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Marion Fuchs ist immer zur Stelle

Danke fürs Ehrenamt Marion Fuchs ist immer zur Stelle

Zweimal Kinderturnen an einem Abend und hinterher noch Damengymnastik. Der Einsatz von Marion Fuchs in Fronhausen dauert seit drei Jahrzehnten an. Auch über den Sport hinaus mischt die 52-Jährige kräftig mit.

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Fronhausen. „Da haben Sie aber auch wirklich die Richtige erwischt.“ Diesen Satz hat Reinhold Beck, Geschäftsführer des Vereins zur Förderung des Ehrenamts, in den vergangenen Tagen öfter gehört, wenn er erzählt hat, dass Marion Fuchs aus Fronhausen eine von fünf Preisträgern ist, die in der Kampagne „Danke fürs Ehrenamt“ für ihr beispielhaftes Engagement ausgewählt wurden. Marion Fuchs selbst würde das eher nicht so sehen. „Ehrungen sind gar nicht so mein Ding“, sagt sie und lächelt ein bisschen verlegen, „ich finde das ja selbstverständlich was ich hier mache“.

Marion Fuchs hat sich dann doch entschlossen, den Dank anzunehmen, den der Förderverein fürs Ehrenamt ihr aussprechen wollte - schließlich hat eine ihrer Gymnastik-Frauen, Marion Lather, sie vorgeschlagen. „Und dann wollte ich die Gelegenheit auch beim Schopfe packen, um mal zum Thema freiwilliges Engagement etwas zu sagen“, erklärt Marion Fuchs und kramt schon nach einem Zettel, auf dem sie sich Stichworte gemacht hat. Doch vorerst herrscht zu viel Trubel in der Turnhalle in Fronhausen.

Die Turnkinder sind eingetroffen und beginnen mit ihren Übungen. Diese Gruppe der Jüngsten leitete Marion Fuchs jahrelang - inzwischen hat sie eine Kinderturngruppe abgegeben. Trotzdem: Der Montagabend steht für die waschechte Fronhäuserin immer noch ganz im Zeichen des Turnens - erst mit den Jungen und Mädchen, dann mit den Frauen. „Da gibt es kein Vertun bei der Marion“, erzählt deren Namensvetterin Marion Lather. „Auch, wenn mal nur zwei oder drei Frauen zur Gymnastik kommen und ich schon überlege, ob ich mich überhaupt umziehen soll. Die Marion sagt dann: ‚Klar, macht euch fertig - wir sind jetzt hier, jetzt wird auch geturnt. Und dabei habe ich in fünf Jahren keine einzige Stunde erlebt, die wie eine andere zuvor gewesen wäre“, berichtet sie über die Abwechslung, die die Übungsleiterin den Teilnehmern bietet.

Sport mit Marion Fuchs - das kommt gut an in Fronhausen. „Das ist auch das Schönste daran, wenn die Frauen nach eineinhalb Stunden Gymnastik glücklich sind und sich wohl fühlen“, berichtet die Übungsleiterin, die für ihren Einsatz noch nie einen Cent bekommen hat. „Geld dafür, wieso denn das?“, fragt sie. „Als meine Kinder klein waren, bin ich doch auch mit ihnen zum Kinderturnen gegangen - ich habe damals davon profitiert, da ist es doch normal, dass ich dann auch für andere etwas tue.“ So sieht Marion Fuchs das.

Die Eltern als Vorbild für den freiwilligen Einsatz

Der 52-Jährigen wurde der Blick für den Einsatz im Dorf quasi in die Wiege gelegt. Die Mutter war im Sportverein ehrenamtlich im Einsatz und ist heute mit 78 Jahren noch Übungsleiterin. Der Vater - ebenfalls ein Ehrenamtler, engagiert sich im Verschönerungsverein.

