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Modedesign ist seine große Leidenschaft

Land, Leute, Leben Modedesign ist seine große Leidenschaft

Das Schneidern liegt David Pfeiffer offenbar im Blut. Unbeirrt geht der 17-jährige Schüler seinen Weg. Er will Modedesigner werden.

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David Pfeiffer präsentiert mit seiner Freundin Cynthia-Chantal Simon seine Kleider. Heike Franz, Chefin der Firma Adriansen half mit einer Schaufensterpuppe aus.

Quelle: Hartmut Berge

Oberwalgern. David Pfeiffer ist ein Querdenker. Im Leben wie auch bei seiner großen Leidenschaft, dem Modedesign, hält er sich nicht an vorhandene Muster. Die dienen ihm allenfalls als Grundlage für eigene Ideen.  

Seit zwei Jahren besitzt David Pfeiffer eine Nähmaschine. Davor erledigte er alle Näharbeiten mit der Hand.

Seit zwei Jahren besitzt David Pfeiffer eine Nähmaschine. Davor erledigte er alle Näharbeiten mit der Hand.

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Der zunächst in Tringenstein aufgewachsene und seit neun Jahren in Oberwalgern lebende junge Mann hat einen klaren Lebensplan. Die Sophie-von-Brabant-Schule in Marburg hat er gerade mit dem Abschluss der mittleren Reife verlassen. Ab September besucht er die Elisabethschule, will dort sein Abitur machen und dann an der Parsons School of Design in New York Modedesign studieren. Für einen Studienplatz an der Elite-Universität muss sich der 17-Jährige jetzt schon bewerben.

In den vergangenen Wochen und Monaten galt Davids volle Konzentration der Abschlusspräsentation, sie ist Bestandteil der mittleren Reife. „Ist Mode Kunst, und hat sie Auswirkungen auf unsere Gesellschaft?“, lautete Davids selbstgesetztes Thema.
Es sei schwerer, als er zunächst gedacht habe, eine eindeutige Antwort auf diese Frage zu geben, gesteht er ein. „Gleichwohl habe ich eine relativ gute Präsentation abgeliefert“, sagt er.

Eigentlich müsste er vor Stolz strotzen, denn dafür gab‘s eine Eins. „Ich habe viele Beispiele eingebracht, auch aus meinem eigenen Leben“, berichtete er. Darüber hinaus ging er auch  auf den geschichtlichen Hintergrund von Mode ein.

Erst der dritte Entwurf genügt eigenen Erwartungen

Im Februar mussten die Hausarbeiten abgegeben werden. Anfang März stand die Abschlusspräsentation an. Die Prüfungen zur mittleren Reife fanden im Mai statt.

Auch dieses Abendkleid hat der 17-Jährige entworfen und geschneidert.

Auch dieses Abendkleid hat der 17-Jährige entworfen und geschneidert.

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Im Januar hatte er seine erste Präsentation fertig, um sie gleich wieder zu verwerfen. Es folgte eine weitere, auch die gefiel ihm letztlich nicht. Unter hohem Zeitdruck – es blieben nur drei Wochen Zeit, setzte sich David an die dritte und endgültige Fassung.

Neben den schriftlichen Ausarbeitungen mussten Kleider genäht werden.

Aus der eigenen Tasche hätte David  das alles nicht finanzieren können, fand dann aber Unterstützung. Bei der Firma Reschny bekam er Rabatt auf seinen recht großen Stoff-Einkauf. Und dann war da noch die aufwendige Suche nach einer zweiten Schaufensterpuppe. Eine hatte sich David selbst angeschafft. Nach vielen Absagen bat der junge Mann in einem weiteren Gladenbacher Geschäft um Hilfe. Peter Bellersheim, Seniorchef der Firma Adriansen, sagte sofort zu. Der Präsentation stand nichts mehr im Weg.

