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Mit Fingerspitzengefühl und Geduld

„Zeiteninsel“-Workshop Mit Fingerspitzengefühl und Geduld

Stich für Stich wird der Bast festgezurrt und die Gräser oder dünnen Äste zu einer Spirale geformt. So entstehen bereits seit der Steinzeit – und auch heute noch – Gefäße aus natürlichen Ressourcen.

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Gewickelt und vernäht: Mit Raffiabast werden die Binsen oder getrockneten Gräser zu einer Spirale gelegt. So entstehen später Untersetzer oder kleine Schalen.

Quelle: Carolin Acker

Argenstein. Zwischen Binsen, Birkensträuchern und Gräsern sitzt eine Gruppe im Kreis – Frauen, Männer und Kinder – alle beschäftigt und konzentriert auf ihre Hände. Genau so saßen Familien, Freunde und Bekannte vielleicht in der frühen Steinzeit zusammen, tauschten sich aus und fertigten Schalen, Körbe oder Untersetzer mit ihren Händen.

Beim Workshop am Sonntag auf der „Zeiteninsel“ in Argenstein haben 15 Teilnehmer gelernt, wie sie mit Fingerspitzengefühl und viel Geduld Gefäße aus Naturmaterialien fertigen können. Workshop-Leiterin Monika Mosburger erklärt drei Techniken, Naturmaterial zu Gefäßen zu formen. So entstehen die unterschiedlichsten Muster und Formen: entweder wird der Wickelbast als Zierde oder die grünen Stränge bleiben gut sichtbar.

Frisch gepflückt werden die Binsen verarbeitet

Vorher haben die Teilnehmer die Binsen frisch gepflückt. Diese wachsen meist in Feuchtgebieten und auch auf dem Gelände der „Zeiteninsel“ in Argenstein. Nach einer kurzen Einführung in die Wulst-Wickeltechnik konnten die Teilnehmer das Gelernte selbst ausprobieren. Dazu werden  fünf bis sechs grünen, dünnen Binsen zu einem Strang gelegt und spiralförmig aufgewickelt. Die Binsen bilden dabei die sogenannte „Wulst“ und werden mit Raffiabast umwickelt. Stich für Stich werden die Binsen dann mit einer Stopfnadel mit dem Bast umstochen und zu einer Spirale geformt.

„In der Steinzeit haben die Menschen Lindenbast dafür verwendet. Wir nehmen heute Raffiabast, da dieser haltbarer ist und einfacher zu verarbeiten“, erklärt Monika Mosburger (Foto: Carolin Acker). „Also genau das richtige Material für die ersten Versuche.“ So entstehen nach und nach runde Untersetzer oder kleine Schalen, wenn der Bast etwas straffer gezogen wird.

Bewährte Technik von der Steinzeit bis heute

Die Wulst-Wickeltechnik stammt wahrscheinlich aus der frühen Steinzeit, stellt Mosburger fest. Die Menschen haben zu dieser Zeit noch keine Gefäße aus Ton geformt, sondern ihre Schüsseln oder Körbe aus wildwachsenden Materialien hergestellt. So wie die Workshop-Teilnehmer am Sonntag auf der „Zeiteninsel“.

Mit dieser Technik werden auch heute noch Gefäße gefertigt. Dazu hat die Workshop-Leiterin ethnische Schüsseln mitgebracht, zum Teil in einem Geschäft gekauft, aber auch Schalen, Untersetzer und kleine Körbe, die sie selbst gefertigt hat. „Wir lernen alle gemeinsam“, sagt sie. Denn die Technik hat sich Monika Mosburger selbst erst im Frühjahr angeeignet und bietet den Workshop zum ersten Mal an. Für den Internationalen Museumstag im Mai auf der „Zeiteninsel“ hat sie die Technik erlernt und angefangen, kleine Schüsseln und Untersetzer herzustellen. „Es ist schön zu wissen, was man aus natürlichen Materialien – vielleicht sogar aus dem eigenen Garten – herstellen kann“, sagt Mosburger.

Ob mit Binsen, getrockneten Gräsern oder Birken-Geäst, was aus den Naturmaterialien entsteht, ist echte Handarbeit und jedes Stück ein Unikat.

 
Termin
Die nächste Veranstaltung des Archäologischen Freilichtmuseums „Zeiteninsel“ ist die offene Bronzewerkstatt. Am 3. und 4. September können die Teilnehmer zwischen 10 und 17 Uhr unter der Leitung von Ralf Gössling und Stefan Heeb eigene Projekte zum Thema Bronzeguss herstellen.

von Carolin Acker

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