Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Mehr als tausend Seiten über Fronhausen

Dorfchronik Mehr als tausend Seiten über Fronhausen

Vor 850 Jahren endete ein großer Streit von Kirchenmännern und -frauen um ein kleines Dorf.

Voriger Artikel
Festzug ist der Höhepunkt der Feier
Nächster Artikel
„Ein ganzes Dorf, das feiert heut“

Das druckfrische Buch zur Dorfgeschichte Fronhausens stößt bei Jung und Alt auf großes Interesse. Hier schmökern Paula und Silva Becher-Kienle, Martina Koch, Herma Kreis, Erwin Müller und Tim Rohrmann in dem reich bebilderten Wälzer. Foto: Kienle

Fronhausen. 30 Jahre lang hatten sich Pfarrer von Oberweimar und Äbtissinnen von Essen um die kirchlichen Rechte in Fronhausen an der Lahn gezankt. Schließlich schaltete sich der Erzbischof von Mainz ein, um die Jahrzehnte dauernde Auseinandersetzung zu beenden. Und so wurde Vronehusen, wie der Ort damals hieß, durch erzbischöflichen Erlass in den Zugehörigkeitsbereich des Stiftes Essen gestellt. In den folgenden Jahrhunderten löste sich Fronhausen langsam aus dem Herrschaftsbereich der Abtei Essen und geriet unter den Einfluss der Landgrafschaft Hessen. Dieser Abschnitt im Werdegang des schmucken Fachwerkdorfes stand bei der Namensgebung für das Buch zur Dorfgeschichte Pate: „Von Essen nach Hessen“ ist der Titel des Werkes, das es ab jetzt – also pünktlich zum Festwochenende der 850-Jahr-Feier Fronhausens – zu kaufen gibt.

Wer nun ein schmuckes, kleines Hochglanzheftchen erwartet, der liegt ziemlich daneben: Rund 40 Autorinnen und Autoren haben mit viel Herzblut und Engagement über 100 durch Fotos und Abbildungen illustrierte Beiträge verfasst und so einen stattlichen Wälzer produziert. Mit seinem ansprechenden, nachtblauen Hardcover-Einband und dem Lesebändchen, welches das Schmökern durch die 1.184 Seiten erleichtert, ist das Werk sicherlich nicht nur für die Bücherregale aller Fronhäuser Haushalte eine Zierde. Im Buch enthalten ist eine CD, auf der unter anderem das Geläut der Fronhäuser Kirchenglocken, Darbietungen verschiedener Fronhäuser Chöre und in Fronhäuser Platt vorgetragene Stücke früherer und heutiger Heimatdichterinnen und Heimatdichter zu hören sind.

„Das Große Schreiben fing vor zwei Jahren an“, erinnert sich Renate Hildebrandt, die zusammen mit Friedrich von Petersdorff und Professor Siegfried Becker das Redaktionsteam bildete. Der „Arbeitskreis Dorfgeschichte“, eine Gruppe des Verkehrs- und Verschönerungsvereines Fronhausen hatte im Vorfeld durch eine Auswahl einzelner Hauptthemen das Gerüst zum Inhalt des Buches gelegt und dieses wurde anschließend nach und nach mit viel Spannendem und Informativem aus achteinhalb Jahrhunderten Fronhäuser Geschichte gefüllt.

„Der Band enthält sowohl wissenschaftliche wie auch nicht-wissenschaftliche Beiträge, die sich durch die unterschiedlichen Perspektiven gut ergänzen und zusammenfügen. Die Vielfalt der Themen kann nicht in Kürze wiedergegeben werden“, so das Statement des dreiköpfigen Redaktionsteams. Um allen „Leseratten“ trotzdem schon einmal einen „Vorgeschmack“ auf das Buch zu verschaffen, seien hier trotzdem einige Themen kurz erwähnt: Untersuchungen zur Baugeschichte lassen die alte Fronhäuser Kirche in einem völlig neuen Licht erscheinen. Kurzbiografien bringen dem Leser bedeutende Töchter und Söhne Fronhausens näher. Es wird von Wunderheilungen an Fronhäusern berichtet, vom mittelalterlichen Annenkult, von der Pferdezucht und der Landwirtschaft. Der Leser kann sich über das „Hasenhüten“ genau so kundig machen, wie über das Dorfleben von einst oder die Jüdische Gemeinde, die es einmal in Fronhausen gab.

Das prächtige Erscheinungsbild des Buches „Von Essen nach Hessen“ ist nicht zuletzt auch ein Verdienst des Grafikers Tom Engel aus Roßberg in Ebsdorfergrund. „Der Einsatz von Tom Engel ging weit über seinen eigentlichen Auftrag hinaus“, so Renate Hildebrandt voll Anerkennung. „Er stand uns immer wieder beratend zur Seite und nahm an allen Redaktionssitzungen teil. Das war auf weiten Strecken sein purer Idealismus und er war uns eine große Stütze und Beratung.“ „Von Essen nach Hessen" setze mit seinem Erscheinen am jetzigen Wochenende keinesfalls einen Schlusspunkt, so Renate Hildebrandt, Friedrich von Petersdorff und Siegfried Becker abschließend. Das könne der Band auch niemals, „da Geschichte von kommenden Generationen neu geschrieben werden wird."

von Heike Kienle

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Südkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr