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Lieferanten sollen Zahlen frisiert haben

Aus dem Gericht Lieferanten sollen Zahlen frisiert haben

Über Jahre hinweg lieferten die beiden Gesellschafter einer regionalen Firma Rohstoffe an die Biogasanlage in Heskem-Mölln. Nun stehen die Geschäftsführer wegen Betrugs vor Gericht.

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Hinter einem blühenden Rapsfeld schauen die Gärbehälter einer Biogasanlage hervor.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Zwischen den Jahren 2009 und 2011 waren die beiden Angeklagten dafür zuständig, die benötigten Rohstoffe für die Biogasanlage zu beschaffen. Die tatsächliche Menge an Silage soll dabei nicht mit der in Rechnung gestellten Summe übereinstimmen.

Bereits vor der Fertigstellung des Bauprojekts lagerten die Dienstleister im Auftrag der Betreibergesellschaft die nötigen Rohstoffe für die Anlage, beschafften diese von Landwirten aus der Region. Laut Anklage lieferten sie dabei deutlich geringere Mengen als sie sich von dem Abnehmer bezahlen ließen. Der mittlerweile insolventen Betreiberfirma soll ein Schaden von rund 100.000 Euro entstanden sein.

Die Beschuldigten bestreiten eine betrügerische Absicht ihrerseits, erklären die Unstimmigkeiten in der Abrechnung mit einer allzu groben Berechnungsgrundlage. Die Anschaffung der Silage als späteres „Futter“ für die Herstellung von Biogas lag bereits in ihrer Verantwortung lange bevor die Anlage 2012 offiziell den Betrieb aufnahm. Die beschafften Rohstoffe aus der Landwirtschaft wurden in Silos oder auf Feldern gelagert.

Durch Lagerung verliert Biomasse Flüssigkeit

Eben dieser Lagerprozess steht im Mittelpunkt der Diskussion vor Gericht. Denn: durch die Lagerung verliert die Biomasse Flüssigkeit und damit an Umfang sowie Gewicht. Auf den Verlust an Masse verweist die Verteidigung – diese sei der Grund für die Unstimmigkeiten der in Rechnung gestellten Mengenangaben.

Ein weiteres Problem: während der „holprigen Anfangsphase“ und zum Zeitpunkt der angeblichen Zahlendreherei verfügte die Anlage noch nicht über eine geeichte Waage, um das Gewicht der Silage genau bestimmen zu können. Lediglich das Volumen wurde durch einen Vermessungsingenieur bestimmt. „Es wurde grob vermessen, so dass die Mengen weitestgehend passten“, teilte ein ehemaliger Geschäftsführer des Betreibers mit.

„Ein gewisser Schwund wurde eingerechnet“

Dass die gelagerte Masse durch den Flüssigkeitsverlust abnahm, war jedoch bekannt und eingeplant, „ein gewisser Schwund wurde eingerechnet“. Auch abzüglich dieses Verlustes passten die Zahlen für die Betreibergesellschaft jedoch nicht zusammen, „es fehlte etwas, die Diskrepanz war zu groß, der Betrag nicht gerechtfertigt“, erklärte der Zeuge die Ergebnisse der Gegenkontrolle des Unternehmens.

Als wie genau jedoch die Berechnung der Silage angesehen werden kann, ohne dass deren Gewicht mit einbezogen wurde, sei nur „schwer nachzuvollziehen“, erklärte wiederum der Projektleiter vor Gericht. Die Verteidigung bezweifelt, dass eine korrekte Berechnung des Massenverlustes überhaupt erfolgen konnte. „Es gibt keine genauen Zahlen oder Mengen, ein Betrugsvorsatz ist nicht bestätigt“, betonte Rechtsanwalt Peter Thiel.

Anklagevorwurf bestätigt, Prozess wird fortgeführt

Dass sich die abweichenden Summen ausschließlich aus der Zwischenlagerung der Rohstoffe ergeben, kann die Anklagevertreterin indes nicht glauben. „Davon bin ich nicht überzeugt, grundsätzlich ist der Anklagevorwurf bestätigt“, zog Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier eine erste Bilanz über die Sachlage. Eine Einstellung des Verfahrens komme derzeit nicht in Frage.

Das Schöffengericht gab auch nach Anfrage der Verteidigung bislang keine Stellungnahme über den momentanen Stand der Beweisaufnahme. Der Prozess wird am siebten April fortgesetzt.

von Ina Tannert

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