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Nach Höhen und Tiefen endlich der Start

Nahwärmenetz Nach Höhen und Tiefen endlich der Start

So, die kalte Jahreszeit kann kommen, gerade in Fronhausen, wo es erwiesenermaßen gerne mal ein paar Grad kälter ist als in anderen Gebieten des Landkreises: Die Mitglieder der Bioenergiegenossenschaft „zapfen“ jetzt eigene Wärme.

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Thilo Finger (von links), Matthias Heun und Helmut Jung nahmen die Heizanlage am Freitag offiziell in Betrieb.

Quelle: Götz Schaub

Fronhausen. Wahrlich, leicht hatten es die Fronhäuser wirklich nicht. Anders als in den bisherigen vier Bioenergiedörfern des Landkreises Oberrosphe, Josbach, Schönstadt und Schwabendorf zogen sich die Planungen und letztendlich auch die Umsetzungsphase sehr in die Länge. Doch die Genossen hatten ein paar „Geheimwaffen“ in ihren Reihen, die sich nicht aus der Ruhe bringen ließen und immer von der Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit überzeugt waren, etwa den Vorstandsvorsitzenden Helmut Jung. Sein langer Atem war unerschütterlich, das anerkannte selbst Fronhausens Bürgermeister Reinhold Weber, der ihm unter anderem mit seiner Haltung, das Bürgerhaus aus wirtschaftlichen Gründen nicht anzuschließen, nicht gerade entgegenkam.

Auch gab es von der Gemeinde keine Bürgschaft, etwa wie es die Stadt Wetter für Oberrosphe getan hatte. All dem ungeachtet gab es aber doch ein paar Institutionen, die an das Gelingen in Fronhausen glaubten, etwa der Landkreis Marburg-Biedenkopf, der die Grundschule nun von der Heizzentrale „Alte Feldscheune“ mit Wärme versorgen lässt. Diese Zusage beflügelte das Projekt, das mit der Realisierung der Biogasanlage der Familie Geißler im Jahr 2010 in die entscheidende Phase ging. „Gut, wir haben zwei Jahre Verspätung“, entschuldigte sich Thilo Finger bei den Genossen, die durch ihre Teilnahme einen weiteren Meilenstein zum Gelingen des Projekts beitrugen - insgesamt stemmen sie 370000 Euro der Kosten von 1,85 Millionen Euro.

Bürgerhausanschlussist immer noch möglich

Als Finger den Vorschlag an die Gemeinde richtete, vielleicht doch noch mal über das direkt neben der Feldscheune stehende Bürgerhaus nachzudenken, war Bürgermeister Weber schon zum nächsten Termin entschwunden. Leider hörten es auch so gut wie keine Mitglieder der Fronhäuser Gemeindevertretung, aber jetzt steht es ja hier an dieser Stelle für jeden sichtbar in der Zeitung. Das Projekt „Fronhausen-Süd“ ist zwar im Vergleich zum ursprünglichen Vorhaben eine sehr abgespeckte Version eines Bioenergiedorfes, doch ist es auch auf Expansion ausgelegt. Also, wie gerade ausgeführt, kann das Bürgerhaus jederzeit berücksichtigt werden. Auch in der Straße „Faltorweg“ liegen Anschlüsse, die eine „Erschließung“ des Baugebiets „Am Scheidt“ jederzeit nach 2015 möglich machen können. Und, so Finger abschließend: „Jeder Genosse kann jetzt auch seinen Nachbarn überzeugen mitzumachen, je mehr es sind, um so billiger wird es für jeden Einzelnen.“ Matthias Heun hatte in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender die Gelegenheit der Inbetriebnahme dazu genutzt, sich bei den beteiligten bauausführenden Firmen zu bedanken wie auch beim in Fronhausen ansässigen Hans-Jürgen Laukel, der sich als Bauleiter Heizzentrale verdient gemacht hatte. Ein großer Dank ging auch Richtung heimischer Banken, insbesondere an die Raiffeisenbank als Kreditgeber, denn 900000 Euro mussten über diesen Wege beschafft werden. Die restlichen 580000 Euro Investitionssumme wurden über diverse Fördermittel gedeckt. Insgesamt, so Heun, werden 50 Privathaushalte und vier größere Einrichtungen, darunter das Alten- und Pflegeheim „Haus am Park“ und die Grundschule mit Wärme versorgt.

Der Spitzenlastkessel und in erster Linie die Biogasabwärme sorgen jetzt für die erste Belieferung der Kunden. Was jetzt noch zur Anlage fehlt, ist der Holzhackschnitzelkessel, der Mitte des Monats installiert und einreguliert werden soll. Dr. Norbert Clement, Leiter vom Fachdienst Erneuerbare Energien beim Landkreis Marburg-Biedenkopf, zollte der Energiegenossenschaft Respekt für ihr Durchhaltevermögen und setzt auf eine gute Zusammenarbeit. Gut 100 Menschen versammelten sich am Freitagnachmittag zur Inbetriebnahme der Anlage an der Heizzentrale „Alte Feldscheune“ und tranken ein Glas Sekt auf den Beginn eines neuen Heizzeitalters in Fronhausen.

von Götz Schaub

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