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Mit Origami mehr Geduld lernen

Das wäre mal eine Mit Origami mehr Geduld lernen

In Japan ist es eine Kunst, süße Tierchen aus Papier zu falten. Natascha Schmidt faltet sogar am liebsten ganz plastische, stabile Figuren. Diese Kunst nennt sich 3D-Origami.

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Natascha Schmidt knickt und steckt in ihrer Freizeit viel: Aus kleinen, gefalteten Modulen steckt sie niedliche Tierchen zusammen. Diese Faltkunst nennt sich 3D-Origami.

Quelle: Patricia Graehling

Niederwalgern. Flink faltet Natascha Schmidt kleine, filigrane Rechtecke aus farbigem Papier zu plastischen Ecken zusammen. Es gibt stapelweise rote Ecken, sogenannte Steckmodule. Daneben ist ein Stapel weißer Ecken; es finden sich aber auch rosafarbene, gelbe, blaue und schwarze. „Aus diesen Modulen lassen sich alle möglichen Figuren gestalten“, verrät Schmidt und zeigt auf eine niedliche, hellblaue Eule, einen orangefarbenen Fuchs und rosafarbene Schwäne, die ihre Hälse zu Herzen schwingen.

Die Niederwalgernerin lässt sich gerne kreativ beim sogenannten 3D-Origami aus. Dabei werden Tiere und Figuren aus den gefalteten Modulen gesteckt. „Das braucht oft sehr viel Geduld“, verrät sie augenzwinkernd. „Aber Papier ist geduldig und der Mensch lernt das beim Falten und Stecken auch wieder.“ Sie selbst habe dabei auch gelernt, im Alltag wieder geduldiger mit ihren Mitmenschen zu sein. „Ich gehe nicht mehr immer gleich in die Luft“, scherzt sie. Sie arbeite aber nicht nur an ihrer Fingerfertigkeit, sondern sehe auch immer direkt, was sie mit ihren Händen erschaffen habe.

Die Faltkunst entdeckte Schmidt erst vor drei Jahren für sich. Damals verwandelten ihr Bruder und seine damalige Freundin Papier in kunstvolle Tierchen. „Das sah toll aus, aber es war mir zu schnell und zu kompliziert.“ Mit Anleitungen im Internet sei sie nicht zurecht gekommen - stieß bei ihren Bemühungen aber auf Anleitungen für 3D-Origami. „Ich habe mich direkt an einem Schwan versucht. Damals fand ich ihn toll“, lacht die 30-Jährige. „Aber rückblickend … naja“, winkt sie ab. Mit Geduld habe sie aber immer weiter geübt und nicht nur Anleitungen nachgebastelt, sondern auch eigene Figuren entworfen. Zu den eigenen Kreationen gehört etwa ein Pinguin mit einer Weihnachtsmütze. Selbst gestaltet hat sie aber auch zwei Schwäne, die ein Herz bilden und oftmals Träger von Geldgeschenken zur Hochzeit seien. „An dem Weihnachtspinguin habe ich einen Monat getüftelt. Und jetzt ist er perfekt“, freut sich die Bastlerin. Mit ihren Basteleien habe sie die plötzliche Freizeit gefüllt, die sie hatte, nachdem sie einen Job mit Zeit für Hobbys gekündigt hat.

Kleine Faltkunstwerke werden gerne verschenkt

Viele Freunde hat Schmidt schon mit ihren Tierchen beschenkt. „Aber irgendwann war auch daheim alles voll mit meinem Origami“, erinnert sie sich. Weil ihr Mann praktischerweise Webdesigner ist, gestaltete der ihr eine Internetseite mit einem kleinen Online-Shop. Dort bot sie ihre ersten Figuren an. „Und dann lag es irgendwann nah, auch auf Märkte zu fahren.“ Dabei verkauft Schmidt nicht nur fertige Tierchen, sondern auch von ihr vorgefaltete Steckmodule zum Selberbasteln - „wenn jemand keine Lust auf das Falten hat“.

Ihre kleinen Kunstwerke verkauft Schmidt auf Märkten im gesamten Landkreis. Derzeit faltet sie fleißig die Steckmodule, um neue Figuren für den Biedenkopfer Markt und für den Adventsmarkt in Großseelheim im November fertigen zu können. Besonders einen Vorrat an Mini-Eulen muss sie anlegen. „Die werden immer noch am liebsten verschenkt“, verrät sie. Dabei seien die kleinen Faltkunstwerke meist Träger für Gutscheine und Geld - und könnten hinterher noch gut als Stiftehalter oder Dekoration verwendet werden.

Auch einen Origami-Grundkurs plant Schmidt schon: „Ich werde immer wieder von Menschen gefragt, wie 3D-Origami funktioniert“, sagt sie. Kreativität und Handarbeit seien heute wieder sehr beliebt - daher sammle sie derzeit Namen von Interessenten, um bald zu einem solchen Kurs einladen zu können. Derzeit arbeitet sie auch noch an kleinen Erklärvideos, um anderen Menschen ihr Hobby näherzubringen. Die Videos will Schmidt auch auf ihrer Website einbinden und dort zeigen, wie Eule und Fuchs zusammengesteckt werden. „Im Internet findet man fast nur kompliziert erklärte Videos auf Englisch. Das möchte ich gerne besser machen.“ Und so hoffentlich noch einige Menschen mehr für ihre liebste Variante der japanischen Faltkunst begeistern.

An kalten Abenden lässt es sich am besten falten

Damit pausiert sie jetzt erst mal ein wenig: „Im Sommer lässt es sich nicht so gut falten wie an kalten Abenden im Herbst oder Winter“, verrät sie. Das Sommerwetter genieße sie lieber draußen in der Natur, wo sie wieder Lust an einem alten Hobby bekommt: „Früher war ich bei den Pfadfindern. Das Hobby will ich irgendwann wieder aufnehmen“, verrät sie. Bis es so weit sei, müsse sie aber noch einige Tiere für die Märkte vorbereiten. „3D-Origami ist immer noch ein Hobby. Aber wer kann schon mit seinem Hobby Geld verdienen?“

Hintergrund

Beim klassischen Origami entstehen aus einem einzelnen Blatt Papier, das meist quadratisch ist, allein durch Falten plastische Figuren. Zu Beginn des siebten Jahrhunderts wurde das Papier – eine chinesische Erfindung aus der Zeit vor Christi Geburt – nach Japan gebracht. Dort erlebte das Papierfalten zwei große Blüten. Vermutlich wurden aber nicht einfach Tiere zum Zeitvertreib gefaltet, denn damals war Papier sehr teuer. Das Falten diente wohl eher rituellen Zwecken. Auch in Europa entwickelte sich in späteren Jahrhunderten eine eigenständige Kunst des Papierfaltens. In allen Kulturen wurden dabei mit der Zeit die Figuren immer komplexer.

Die Bezeichnung Origami kommt aus dem Japanischen und bedeutet soviel wie „Papier falten“, denn oru ist das Wort für falten und Kami das Wort für Papier.

Das 3D-Origami ist auch bekannt als Tangrami und ist vor allem in China verbreitet.

von Patricia Grähling

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