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Miteinander statt übereinander reden

Bürgermeister-Stichwahl in Fronhausen Miteinander statt übereinander reden

Ausruhen ist später. Seitdem feststeht, dass es eine Stichwahl am 11. Oktober gibt, haben die „Finalisten“ Claudia Schnabel und Michael Esken noch einmal gehörig die Werbetrommel für sich gerührt.

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Bleiben auch im direkten Gespräch stets freundlich und fair: Michael Esken und Claudia Schnabel beim gemeinsamen Termin bei der Oberhessischen Presse.

Quelle: Thorsten Richter

Fronhausen. Der Fronhäuser Wähler kann sich sicher sein, egal wer nun von den beiden am 11. Oktober die Nase vorn hat und die Nachfolge von Reinhold Weber antritt, es wird eine Person sein, die voll motiviert ist und die für ein „Miteinander auf allen Ebenen“ eintreten will.  Miteinander, nicht übereinander reden, heißt bei beiden die Devise. Und so führen sie auch jeweils ihren Wahlkampf. Sie finden es völlig okay, auch Ideen oder Statements des Konkurrenten zu loben.

– Gegenseitiges Behaken um die Gunst der Wählerschaft ist nicht das Ding von Schnabel und Esken. Und wenn sie aufeinandertreffen, wie etwa jetzt in den Räumen der OP-Redaktion, um nochmal darzulegen, warum sie jeweils die richtige Person für das Bürgermeisteramt sind, gehen beide höflich miteinander um und können sich im Gespräch auch in die Augen schauen.

– Und ja, so weit liegen sie in vielen Dingen gar nicht auseinander, oftmals treten sie für dieselben Lösungswege ein. Deshalb ist ihnen auch bewusst, dass es am Sonntag zum großen Teil auch auf ihre Person ankommt, wenn die Inhalte nicht so frappierend weit auseinanderliegen. Die eine oder andere Überraschung haben sich die beiden Kandidaten für das große Wahlkampffinale doch noch ausgedacht, wenn sie nochmal den Kontakt zu den Wählern suchen, etwa bei eigenen Veranstaltungen oder an Wahlkampfständen.

Im Gespräch bei der Oberhessischen Presse zeigte sich allerdings sehr deutlich, dass Michael Esken den Neubau eines Kindergartens in Fronhausen durchaus als ein wichtiges Projekt ansieht. „Ich habe das schon mal durchgerechnet, gerade in Hinblick auf die Folgekosten im Vergleich zu einer Sanierung des jetzigen Kindergartens. Wenn wir alles so machen, wie es notwendig ist, kostet uns die Sanierung 650.000 Euro. Und wir haben danach immer noch ein altes Gebäude mit drei Etagen. Das ist nicht zukunftsweisend.“ Natürlich braucht Esken für dieses Projekt auch ein Ja aus der Gemeindevertretung, aber dafür glaubt er auch die richtigen Argumente zu haben.

Ehrgeiz: Haushalt künftig im Dezember verabschieden

Für Claudia Schnabel spielt der Neubau eines Kindergartens in Fronhausen eigentlich gar keine Rolle. „Ich kenne mich im Kindergarten nicht zuletzt durch meine Kinder sehr gut aus. Es ist nie ein Wunsch nach einem Neubau an mich herangetragen worden. Und wenn ich sehe, wie gut dort alles funktioniert und dann noch daran denke, was an unabdingbaren Investitionen alles auf uns zukommt, kann ich mir nicht vorstellen, 1,3 Millionen Euro in einen neuen Kindergarten zu investieren, zumal uns dann noch die Abschreibungen zu schaffen machen würden.

Das sieht Esken anders. „Wenn die Kirche Träger bleibt – und es gibt keinen Grund, daran etwas ändern zu wollen – werden die Abschreibungen nicht den Gemeindehaushalt belasten.“ Auch bei der Feuerwehr gibt es einen Unterschied. Beide werden das Ziel weiter verfolgen, für Hassenhausen, Sichertshausen und Bellnhausen einen gemeinsamen Stützpunkt zu bauen. Das sei schließlich auch jetzt so von den Wehren akzeptiert. Esken möchte aber, dass die einzelnen Wehren nicht ihre „Herkunft“ vergessen und ihren Orten doch irgendwie noch treu bleiben, etwa durch die Ausbildung der Jugendfeuerwehr vor Ort.

Schnabel glaubt indessen, dass sich sicher auch die Jugend auf den neuen Stützpunkt einlasse und wohl auch gerne dort dann ihr Domizil haben wolle. Doch das müsse dann erst einmal mit den Wehren besprochen werden. Den anstehenden Haushalt einmal ausgeklammert, denn der 2016er wird sicher noch von Bürgermeister Weber vorbereitet, geben doch beide Kandidaten an, durch intensive Vorgespräche mit den Fraktionsspitzen und den Ortsbeiräten es durchaus schaffen zu wollen, ab Haushalt 2017 den Beschluss der Parlamentarier schon in der jeweiligen Dezembersitzung zu erhalten, um dann im nächsten Jahr gleich durchstarten zu können.

Als Bürgermeister Mehrheiten suchen und finden

Beiden ist klar, dass sie als Bürgermeister Mehrheiten suchen und finden müssen. In diesem Zusammenhang sagt Claudia Schnabel: „Wir von der Initiative Fronhausen haben es so gehalten, nach Sachthemen zu entscheiden. Koalitionen, das hat uns die Erfahrung gelehrt, sind oftmals hinderlich. Ich will keine festen Mehrheiten, sondern, dass die Sachargumente zu einer Lösung führen, die möglichst alle mittragen können. Es darf nicht mehr sein, dass Parteien automatisch gegen etwas sind, nur weil es die andere Partei vorgeschlagen hat.“

Das sieht auch Esken so: „Ich war zehn Jahre in der Kommunalpolitik tätig und habe gelernt, wie wichtig es ist, alle Gemeindevertreter mitzunehmen. Ich möchte deshalb mit den Fraktionsvorsitzenden Monatsgespräche führen, damit alle auf dem gleichen Informationslevel sind und in der Gemeindevertretung kein Misstrauen aufkommt, der andere könnte doch besser informiert worden sein.“

Von der Idee der wiederkehrenden Straßenbeiträge sind beide angetan. Sie warnen aber auch davor, diese Regelung „einfach mal eben so“ einzuführen. Es müsse zuvor klar geregelt sein, dass Anlieger, deren Straßen gerade erst gemacht wurden, für eine bestimmte Zeit aussetzen dürfen.

Ganz wichtig ist es den Kandidaten auch, als Bürgermeister „immer ansprechbar zu sein“ (Schnabel) und „die Bürger immer ehrlich zu behandeln“ (Esken). So wollen auch beide immer das Gespräch mit Interessensgruppen suchen und Klagewege zugunsten guter Kompromisse überflüssig machen. Deshalb sind auch beide guter Dinge, dass sich das Thema Geruchsbelastung für Fronhausen ganz unspektakulär über Gespräche und Vorschläge lösen lässt, zumal wohl schon ein Landwirt signalisiert habe, seine Tiere in den Außenbereich umzusiedeln.

von Götz Schaub

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