Ein Kleid für die Schwester

David nähte drei Kleider: Bei der Präsentation trug eins davon seine Freundin Cynthia-Chantal Simon, die beiden anderen zierten die Schaufensterpuppen. „In einer Powerpointpräsentation habe ich unter anderem selbstgemalte Kleider-Entwürfe gezeigt. Alles Unikate. Ich habe keine fremden Vorlagen benutzt, mich etwa des Internets bedient“, versichert er.

Zur Präsentation zählte auch eine Brainstorming-Wand, an der er vieles zum Thema Mode aufzeigte, Stoffe, Hintergründe, vom Androgynen bis zum Magermodel. Bei einem der Kleider ließ er sich von japanischen Schuluniformen und dem  konservativen Stil der 1980er  und 90er Jahre inspirieren, wie etwa dem hohen Kragen. Das zweite Kleid ist lila, das hatte er  seiner Schwester für deren Schulabschluss geschneidert. „Sie wollte etwas Schlichtes, das nicht zu sehr heraussticht“, berichtet David.  

David Pfeiffer steckt ein Kleid ab.

David Pfeiffer steckt ein Kleid ab.

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Sein Interesse an Mode habe sich über die Jahre entwickelt, sagt er. „Ich war schon immer in meinem Kleidungsstil sehr speziell“, betont der 17-Jährige und ergänzt: „Ich habe mein Ding immer durchgezogen und bin heute zufrieden mit meinem Modestil.“ Und der sei etwas anders als der anderer Leute. „Nicht jeder trägt ein Gehirn auf dem Kopf“, sagt er in Anspielung auf seinen etwas außergewöhnlichen selbstgebastelten Kopfschmuck, den er beim Besuch der OP trägt.

Freilich gebe es Trends in der Mode. Den Vorbildern sollte  man sich  aber nicht strikt unterwerfen, rät er. Das habe er jedenfalls nie gemacht, versichert David. „Mit Zehn habe ich schon klar gesagt, was  mir gefällt und was nicht.“ Schon im Alter von 12 Jahren fing er an, mit einfachen Mitteln seinen eigenen Stil zu kreieren, schnitt Löcher in Pullis oder trennte Ärmel ab. Der Oma, die des Schneiderns mächtig ist, habe er oft über die Schulter geschaut, von ihr das Handarbeiten erlernt. „Was sie mir allerdings immer noch verbietet: Ich darf nicht an ihre Nähmaschine, das ist ihr Heiligtum“, sagt David.

„Kein Schneider würde die Dinge so machen“

Da er ein kleiner Perfektionist sei, habe er beim Nähen mit der Hand oft das Lineal benutzt. Alles musste akkurat sein. „Ich habe viel ausprobiert“, sagt David und ist sich sicher: „Kein Schneider würde die Dinge so machen, wie ich sie mache.“ So verbinde er etwa Kunststoffe, indem er sie mit dem Heißluftfön erhitze. „Ich nähe sie nicht aneinander“, betont er. Bei seinen Kreationen halte er sich an seine eigenen Kriterien, versuche aber, aktuelle Trends nicht ganz auszublenden, sagt der junge Mann.

Mit der Uni in New York hat er längst Kontakt aufgenommen. Sein Bewerbungsgespräch wird er über Skype führen, muss nicht extra anreisen. David hofft, dass er so auf die Warteliste kommt und im nächsten Schritt Designvorschläge und selbst geschneiderte Kleidung zur Begutachtung an die Uni schicken darf. Wenn das alles funktioniert, folgt die Aufnahmeprüfung. Dafür muss er allerdings über den großen Teich. In dieser Woche ist er für zwei Monate nach  Australien geflogen. Während der  Reise will er seine Englischkenntnisse  verbessern.
Und dann beginnt wieder der Schulalltag mit dem klaren Ziel vor Augen, in drei Jahren das Abiturzeugnis in Händen zu halten.

von Hartmut Berge

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