachbargemeinde Fronhausen, die für ihre Bioenergieversorgung ebenfalls keine Bürgschaft übernommen habe.

„Die Banken finanzieren, wenn sie daran glauben“, sagte Schulz. Und als Genossenschaftsmitglied werde die Gemeinde das Möllner Nahwärme-Projekt ohnehin fördern.

von Björn-Uwe Klein

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