Der Ehemann musste da freilich auch mitziehen, sobald er Marion Fuchs geheiratet hatte. Und die Söhne rücken auch so allmählich nach, einer von ihnen hat bereits eine Jugendleiter-Qualifikation. „Das hat bei uns schon immer dazugehört - und das macht das Leben hier im Dorf ja auch aus“, findet Marion Fuchs. Marion Lather pflichtet ihr bei: „Wenn ich für die Gymnastik immer erst nach Marburg fahren müsste und das Angebot nicht hier vor der Tür hätte, dann müsste ich mir das auch erst überlegen - doch so stehen die Termine für mich fest.“

Die Arbeit als Übungsleiterin für die Damen fing bei Marion Fuchs vor etwa drei Jahrzehnten an. Das Kinderturnen kam durch die eigenen Kinder dazu. Elternbeiratsarbeit im Kindergarten und in der Schule - auch das hat Marion Fuchs schon gemacht. Zudem ist sie im Verschönerungsverein, bei Nikolausfeiern oder bei den Ferienspielen eine von jenen, die auf jeden Fall gefragt wird: „Kannst du da auch was machen?“ Und sie kann, eigentlich immer.

Das war auch so, als im Vorstand der Sportgemeinde das Personal fehlte. Da sprang Marion Fuchs ein. Weil der Einsatz im Dorf und für die Gemeinschaft für die Fronhäuserin in etwa so selbstverständlich ist wie für andere Menschen das Zähneputzen. „Man bringt ja nicht nur etwas mit dorthin, man bekommt auch etwas zurück“, erklärt die 52-Jährige, die in all den Jahren ihre Ehrenämter neben der Familie und dem Beruf als Biologielaborantin erfüllt hat.

Und dann wird es Zeit für Marion Fuchs‘ Zettel. Darauf hat sie sich Notizen gemacht, vor allem als Appell an jüngere Menschen. „Ich will mal erzählen, was der freiwillige Einsatz so alles bringt“, sagt sie. Viel ist ihr eingefallen, beispielsweise, dass Vereine ihre Mitarbeiter weiterqualifizieren und dafür auch zahlen - etwa bei einer Übungsleiter-Ausbildung.

„Man lernt im Ehrenamt wirklich fürs Leben“

Dass man Teamfähigkeit lernt, den Umgang mit Konflikten übt, die Präsentation vor anderen Menschen. Dass man Planen und Organisieren lernt im Verein. Und vor allem, dass all dies Fähigkeiten sind, mit denen man andere auch überzeugen kann.

„Jüngere sollten dies ruhig mal ausprobieren und auch in ihren Bewerbungsschreiben und Lebensläufen darüber berichten“, rät Marion Fuchs, „das wird gesucht und geschätzt, denn bei der Mitarbeit im Verein, der Kirche oder anderen Organisationen lernt man wirklich fürs Leben“, sagt sie. Und dann muss sie auch schon weiter. Ihre Turnkinder sind jetzt eingetroffen und warten darauf, dass „die Marion“ mit der Turnstunde anfängt. Zuvor gibt es von Eltern und Kindern in der Turnhalle einen herzlichen Applaus für eine Frau, die seit Jahrzehnten so viel für die Menschen tut.

von Carina Becker

Hintergrund
Mitte September dieses Jahres rief der Verein zur Förderung des Ehrenamts im Landkreis zur Nominierung auf: Wer leistet ohne Bezahlung etwas Besonderes für andere Menschen? Das war die Leitfrage. 44 Vorschläge gingen bei der Jury der Kampage „Danke fürs Ehrenamt“ ein – 44 beeindruckende Geschichten über freiwilliges Engagement. Die Jury hat fünf Preisträger ausgewählt, ihnen Danke gesagt und sie beschenkt bei einem Überraschungsbesuch daheim oder an ihren Wirkungsstätten. Die OP stellt diese fünf Menschen in dieser Woche vor – bis einschließlich Freitag, dem Internationalen Tag des Ehrenamts. Fünf beispielhafte Geschichten über Menschen, die für andere da sind.
Teil 1: Marion Fuchs, Fronhausen
Teil 2: Silvia Schleicher, Marburg
Teil 3: Ursula Fischer, Heskem-Mölln
Teil 4:  Renate Debus, Biedenkopf
Teil 5: Otto Fuchs, Breidenbach 
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Tochter Stephanie Meister mit ihrer Tochter Sophia auf dem Arm, Fördervereins-Geschäftsführer Reinhold Beck und Maggy Biecker (rechts) freuen sich mit Ursula Fischer über den „Danke fürs Ehrenamt“.Foto: Carina Becker

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