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Messer-Attacke bringt Gefängnisstrafe

Aus dem Gericht Messer-Attacke bringt Gefängnisstrafe

Weil ein alkoholsüchtiger Mann aus dem Südkreis seine ehemalige Freundin mit einem Messer angriff und mit dem Tod bedrohte, muss er voraussichtlich für ein knappes Jahr hinter Gitter.

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Quelle: Archivbild

Marburg. Sein uneinsichtiges Verhalten seinem Suchtproblem gegenüber kostete den Mann die Bewährung. Jahrelange Alkoholexzesse und sein aggressives Verhalten im Rauschzustand brachten den 60-Jährigen aus dem Südkreis wegen gefährlicher Körperverletzung sowie mehrerer Fälle von Diebstahl vor das Marburger Amtsgericht.

Ende vergangenen Jahres hatte der angetrunkene Mann einen Streit mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin begonnen, mit der er im selben Haus lebte. In seinem Rausch beschimpfte er die 54-Jährige ohne besonderen Grund und beleidigte sie mit unflätigen Ausdrücken. Aus einer Küchenschublade holte er schließlich ein scharfes Fleischermesser hervor und richtete es in bedrohlicher Weise auf die entsetzte Frau, drohte ihr mit den Worten „ich bringe euch alle um“. So lautete es in der Anklageschrift. Die verängstigte Frau rief daraufhin laut nach ihrem Sohn, der sich in einem anderen Zimmer aufhielt. Der alarmierte junge Mann kam hinzu und stellte sich vor seine Mutter. Er versuchte dem laut schreienden Angreifer das Messer zu entwinden, mit dem dieser „in der Luft herum fuchtelte“, sagte der Zeuge aus. Dabei erlitt er einen kleinen Schnitt an der Hand. Der Sohn warf den Betrunkenen schließlich zu Boden, nahm ihm das Messer ab und hielt ihn fest, während die Mutter die Polizei verständigte. Neben der Körperverletzung wurden dem Mann sechs weitere Fälle von Diebstahl vorgeworfen. Anfang dieses Jahres soll der Angeklagte in verschiedenen Marburger Supermärkten mehrere Dosen Bier und Nahrungsmittel gestohlen haben. Teilweise verzehrte und trank er die Produkte noch vor Ort in den Geschäften.

"Ich würde nie jemanden absichtlich verletzen"

Vor Gericht gab der Angeklagte seine Taten teilweise zu, stellte die gewalttätige Attacke jedoch anders dar. Mit dem Messer wollte er sich angeblich nur eine weitere Flasche Bier öffnen und habe nur „aus Spaß“ damit herumgewedelt und scherzhaft gedroht, gab er vor Gericht an. Die Verletzung des jungen Mannes sei ein Unfall gewesen. „Das war dumm, aber ich würde nie jemanden absichtlich verletzen“, so der Angeklagte.

Dies sahen die Zeugen anders. „Ich fühlte mich ernsthaft bedroht und hatte Panik“, betonte die Geschädigte. Die Attacke war zudem nicht der erste Angriff gegen die Frau. Der Mann ist dreifach vorbestraft, stand bereits vor zehn Jahren wegen eines Gewaltdeliktes vor Gericht und verbrachte einige Zeit in einer Entziehungsanstalt, weil er seine Partnerin massiv gewürgt hatte. Nach der Trennung suchte der Angeklagte seine ehemalige Freundin weiterhin regelmäßig auf und belästigte sie über Monate hinweg, bestätigten zwei Polizisten, die als Zeugen auftraten. Gegen das von ihr erwirkte Kontaktverbot verstieß er mehrfach. Der verzweifelten Frau wuchs die Situation über den Kopf. Aus Mitleid nahm sie ihn wieder in dem gemeinsamen Haus auf und kümmerte sich um den, durch sein Suchtverhalten in unhygienischen Verhältnissen lebenden, Mann. Auch nach der letzten Tat tauchte er bis Anfang dieses Jahres immer wieder vor dem Haus der Frau auf.

Amtsanwalt fragt: „Wollen Sie sich tot saufen?“

Vor Gericht wurden das massive Alkoholproblem des Mannes ausgiebig erläutert. Er nehme seit über 40 Jahren regelmäßig Alkohol zu sich, gab der Angeklagte zu. Mit der Zeit konsumierte er immer mehr Bier und Schnaps, endete schließlich in einem andauernden Suchtverhalten. Mehrere Therapien erzielten keinen anhaltenden Erfolg. „Ich bin immer wieder abgerutscht“, erklärte der Mann. Er müsse weniger trinken, das sah er zwar ein, lehnte jedoch eine weitere vom Gericht vorgeschlage Langzeittherapie entschieden ab. „Ich weiß nicht, was wir mit Ihnen machen sollen, wollen Sie sich tot saufen?“, versuchte Amtsanwalt Peter Heinisch den Mann zu einer Einsicht zu bewegen.

Aufgrund der anhaltenden Weigerung des Angeklagten, seine problematische Situation zu ändern, sah das Gericht keine günstige Sozialprognose und somit keine Bewährungsgrundlage für den Süchtigen. Das Gericht sprach dem Mann jedoch eine verminderte Schuldfähigkeit zu. Straftrichter Dominik Best verurteilte den Mann wegen gefährlicher Körperverletzung sowie Diebstahl in sechs Fällen, zwei davon in Tateinheit mit Hausfriedensbruch, zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten.

von Ina Tannert

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