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Messbares Glück im Hanf

Hanflabyrinth Messbares Glück im Hanf

Der Rausch bleibt aus. Den Nutzhanf auf einem Feld bei Wenkbach könnte man wohl rauchen, aber er enthält keine psychoaktiven Cannabinoide. Die derzeit bis zu zwei Meter hohen Pflanzen dienen
einem anderen Zweck.

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Mitglieder des Jugendrotkreuzes aus Bad Homburg durften das Labyrinth am Dienstag als Testgruppe schon einmal besuchen. Kathrin und Sonia testeten das Glücksbarometer.

Quelle: Thorsten Richter

Wenkbach. Auf Irrwegen unterwegs zu sein, ist hier Programm – auf „Irrwegen ins gute Leben“. Diesen Titel haben die Macher des Hanflabyrinths zwischen Niederweimar und Wenkbach ihrem Erlebnisparcours gegeben. Ab kommenden Sonntag, 15 Uhr, ist der 2,4 Hektar große Irrgarten für Besucher geöffnet und bietet eine grüne Reise zu den Grenzen des Wachstums.

„Hier geht es um Fragen, die uns bewegen – die Antworten findet am besten jeder selbst“, sagt Manuel Kästner vom mittelhessischen Verein Motivé, der sich im Jahr 2007 gegründet und Projekten verschrieben hat, die für eine bessere und gerechtere Welt sorgen wollen. Motivé pflanzte bereits 2011 ein Hanf-labyrinth bei Niederweimar an, damals als Klimaparcours. Dazu passt der Hanf perfekt, denn die wachstumsstarke Pflanze bindet viel CO2 – mehr als 30 Tonnen schafft das diesjährige Feld. „Da kann kaum eine andere Pflanze mithalten“, sagt Kästner.

Hanflabyrinth Niederweimar. Foto: Thorsten Richter (thr)

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Der Irrgarten liefert an neun Stationen neue Denkanstöße. Es geht ums Spannungsverhältnis zwischen Wirtschaftswachstum und der ökologischen Tragfähigkeit des Planeten. Am Wachstums-Xylophon machen Rundhölzer Musik. „Hier spielt jeder seine eigene Wachstums-Melodie“, sagt Manuel Kästner und demonstriert, wie das geht: mit einem Stab die Rundhölzer anschlagen – die langen klingen anders als die kurzen. Jedes Rundholz und jeder Klang steht für eine Jahreszahl. Dahinter verbergen sich Fakten: Im Jahr 2015 besitzen mehr als 50 Millionen Menschen ein Auto und die Hälfte aller Strecken werden mit dem Auto zurückgelegt.

„Das Ziel ist, dass die Besucher auch die eigenen Verhaltensweisen überdenken“, erklärt Kästner und stellt die Frage, die auf dem Hanfacker bei Wenkbach entscheidend ist: „Wie können wir so leben, dass unsere Enkel noch etwas von der Erde haben?“ Regionalere Strukturen könnten helfen, eine stärkere Berücksichtigung sozialer Aspekte – oder auch, wenn die Menschen die Nachhaltigkeit stärker im Auge behielten bei allem Konsum. Apropos Konsum: Macht der eigentlich glücklich? Oder gehen Freunde und Familie vor? Eine schöne Wohnung? Im Hanf-Irrgarten bedienen sich die Besucher eines Barometers, um ihre eigenen Glücksfaktoren zu ermitteln.

Entschleunigung an der Zeitstation

Und dann geht es um die Zeit. Die Menschen hierzulande hatten gefühlt wohl nie weniger davon, „dabei bedienen sie sich mehr alltagserleichternder Geräte denn je zuvor“, beschreibt Manuel Käster ein merkwürdiges Phänomen. Man bedenke nur, wie viel Zeit das Waschen der Wäsche früher per Hand in Anspruch genommen haben mag. Be- und Entschleunigung im Hanffeld – wie viel Tempo ist sinnvoll und wie viel Multitasking kann der Mensch eigentlich vertragen? Die Zeitstation regt zum Nachdenken über ein besonders kostbares Gut an, das allen Menschen Tag für Tag in gleichem Maße zur Verfügung steht.

Bei so vielen Denkanstößen braucht es auch einen Ruhepol. Den hat das Hanffeld-Team mit seinen rund 20 Mitarbeitern unter einer Kuppel mitten zwischen den Grünpflanzen errichtet. Für drängende Bedürfnisse gibt es eigens gebaute Kompost-Toiletten in zwei aufwändig gezimmerten Holzkabinen. Ein Holzturm mit Kinderrutsche überragt die Pflanzen und bietet Orientierung,  „denn der Hanf wird noch bis zu vier Meter hoch“, sagt Kästner. Der Verein Motivé bereitet den Hanf-Irrgarten seit Anfang des Jahres vor. Wie schon 2011 hat der Niederweimarer Bio-Bauer Matthias Happel ein Feld zur Verfügung gestellt – Aussaat war im April.

Finanzierung teilweise durch Crowdfunding

Die Stationen sind diesmal ausgeklügelter als beim ersten Hanf-Irrgarten. „Wir haben manches verändert – diesmal wird es interaktiver“, erklärt Kästner. Rund 50 000 Euro sind einschließlich der Bezahlung für Honorarkräfte in den Aufbau des Erlebnisparcours geflossen – ein Teil davon wird durch Fördermittel finanziert. „Den Rest wollen wir durch Crowdfunding und die Eintrittsgelder hereinholen.“ Damit viele Menschen in den Irrgarten kommen, gibt es auf einer grünen Bühne im Feld von Juli bis September immer wieder Programm – von der Kreativwerkstatt bis zum Kindertheater. Von Sonntag, 28. Juni, ab 15 Uhr bis zum 3. Oktober ist das Labyrinth freitags von 14 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Eintrittspreise: Kinder ab 12 Jahre zwei Euro, Erwachsene drei Euro. Führungen werden für Schüler ab der achten Jahrgangsstufe und andere Gruppen angeboten.

von Carina Becker

Führung durchs Hanflabyrinth
Anmeldung zur Führung, weitere Infos, das Programm für die „grüne Bühne“ und ein Video gibt es auf der Homepage oder auf der Crowdfundingplattform.
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