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„Mist bauen“ endet mit Gefängnisstrafe

Überfall auf Aldi-Markt „Mist bauen“ endet mit Gefängnisstrafe

Weil er offenbar nicht wusste, wie er 600 Euro Schulden begleichen sollte, kam ein Mann auf die Idee,einen Einkaufsmarkt zuüberfallen. Dafür muss er nun für zwei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis.

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Der Aldi-Markt in Hachborn wurde am 26. Juni überfallen. Zu der Tatzeit spielte gerade die Nationalelf live in Brasilien.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Am 26. Juni dieses Jahres lief gerade in Brasilien die Fußball-WM. Um 18.40 Uhr hiesiger Zeit spielte Deutschland gegen das Team USA. Im Aldi Markt in Hachborn war deshalb wie auch anderswo weit weniger Betrieb als sonst. Dies wollte sich ein 36-jähriger Mann aus dem Ostkreis zu Nutze machen. Er passte einen Augenblick ab, als die diensthabende Kassiererin alleine an der Kasse war, kaufte eine Schachtel Zigaretten, bezahlte diese zunächst auch, um dann im nächsten Augenblick als die Kassiererin die Kasse aufmachte, eine kleine Pistole auf sie zu richten. Mit den Worten „Kohle her“ führte er schließlich seinen geplanten Überfall mit Waffengewalt aus. Er griff in die Kasse nach den Scheinen und ließ sich noch ein paar Rollen Hartgeld in eine Tüte aushändigen. Dann verließ er den Markt und lief zu seinem auf einem nahen Feldweg geparkten Wagen.

Auf den Weg nach Hause fühlte er sich allerdings verfolgt. Dieser Eindruck war richtig. Zwei Kunden des Marktes hatten die Verfolgung aufgenommen. Der 36-Jährige kehrte in seine Wohnung zurück, in der er mit seiner langjährigen Freundin zusammenlebt. Während diese Fußball schaute, sagte er ihr, dass er „Mist gebaut“ habe. Er sei nicht joggen gewesen und er erwarte nun den Besuch der Polizei. Diese kam dann auch und nahm ihn mit.

Beim ersten Verhör in der Nacht leugnete der Mann noch die Tat, doch wenige Stunden später machte er mit einem umfangreichen Geständnis reinen Tisch. Er führte die Polizei an zwei Plätze. An einem Baum auf einem Parkplatz in Kirchhain hatte er die Geldscheine in einem Handschuh abgelegt, er wollte nicht, dass man das Geld bei ihm zu Hause findet. An einem weiteren Ort, noch in der Gemarkung Hachborn, hatte er seine dunkle Kleidung und das Münzgeld abgelegt. Insgesamt erbeutet hatte er um die 1800 Euro. Was wie eine irrwitzige Idee anmutete, musste vor dem Landgericht natürlich nach dem Strafgesetz bewertet werden.

Richter erkennt kriminelle Energie

Der Vorsitzende Richter Carsten Paul bescheinigte dem Angeklagten trotz seiner Einsicht und gezeigten Reue ein hohes Maß an krimineller Energie. Warum? Weil er den Überfall durchaus über mehrere Tage geplant hatte. Den Markt in Hachborn hatte er sich deshalb ausgesucht, weil er etwas abseits liegt und die Polizei einen langen Anfahrtsweg hat. Er hatte sich zudem Wechselkleidung mitgenommen, um nicht direkt anhand der Kleidung wiedererkannt zu werden. Und was wohl am schwersten wog, er hatte sich bewaffnet.

Wenn auch nur mit einer nicht funktionsfähigen Schreckschusspistole, die er aber so herrichtete, dass sie möglichst echt aussah. Ob echt oder nicht, das konnte die später damit bedrohte Kassiererin sicherlich nicht erkennen und musste während des Überfalls auch mit dem Schlimmsten rechnen. Vor Gericht sagte sie gestern aus, dass sie das Erlebnis gut weggesteckt habe, keine psychologische Hilfe benötige. Der Angeklagte nutzte das Zusammentreffen vor Gericht, um sich bei ihr zu entschuldigen.

Er habe vor der Tat nicht daran gedacht, was er der Person antut, die er konkret überfällt. Im Nachhinein habe er aber sehr oft an sie gedacht und es bedauert. Richter und Schöffen zeigten sich letztendlich etwas ratlos darüber, dass das Motiv für den Raubüberfall lediglich die Begleichung der Schulden gewesen sein soll. Die Schwere der Tat sei nicht zu verharmlosen, begründete Paul später das Urteil von zwei Jahren und zehn Monaten Gefängnisstrafe.

„Wir sind dem Angeklagten schon entgegengekommen, mehr geht aber nicht“, sagte er in Richtung Verteidigerin, Rechtsanwältin Nadin Nitz, die eine Strafe unter zwei Jahren forderte, die dazu noch zur Bewährung ausgesetzt wird. Das Urteil ist indessen noch nicht rechtskräftig.

von Götz Schaub

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