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Lina Vogel: „Die glücklichsten Jahre meines Lebens“

10 Jahre Rettungsarche Lina Vogel: „Die glücklichsten Jahre meines Lebens“

Soziale Betreuung, Arbeit und neue Perspektiven – seit zehn Jahren ist die Rettungsarche Anker für zahlreiche vom Weg abgekommene Menschen. Mit einem großen Fest feierten Bewohner und Gäste das Jubiläum.

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Mehr als 200 Gäste konnten die Bewohner am vergangenen Samstag auf dem Hof der Rettungsarche in Dreihausen begrüßen.

Quelle: Ina Tannert

Dreihausen. Was vor über zehn Jahren mit einer einfachen Selbsthilfegruppe begann, wurde unlängst zu einem anerkannten Sozialwerk, bei dem „in Schieflage“ geratene Menschen neue Chancen auf einen Weg zurück ins normale Leben finden.

Rund 200 Gäste, zahlreiche ehemals Betreute samt Familien, Nachbarn, Unterstützer sowie Vertreter aus der Politik konnten die Bewohner des Hofguts in Dreihausen an ihrem großen Festtag begrüßen. Sie gaben Einblicke in ihre Lebens- und Arbeitswelt und einen Rückblick über die zehnjährige Erfolgsgeschichte der als Drogentherapieeinrichtung anerkannte Lebensgemeinschaft.

In dieser werden vor allem Menschen aus sogenannten Randgruppen, aus dem Ausland, vorwiegend russischsprachige Spätaussiedler betreut. Viele Bewohner drifteten bereits als Jugendliche in die Sucht ab, kriminelle Taten und häufig die Abspaltung von den Familien folgten: Gerade darum sei es immer wieder eine Freude, die Zusammenführung der Familien und sogar Hochzeiten mitzuerleben, betonte die Vereinsvorsitzende Lina Vogel (Foto: Ina Tannert). Sie lobte das anhaltende Engagement der Bewohner, der Unterstützer der Gemeinschaft und das gute nachbarschaftliche Verhältnis zu den Dreihäusern.

Jede Menge Anerkennung erhielt der Verein von den Festrednern, die eine funktionierende, bestens vernetzte Wohngemeinschaft „als Antwort auf die Notlage der Menschen“ lobten, sagte etwa Margarete Ziegler-Raschdorf, Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt nicht nur der Verein, sondern auch die Vorsitzende. Am Jubiläumstag feierte auch Lina Vogel Geburtstag, nämlich ihren 57. Die Gäste nutzten den doppelten Jahrestag, um sie mit  Blumen zu überraschen und für ihr Engagement zu loben.

Vogel legte Grundstein für Sozialwerk

Dieses begann bereits vor der Gründung der Organisation: Im Jahr 2003 legte die Theologin mit einer Selbsthilfegruppe für suchtkranke Straftäter in Hachborn den Grundstein für den späteren Aufbau der Selbsthilfeeinrichtung. Diese entstand 2009 auf dem Bauernhof in Dreihausen, heute verfügt die Organisation über ein zweites Haus in Schröck, das als Veranstaltungsbereich, als Raum für Gottesdienste und zur Nachsorge genutzt wird. Ein weiteres Gebäude in dem Marburger Stadtteil dient der Frauen-Wohngemeinschaft als Unterkunft.

Ganz nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ leben und arbeiten im Haupthaus rund 20 Menschen zusammen, bereits erfahrenere, therapierte Suchtkranke betreuen dabei die Jüngeren. Das suchtfreie Leben auf dem Hof in familiärer Atmosphäre sei eine der besonderen Stärken der Rettungsarche und wohl auch ein Grund, dass es gelang, „so viele Menschen wieder an Bord zu holen“, gratulierte Kreisbeigeordneter Manfred Hoim.

Nächstes Projekt: Hofladen mit Café

Neben dem landwirtschaftlichen Betrieb erweiterte die Einrichtung ihren Arbeitsbereich vor einigen Jahren um Lieferdienste, Maler-, Reinigungs- und Gartenarbeiten. Dieses Angebot sei nur allzu willkommen in der Gemeinde, lobte die Erste Beigeordnete, Elisabeth Newton, im Namen der Verwaltung die „große Hilfsbereitschaft und viel handwerkliches Geschick“ der Bewohner.

Auch in Zukunft möchte der Verein den Hofbetrieb weiter ausbauen und neue Wohnplätze schaffen. Die Warteliste wächst stetig, „unsere Kapazitäten sind erschöpft, wir beten für ein neues Haus“, sagte Vogel. Ein lange gehegter Traum wäre zudem ein eigener Hofladen samt kleinem Café für den Hof in Dreihausen.

Zurückblickend waren die vergangenen zehn Jahre „die glücklichsten Jahre meines Lebens“, zeigte sich Vogel gerührt von der Anerkennung der Gäste. Bis heute sei sie froh, ihren alten Beruf als Versicherungskauffrau zugunsten des Sozialwerks aufgegeben zu haben.

von Ina Tannert

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